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     969  0 Kommentare Müßiggang ist aller Laster Anfang oder wenn die EZB zu wenig autoritär ist - Seite 2

    Stabilitätspolitik findet heute vor allem auf Verbalebene statt, sozusagen im Zins-Spiel ohne Ball.  

    Neben dem Fördern kommt das Fordern zu kurz

    Verständlicherweise beschweren sich unsere ausgabenfreudigen Politiker über diese wohlwollende Geldpolitik wenig. In gewissem Maße sind sie „auf den Hund gekommen“. Auch meine Hündin Betty beschwert sich nicht, wenn sie in ihrem Fressnapf eine Extraportion Futter findet.

    Wenn wie früher das Geld knapper und teurer wäre, baute sich ein gewaltiger Druck für Politiker auf, wirtschaftsfreundliche Standortbedingungen zu schaffen, um mit mehr Wachstum den Finanznöten zu entkommen.

    Leider jedoch lassen Regierungen Dinge schleifen und suggerieren, dass es neben dem harten Reformweg den vermeintlich einfacheren gibt. Dabei hätte es in den langen guten Wirtschaftsjahren auch viele gute Gelegenheiten gegeben, sich zukunftsfit zu machen. Doch wurden in Deutschland die letzten wirtschaftsfreundlichen Reformen vor 20 Jahren gemacht.

    Aber warum den Stier bei den Hörnern packen und der Wahlbevölkerung zumindest eine gewisse Zeit schmerzhafte Anpassungen zumuten, wenn neue Staatsschulden machen angenehmer ist und die Inflation bei der Schuldentilgung auch noch kräftig hilft? Aktuell werden Stabilitätssünden in Europa nur noch in Sonntagsreden geahndet.

    Der große Haken dieses europäischen Müßiggangs ist, dass mittlerweile zukünftiges Wachstum und Wohlstandsmehrung nur noch bei der Konkurrenz in Asien und Amerika stattfinden, wo man mit attraktiven Rahmenbedingungen die Zukunft gewinnen will. Wo auf Digitalisierung, günstige Energie, Planungssicherheit, steuerliche Attraktivität, Bildung oder ganz einfach auf Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität und Leistungsprinzip gesetzt wird. Und wo der Staat nicht die Nanny spielt, die auf missionarische Bevormundung und übergriffige Regulierung steht. Müsste die Abstimmung mit Füßen der deutschen Industrie und der gewaltige Nettokapitalabfluss nicht zur Kehrtwende der aktuellen Politik führen?

    Am Ende bleibt die Inflation stark und die Wirtschaft schwach

    Wenn Geld unter die Menschen gebracht wird, dem keine erwirtschaftete Leistung in Form von Gütern und Dienstleistungen gegenübersteht, kommt es - und hier schließt sich der Kreis - immer nur zu Inflation. Und diese frisst die Kaufkraft der Bürger ebenso schnell auf wie mein besagter Hund seine Leckerlies. Die Finanzgeschichte kennt viele gute Beispiele aus dem „Hundeleben“.  

    Nein, die EZB ist nicht der Erfüllungsgehilfe der Politik. Aus der Eigenverantwortung können sich europäische Finanz- und Wirtschaftspolitiker nicht länger davonstehlen. Wenn wir so weitermachen, wird Europa wirtschaftlich gegenüber Asien und Amerika nur die zweite Geige spielen, übrigens auch geopolitisch. War nicht von Brüssel beabsichtigt, Europa zum innovativsten und wachstumsstärksten Kontinent zu machen?

    Auch sollten unsere Politiker bitte aufhören, die Schuld für die Wirtschaftsmisere bei anderen zu suchen, bei denjenigen, die uns nicht mehr beschützen, die uns keine billige Energie mehr liefern oder die uns nicht mehr alles abkaufen. Also ran an die Arbeit.

    Man kann sich nur selbst ändern, nicht die anderen, hat mir meine Mutter immer gesagt.

    Wenn man nicht schwimmen kann, ist ja auch nicht die Badehose schuld.

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    Robert Halver
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    Robert Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernsehsendern und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie Fachpublikationen und als Kolumnist einem breiten Anlegerpublikum bekannt. Seine Markenzeichen, die unterhaltsame, bildhafte Sprache, kommen bei keinem seiner Auftritte zu kurz.

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    Verfasst von Robert Halver
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