Vorsorgedepot
Starke US-Aktienkultur durch Altersvorsorge „401k“
Die US-Altersvorsorge 401k ist freiwillig – dennoch nutzen ihn etwa ein Drittel der US-Haushalte. In einer Artikelreihe setzen wir uns mit den Aktien- und Fondssparlösungen verschiedener Länder auseinander.
Etwa 58 Prozent der US-Haushalte waren per 2023 – indirekt über Fonds und ETFs oder direkt – in Aktien investiert. Zum Vergleich: In Deutschland waren es laut dem Deutschen Aktieninstitut zum gleichen Zeitpunkt etwa 17,6 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren.
Oxford Languages definiert den „American Dream“ als „Inbegriff für den Traum der Einwanderer in Amerika (besonders den USA) vom wirtschaftlichen Erfolg bei Wahrung der persönlichen Freiheit“. Das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ verspricht die Wandlung vom „Tellerwäscher zum Millionär“. Diese geflügelten Worte kommen nicht von ungefähr: Historisch zeigen US-Amerikaner eine Vorliebe für Investments mit hoher Renditeaussicht, der individuelle finanzielle Wachstum und das Investieren haben hohen kulturellen Stellenwert – die US-amerikanische Aktienkultur blüht.
401k: Wie funktioniert die US-Aktienrente?
Arbeitnehmer in den USA haben die Möglichkeit, freiwillig einen Teil ihres Einkommens für die Altersvorsorge über das sogenannte 401k-Spardepot (benannt nach Abschnitt 401(k) im Internal Revenue Code, dem Hauptbestandteil des amerikanischen Steuergesetzes) steuerbegünstigt in Kapitalmarktprodukte anzulegen – eine Möglichkeit, die von einem großen Teil der Bevölkerung genutzt wird: Etwa ein Drittel der Einwohner im arbeitsfähigen Alter sparen mit einem solchen Depot für ihre Rente. Dabei befruchten sich die US-Aktienkultur und der 401k-Plan gegenseitig: Zum einen sorgt die Vorliebe der Amerikaner für Aktien und Kapitalmarktprodukte, dass das Angebot so gut angenommen wird – zum anderen erleichtert 401k den Einstieg in den Aktienmarkt.
Der 401k-Plan ist eine freiwillige betriebliche Altersvorsorge – es ist sowohl Arbeitgeberinnen und -gebern als auch Arbeitsnehmenden freigestellt, einen 401k-Plan anzubieten bzw. anzunehmen. Laut dem US Bureau of Labor Statistics stellen rund 56 Prozent der US-Unternehmen ihren Angestellten die 401k-Altersvorsorge zur Verfügung. Je nach Unternehmensgröße variiert die Prozentzahl allerdings stark: Etwa 53 Prozent der Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern bieten eine Altersvorsorge an – bei größeren Unternehmen sind es mit 83 Prozent signifikant mehr. Ebenso ist es Unternehmen freigestellt, ob sie sich finanziell beteiligen. Im Durchschnitt beträgt diese Beteiligung etwa vier bis sechs Prozent des Angestellten-Gehalts.
Das Limit des Gehaltsanteils, den die Angestellten selbst einzahlen können, liegt 2024 bei 23.000 US-Dollar – Angestellte, die 50 oder älter sind, können bis zu 7.500 US-Dollar zusätzlich einzahlen. Für die kombinierte Einzahlung aus Angestellten- und Unternehmensbeitrag ist die Obergrenze 66.000 US-Dollar bzw. ab einem Alter von 50 Jahren 73.500 US-Dollar. Die Beiträge für traditionelle 401k-Pläne werden aus dem Bruttogehalt entnommen und erst bei der Vermögensentnahme versteuert. Bei einer vorzeitigen Entnahme müssen die Angestellten in der Regel Strafsteuern in Höhe von zehn Prozent zahlen. Die Regeln für die Entnahme sind von der US-Steuerbehörde festgelegt. Regulär beträgt das Mindestalter für die Entnahme 59,5 Jahre. Bestimmte Umstände können hier zu einer Ausnahme führen, beispielsweise wenn eine Schwerbehinderung des Kontoinhabers vorliegt, bei einer dauerhaften Arbeitslosigkeit oder beim Kauf eines Eigenheims (bis zu einem bestimmten Betrag). Verstirbt ein Kontoinhaber vorzeitig, können die Erbinnen und Erben das Vermögen ebenfalls ohne Strafsteuer entnehmen. Ab einem Alter von 73 Jahren (ab 2033 voraussichtlich 75 Jahren) müssen jährliche Mindestentnahmen vorgenommen werden.
Die Investment-Optionen innerhalb eines 401k-Plans variieren von Unternehmen zu Unternehmen. In der Regel steht den Angestellten eine Auswahl an Investmentfonds und/oder ETFs zur Verfügung, welche verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Geldmarktinstrumente abdecken. Je nach Risikobereitschaft und individueller Vorliebe können die Angestellten dann einen oder mehrere dieser Fonds auswählen. Die Unternehmen können dabei eine kuratierte Auswahl an investierbaren Produkten anbieten.
Nachdem die Angestellten zu Beginn des Plans ihre Anlagepräferenzen ausgewählt haben, erfolgt die Investition der monatlichen Beiträge automatisch – es sei denn, die kontoinnehabende Person nimmt aktiv Änderungen vor. Trifft eine Angestellte oder ein Angestellter keine spezifische Anlagewahl, wird der Beitrag häufig wie bei der schwedischen „Premiepension“ in eine Standardoption – beispielsweise einen konservativen oder breit diversifizierten Fonds – investiert.
Neben dem traditionellen 401k-Plan gibt es alternativ den sogenannten Roth-401k-Plan, bei dem bereits versteuerte Beiträge eingezahlt werden, die Entnahme selbst aber steuerfrei ist, sowie – beispielsweise für Arbeitnehmende, deren Arbeitgeber keinen 401k-Plan anbietet oder für Selbstständige – das traditionelle und Roth-IRA (Individual Retirement Arrangement): private steuerbegünstigte Rentenpläne, bei denen die Beiträge ebenfalls in Kapitalmarktprodukte investiert werden können.
Vorteile und Chancen, Nachteile und Risiken
Verbesserungswürdig ist in den USA die Finanzbildung. Dabei sind die ausschlagenden Faktoren laut einer Financial Industry Regulatory Authority-(FINRA-)Studie sozioökonomische und bildungstechnische Barrieren. So gibt es trotz des weit verbreiteten Angebots der 401k-Pläne weiterhin eine große Schere zwischen Arm und Reich. Laut Daten der Federal Reserve besitzen die reichsten zehn Prozent der US-Haushalte rund 89 Prozent aller US-Aktien.
Die 401k-Pläne haben aber seit der Einführung bereits massiv dazu beigetragen, dass auch bildungsärmere und weniger vermögende Haushalte in den Kapitalmarkt einsteigen. Die Hemmschwelle ist niedrig: Die automatisierten Prozesse sowie die Möglichkeit, auch die Anlageentscheidung aus den Händen zu geben, ermöglicht auch denjenigen Menschen ein Investment, die sich selbst nicht aktiv mit der Geldanlage auseinandersetzen möchten.
Insgesamt führt die Aktienkultur der USA, die durch Angebote wie 401k gefördert wird, zu einem starken liquiden Aktienmarkt, an dem die Bevölkerung partizipiert. Unternehmen kommen schnell an Finanzierung und können somit schnell agieren. Die wachsende Volkswirtschaft wiederum führt dazu, dass die Anlegerinnen und Anleger sich über steigende Aktienkurse und Dividenden freuen können.
Fazit: 401k ist zentraler Baustein der US-Altersvorsorge
Der 401k-Plan hat sich als ein zentraler Baustein der Altersvorsorge in den USA etabliert und bietet viele Vorteile. Er ermöglicht es Arbeitnehmern, durch steuerliche Anreize und automatisierte Prozesse unkompliziert am Kapitalmarkt teilzunehmen und Vermögen für das Alter aufzubauen. Besonders positiv ist, dass auch Personen ohne umfangreiche Finanzkenntnisse von den Chancen am Aktienmarkt profitieren können, was die amerikanische Aktienkultur stärkt und zur wirtschaftlichen Dynamik des Landes beiträgt.
Die bestehende Vermögensungleichheit bleibt allerdings eine Herausforderung. Zudem zeigt sich ein deutlicher Bedarf an verbesserter Finanzbildung, um sicherzustellen, dass alle Bevölkerungsgruppen die Möglichkeiten der 401k-Pläne voll nutzen können. Dennoch bietet der 401k-Plan ein enormes Potenzial, die finanzielle Sicherheit im Ruhestand für Millionen Amerikaner zu verbessern, und trägt wesentlich zur Stärkung der US-Wirtschaft bei.
Autorin: Kerstin Krüsemann

