Belastungen in Milliardenhöhe
Volkswagen: Gewinnwarnungsschock!
Aufgrund einer Umstrukturierung bei Audi in Brüssel hat VW seine Gewinnprognose kassiert. Die Aktie steht am Mittwoch unter Beobachtung. Erste Analysten schätzen die Lage ein.
- VW senkt Gewinnprognose aufgrund Umstrukturierung bei Audi in Brüssel.
- Werk in Brüssel wird überprüft, mögliche Schließung nicht ausgeschlossen.
- Zusätzliche Belastungen in Milliardenhöhe erwartet, Umsatzrendite sinkt.
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Volkswagen sieht sich gezwungen, aufgrund geringer Nachfrage nach dem Luxus-Elektrofahrzeug Audi Q8 e-tron, das Werk in Brüssel zu überprüfen und hat seine Gewinnerwartungen entsprechend gesenkt.
Audi, eine Tochtergesellschaft von VW, hat für die Anlage, die rund 3000 Mitarbeiter beschäftigt, einen "Informations- und Konsultationsprozess" eingeleitet, um mögliche Optionen für den Standort zu prüfen. Dabei schließt Audi auch die Möglichkeit einer Betriebseinstellung nicht aus, falls keine alternativen Lösungen gefunden werden. Dies wäre das erste Mal seit vielen Jahren, dass Volkswagen eine Produktionsstätte schließen würde.
Der Konzern erwartet nun zusätzliche Belastungen in Milliardenhöhe, wodurch die operative Umsatzrendite voraussichtlich um 0,5 Prozentpunkte auf 6,5 bis 7 Prozent sinken wird. Volkswagen führt an, dass bis zu 2,6 Milliarden Euro dieser zusätzlichen Kosten mit dem Werk in Brüssel zusammenhängen, welche im dritten Quartal zurückgestellt werden.
Hinzu kommen Ausgaben für die geplante Stilllegung des MAN-Gasturbinenwerks und Verluste durch Wechselkursschwankungen im Zuge des Rückzugs aus dem Russlandgeschäft. Bereits im zweiten Quartal wurden Rückstellungen in Höhe von 0,9 Milliarden Euro für den Personalabbau in der Verwaltung verbucht. Weitere Einzelheiten sollen bei der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse am 1. August erläutert werden. Nach VWs Gewinnwarnung hat auch die Porsche Holding ihre Prognose für das Gesamtergebnis des Konzerns von zuvor 3,8 bis 5,8 Milliarden Euro auf 3,5 bis 5,5 Milliarden Euro gesenkt.
Goldman Sachs hat die Bewertung der Vorzugsaktien von Volkswagen nach der Gewinnwarnung bei einem Kursziel von 140 Euro auf "Neutral" belassen. Laut dem Analysten George Galliers verursachen die aktuellen Umstrukturierungen zusätzliche Kosten in Höhe von 1,7 Milliarden Euro. Galliers äußert sich jedoch positiv über diese Ankündigung, da sie spezifische Schritte zur Steigerung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des Automobilherstellers darstellt.
Das Analyseunternehmen Jefferies hat die Bewertung für die Vorzugsaktien von Volkswagen auf "Buy" mit einem Kursziel von 150 Euro beibehalten. Analyst Philippe Houchois interpretiert diese Entwicklung als einen Bestandteil des Programms zur Kosteneffizienz und Neuausrichtung bei dem in Wolfsburg ansässigen Autohersteller. Zudem sieht er darin ein mögliches Anzeichen für künftige Restrukturierungen innerhalb der europäischen Automobilbranche in den nächsten Jahren.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
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