Earnings Preview – Teil 1
KI-Flop bei AMD und Microsoft? US-Quartalssaison vor heißester Woche!
Diese in den kommenden Tagen (KW31) anstehenden US-Quartalszahlen müssen Anleger kennen: Herausforderungen, Erwartungen und die aktuell eingepreisten Kursreaktionen – alles auf einen Blick!
Hinweis der Redaktion: In den kommenden Tagen geht es um Alles – und mit "Alles" ist nicht weniger als die Fortsetzung des Bullenmarktes gemeint! Können die Mega-Caps Amazon, Apple, Meta Platforms und Microsoft nicht liefern, dürfte es am KI-Himmel schnell finster werden.
Über die Entwicklungen innerhalb der Halbleiterbranche geben vor allem Arm, AMD und Intel Auskunft – und liefern damit erste Indizien für das Quartalsergebnis von Nvidia. Heißer als in dieser Woche wird der Sommer nicht mehr!
Für die kommenden Tage werden daher erneut nicht fünf, sondern gleich zehn besonders vielbeachtete Termine vorgestellt, aufgeteilt auf zwei Artikel. Teil 1 mit den Tagen Montag und Dienstag lesen Sie hier, Teil 2 mit den Tagen Mittwoch bis Freitag finden Sie unter dem folgenden Link: Earnings Preview Teil 2.
Montag, 29. Juli: McDonald's
Restaurant-Aktien hatten in den vergangenen Wochen und Monaten unter den Anlegern keinen leichten Stand. Die Branche kämpft einerseits mit stark gestiegenen Inputkosten, vor allem beim Personal und im Einkauf, andererseits zeigt sich eine wachsende Konsumzurückhaltung.
Viele Verbraucherinnen und Verbraucher sind nicht mehr bereit, die stark gestiegenen Preise zu bezahlen – ein Menü kostet in den USA inzwischen rasch 20 US-Dollar. Daher reagieren McDonald's, Burger King und andere Fastfood-Ketten mit günstigeren Produktkombinationen. Die allerdings lasten angesichts von Verkaufspreisen um 5 US-Dollar auf den Margen.
Das hat zu einem Rückgang der McDonald's-Aktie von 15 Prozent seit dem Jahreswechsel geführt, womit die Anteile den Anschluss an den Gesamtmarkt verloren haben. Soll dieser wieder hergestellt werden, muss die Burgerkette ein starkes Quartalsergebnis und überzeugende Lösungen für eine höhere Marge präsentieren.
Von Analysten wird ein Umsatz von 6,63 Milliarden US-Dollar erwartet, was gegenüber dem Vorjahresquartal einem Wachstum von zwei Prozent entspräche. Beim Gewinn je Aktie sind 3,07 US-Dollar prognostiziert, das käme einem Rückgang von 10 Cent gleich. Das reflektiert die operativen Herausforderungen.
Am Optionsmarkt zeigt sich eine hohe Unsicherheit über den Kursverlauf der Aktie, für die eine Kursbewegung von 4,7 Prozent eingepreist ist – das liegt deutlich über dem Mittelwert von 3,0 Prozent und stellt die höchste implizierte Reaktion seit vielen Quartalen dar. Mit einem Put-Anteil von 58,8 Prozent ist eine Mehrheit der Marktteilnehmenden für fallende Kurse positioniert.
Dienstag, 30. Juli: Pfizer
Der US-Pharmariese Pfizer war der Corona-Gewinner schlechthin. Mehr als 50 Milliarden US-Dollar Gewinn erzielte das Unternehmen in den Geschäftsjahren 2021 und 2022. Seither allerdings hat die Aktie den Rückwärtsgang eingelegt.
Es fehlt an umsatzstarken Präparaten, die die Einbußen aus dem zurückgegangenen Verkauf von Corona-Impfstoffen kompensieren könnten. Beim Milliardenmarkt Abnehmpräparate hat es Pfizer verpasst, rechtzeitig mit geeigneten Präparaten in den Wettbewerb einzutreten – jetzt muss gegenüber Eli Lilly und Novo Nordisk eine gewaltige Lücke geschlossen werden.
Wichtiger als die Zahlen zum abgelaufenen Quartal könnten daher Hinweise darauf werden, welche Fortschritte Pfizer mit seinen in der Entwicklung befindlichen Wirkstoffen, allen voran Danuglipron macht. Zeichnet sich hier eine baldige Marktreife ab, könnte das zu einer Rallye in der Aktie sorgen. Technisch jedenfalls ist die Chance hierzu bereits gegeben.
Erwartet werden Erlöse in Höhe von 13,02 Milliarden US-Dollar, was einen Zuwachs von 300 Millionen US-Dollar gegenüber dem Vorjahresquartal und das erste Wachstum im Vergleich zum Vorjahr seit dem Schlussquartal 2022 bedeuten würde. Daraus soll ein Gewinn von 0,46 US-Dollar pro Aktie erzielt werden, das wären 21 Cent und somit 31 Prozent weniger als vor 12 Monaten.
Die für Pfizer eingepreiste Kursbewegung liegt bei 4,4 Prozent, das liegt im Rahmen der vergangenen Quartale. Optionshändler favorisieren mit einer kleinen Mehrheit von 52,2 Prozent steigende Kurse und hoffen damit auf eine Wiederholung des vergangenen Quartals, in dem es für die Aktie um 6,1 Prozent nach oben ging.
Dienstag, 30. Juli: Procter & Gamble
Weitere Aufschlüsse über die Entwicklung der Verbraucherausgaben könnte das Quartalsergebnis des Konsumgüterriesen Procter & Gamble liefern. Der gehört mit Marken wie Pampers, Ariel und Meister Proper zum Premium-Segment.
Werden Konsumenten finanziell vorsichtig, schlägt sich das häufig darin nieder, dass anstatt zu Markenprodukten verstärkt die Handelsmarken großer Einzelhandelsketten gekauft werden. Sollte Procter & Gamble mit seiner Umsatzentwicklung daher nicht überzeugen können, wäre das ein Zeichen für das sogenannte Downtrading und ein schlechtes Zeichen für die zu erwartende Entwicklung der Verbraucherausgaben.
Gegenüber dem Vorjahresquartal wird mit einem Umsatzwachstum von einem Prozent auf 20,74 Milliarden US-Dollar gerechnet. Hier werden Anleger außerdem auf den Mix aus Warenvolumen und Verkaufspreisen achten – eine große Stärke des Unternehmens im Vergleich zu seinen Mitbewerbern ist die hohe Margenstärke. Die ist auch maßgeblich für die Premiumbewertung der Aktie.
Beim Gewinn prognostizieren Analysten 1,37 US-Dollar je Anteilsschein. Das läge centgenau auf dem Niveau des Vorjahres. Da das Unternehmen aber eigene Aktien zurückkauft und die Zahl der ausstehenden Anteile gesunken ist, würde das in der Summe einen leichten Gewinnrückgang bedeuten.
Konsumgüterwerte gelten als defensive Titel. Das reflektiert auch die mit überschaubaren 3,0 Prozent veranschlagte Kursbewegung. Angesichts der Tatsache, dass Procter & Gamble in den vergangenen fünf Quartalen jedes Mal mit Kursgewinnen belohnt wurde, ist es nicht überraschend, dass sich mit einer Call-Quote von 88,7 Prozent die überwältigende Mehrheit der Optionshändler für Wetten auf steigende Kurse entschieden hat.
Dienstag, 30. Juli: AMD
In der laufenden Quartalssaison fielen die Kursreaktionen auf die Ergebnisse von Halbleiter-Aktien bislang eher enttäuschend aus. Hart getroffen hat es nach den Zahlen vor allem NXP Semiconductors, SK Hynix und STMicroelectronics, das fast crashartig verkauft wurde.
Auch bei AMD erinnern sich Anleger eher weniger gerne an die vergangenen Quartalsberichte zurück. In den letzten sechs Quartalen ging es für die Aktie viermal bergab, zuletzt zweimal in Folge.
Zwar wird das Unternehmen als KI-Gewinner und Konkurrent von Nvidia gehandelt, dem Halbleiterentwickler fällt es aber schwer, mit seinen KI-Beschleunigern zu punkten und hier ein substanzielles Umsatzwachstum zu erzielen.
Daher dürfte für den Erfolg der Aktie die Umsatzentwicklung beim MI300-Prozessor, dem derzeit wichtigsten KI-Produkt von AMD, entscheidend werden. Insgesamt rechnen Experten mit Erlösen in Höhe von 5,72 Milliarden US-Dollar. Das wäre gegenüber dem Vorjahresquartal ein Anstieg von 7 Prozent. Für den Gewinn sind 0,68 US-Dollar je Aktie veranschlagt, zehn Cent über dem Wert vor einem Jahr.
Anleger müssen sich nach der Zahlenvorlage auf hohe Volatilität einstellen, am Optionsmarkt ist eine Kursbewegung von 9,0 Prozent impliziert. Das spiegelt auch die tatsächliche Reaktion der vergangenen Quartale wider, im Mittel handelte AMD nach seinem Geschäftsbericht mit einer Veränderung von 8,3 Prozent.
Angesichts des Ausverkaufs der Aktie in den vergangenen Wochen spekuliert eine Mehrheit der Händler auf eine Kurserholung: 68,3 Prozent aller offenen Optionskontrakte liegen auf der Call-Seite.
Dienstag, 30. Juli: Microsoft
Auf den von Alphabet vorgelegten Geschäftsbericht reagierten Anleger enttäuscht. Die Zahlen fielen zwar insgesamt stark aus, ließen aber einen spürbaren KI-Effekt vermissen. Das sorgte gemeinsam mit den schwachen Quartalszahlen von Tesla zu einem Abverkauf von Technologieaktien.
Es liegt daher an Microsoft, das mit seiner OpenAI-Beteiligung im Zentrum des KI-Hypes steht, für neue Fantasie zu sorgen und der Branche neue Hoffnung einzuhauchen – andernfalls dürften die in vielen Aktien hohen Bewertungen kaum länger zu rechtfertigen sein. Auch Microsoft liegt je nach Bewertungskennziffer um 10 bis 25 Prozent über seinem historischen Bewertungsmittel.
Daher sollte das Unternehmen die Erwartungen unbedingt schlagen. Diese liegen für den Umsatz bei 64,4 Milliarden US-Dollar, was einen Anstieg um 14,6 Prozent bedeuten würde. Investoren werden hier einmal mehr vor allem auf die Entwicklung bei der Cloud-Tochter Azure achten. Auch den Buchungen des KI-Assistenten Copilot dürfte eine entscheidende Rolle zukommen. Beim Gewinn rechnen die Experten mit einem Anstieg auf 2,94 US-Dollar je Anteilsschein. Im Jahr zuvor waren es noch 2,69 US-Dollar.
Nach der enttäuschenden Kursreaktion bei Alphabet ist auch gegenüber der Kursentwicklung von Microsoft Unsicherheit entstanden. Optionshändler haben sich mit einem Put-Anteil von 55,3 Prozent mit einer kleinen Mehrheit gegen fallende Kurse abgesichert. Daraus ist eine implizierte Kursbewegung von 5,3 Prozent entstanden. Üblicherweise handelt Microsoft aber deutlich unter der vorab eingepreisten Reaktion.
Weitere nennenswerte US-Quartalsberichte:
| Wert | Datum | Zeit | EPS * erw. | erw. Kursbew. | Börsenwert |
| Welltower | Mo., 29.07. | Nachbörse | 1,00 $ ** | ± 5,0 % | 64,9 Mrd. $ |
| On Semiconductor | Mo., 29.07. | Vorbörse | 0,92 $ | ± 9,6 % | 30,2 Mrd. $ |
| Lattice Semiconductor | Mo., 29.07. | Nachbörse | 0,24 $ | ± 12,0 % | 7,6 Mrd. $ |
| Rambus | Mo., 29.07. | Nachbörse | 0,45 $ | ± 13,2 % | 6,4 Mrd. $ |
| Symbotic | Mo., 29.07. | Nachbörse | 0,06 $ | ± 16,1 % | 4,0 Mrd. $ |
| PotlatchDeltic | Mo., 29.07. | Nachbörse | 1,02 $ ** | ± 5,4 % | 3,4 Mrd. $ |
| Tilray | Mo., 29.07. | Nachbörse | -0,01 $ | ± 14,4 % | 1,5 Mrd. $ |
| Merck | Di., 29.07. | Vorbörse | 2,14 $ | ± 4,5 % | 317,4 Mrd. $ |
| S&P Global | Di., 29.07. | Vorbörse | 3,65 $ | ± 3,9 % | 153,4 Mrd. $ |
| Stryker | Di., 29.07. | Nachbörse | 2,79 $ | ± 6,7 % | 126,1 Mrd. $ |
| Arista Networks | Di., 29.07. | Nachbörse | 1,94 $ | ± 9,2 % | 100,1 Mrd. $ |
| American Tower | Di., 29.07. | Vorbörse | 2,58 $ ** | ± 5,2 % | 99,6 Mrd. $ |
| Mondelez | Di., 29.07. | Nachbörse | 0,79 $ | ± 3,5 % | 90,4 Mrd. $ |
| Starbucks | Di., 29.07. | Nachbörse | 0,93 $ | ± 7,5 % | 83,8 Mrd. $ |
| Illinois Tool Works | Di., 29.07. | Vorbörse | 2,47 $ | ± 4,7 % | 74,0 Mrd. $ |
| PayPal | Di., 29.07. | Vorbörse | 0,98 $ | ± 8,7 % | 62,5 Mrd. $ |
| Public Storage | Di., 29.07. | Nachbörse | 4,21 $ ** | ± 5,6 % | 52,8 Mrd. $ |
| Electronic Arts | Di., 29.07. | Nachbörse | 0,43 $ | ± 5,5 % | 38,6 Mrd. $ |
| Sysco | Di., 29.07. | Vorbörse | 1,38 $ | ± 5,2 % | 36,8 Mrd. $ |
| Extra Space Storage | Di., 29.07. | Nachbörse | 2,00 $ ** | ± 6,7 % | 34,9 Mrd. $ |
| Archer-Daniels-Midland | Di., 29.07. | Vorbörse | 1,24 $ | ± 4,1 % | 32,1 Mrd. $ |
| Di., 29.07. | Nachbörse | 0,28 $ | ± 12,9 % | 25,6 Mrd. $ | |
| First Solar | Di., 29.07. | Nachbörse | 2,66 $ | ± 8,6 % | 24,2 Mrd. $ |
| Live Nation Entertainment | Di., 29.07. | Nachbörse | 1,08 $ | ± 8,3 % | 21,7 Mrd. $ |
| Skyworks Solutions | Di., 29.07. | Nachbörse | 1,21 $ | ± 7,0 % | 18,6 Mrd. $ |
| Essex Property Trust | Di., 29.07. | Nachbörse | 3,85 $ | ± 4,5 % | 18,4 Mrd. $ |
| Stanley Black & Decker | Di., 29.07. | Vorbörse | 0,84 $ | ± 7,8 % | 14,6 Mrd. $ |
| Incyte | Di., 29.07. | Vorbörse | 1,11 $ | ± 5,8 % | 13,5 Mrd. $ |
| W.P. Carey | Di., 29.07. | Nachbörse | 1,16 $ ** | ± 4,2 % | 13,3 Mrd. $ |
| Qorvo | Di., 29.07. | Nachbörse | 0,71 $ | ± 8,5 % | 11,7 Mrd. $ |
| Match Group | Di., 29.07. | Nachbörse | 0,73 $ | ± 8,6 % | 8,8 Mrd. $ |
| SoFi | Di., 29.07. | Vorbörse | 0,01 $ | ± 13,2 % | 7,8 Mrd. $ |
* Earnings per Share / Gewinn pro Aktie (Non-GAAP, bereinigt)
** Immobilienunternehmen (REIT), daher Funds from Operation (FFO) statt EPS
Stand: Samstag, 27. Juli, 10:00 Uhr (MESZ)
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion
