Markt verfünffacht sich
Diese 5 Konzerne attackieren Novo, Lilly auf dem lukrativen Adipositas-Markt
Auch wenn alle nur noch über KI reden, der Markt für Gewichtsverlust-Mittel explodiert regelrecht. Einige Unternehmen haben gute Chancen, den Marktführern gefährlich zu werden.
- Gewichtsverlust-Markt boomt, Umsatz bis 2028: 131 Mrd. USD.
- Amgen und Viking Therapeutics mit vielversprechenden Medikamenten.
- Neue orale Therapien erweitern Behandlungsoptionen erheblich.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Es ist still geworden um die Gewichtsverlust-Mittel von Eli Lilly und Novo Nordisk, nachdem alle nur noch über KI und die damit verbundenen Chancen am Aktienmarkt diskutieren. Dabei sind die Erträge der Konzerne keineswegs geringer geworden, im Gegenteil.
Die weltweiten Verkäufe von Adipositasmedikamenten, die sich in den drei Jahren bis 2023 auf knapp 24 Milliarden US-Dollar versiebenfacht haben, könnten bis 2028 auf 131 Milliarden US-Dollar hochschnellen, wie aus Daten von IQVIA hervorgeht. Etwaqs vorsichtiger sind die Analysten von Jefferies, die bis 2031 mit Umsätzen über 120 Milliarden US-Dollar jährlich rechnen.
Eine neue, sehr umfangreiche Studie hat nun gezeigt, dass Medikamente zur Gewichtsabnahme wie Ozempic des dänischen Unternehmens Novo oder Mounjaro von Lilly die Rate des Opioid- und Alkoholmissbrauchs um bis zu 50 Prozent senken können. Diese Medikamente können also deutlich mehr bieten als nur die Kontrolle von Gewicht und Diabetes.
Und während Lilly und Novo mit einem Marktanteil von insgesamt rund 80 Prozent weiterhin dominieren werden, könnten aufstrebende Wettbewerber bis zu 20 Prozent des lukrativen Marktes für sich beanspruchen. Das würde jährliche Einnahmen von bis zu 25 Milliarden US-Dollar bedeuten – ein großes Potenzial für Unternehmen, die sich in der nächsten Welle der Medikamentenentwicklung durchsetzen.
Amgen: Ein klarer Favorit?
Eines der aussichtsreichsten Unternehmen in diesem Wettrennen ist der Biotech-Riese Amgen, der mit MariTide ein potenzielles Blockbuster-Medikament in der Pipeline hat. Die Phase-2-Studien kommen sehr gut voran, sodass bald eine "robuste, umfangreiche Phase 3" folgen werde, kündigte Konzernchef Robert Bradway an.
Analysten gehen davon aus, dass das Medikament einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 20 bis 24 Prozent über ein Jahr bewirken könnte. Damit wäre es in direkter Konkurrenz zu Eli Lillys Zepbound. Zudem könnte MariTide durch seine weniger häufige Dosierung und möglicherweise geringere Nebenwirkungen punkten – ein wesentlicher Vorteil auf einem Markt, der von starken gastrointestinalen Nebenwirkungen betroffen ist.
Viking Therapeutics beschleunigt den Fortschritt
Auch Viking Therapeutics macht mit seinem Wirkstoff VK2735, der sowohl oral als auch injizierbar verabreicht werden kann, bedeutende Fortschritte. Wie Zepbound wirkt VK2735 auf zwei unterschiedliche Darmhormone und hat bereits vielversprechende Resultate geliefert. Die injizierbare Version des Medikaments geht direkt in Phase 3, während die orale Version noch in diesem Jahr in Phase 2 getestet wird. Diese beschleunigte Entwicklung könnte Viking einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.
Orale Lösungen: Der nächste Schritt
Structure Therapeutics sticht als Entwickler oraler GLP-1-Medikamente hervor. Ihr Wirkstoff GSBR-1290 zeigt laut klinischen Daten bereits nach drei Monaten eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 6,2 Prozent. Diese orale Variante könnte die Behandlungsoptionen für Adipositas erweitern und die Medikamente zugänglicher und erschwinglicher machen. Strukturierte orale Präparate könnten zudem als Erhaltungstherapie dienen, sobald Patienten ihr Zielgewicht mit injizierbaren Medikamenten erreicht haben.
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Neue Ansätze und Muskelmasse erhalten
Neben dem Gewichtsverlust rückt auch der Erhalt der Muskelmasse in den Fokus der Forschung. Scholar Rock Holding entwickelt mit Apitegromab und SRK-439 zwei vielversprechende Medikamente, die den Verlust von Muskelmasse bei Patienten, die GLP-1-Medikamente einnehmen, verhindern könnten. Dies könnte ein entscheidender Faktor in der Langzeitbehandlung von Adipositas sein.
Neue Ansätze und Innovationen
Die dänische Zealand Pharma bietet mit Petrelintide einen neuartigen Ansatz, der auf Amylin basiert und das Sättigungsgefühl steigern könnte – möglicherweise mit weniger Nebenwirkungen als die etablierten GLP-1-Medikamente. Die Ergebnisse aus einer Phase-1b-Studie werden im November erwartet und könnten das Potenzial des Medikaments verdeutlichen.
Für Investoren und Unternehmen, die in den Adipositas-Markt einsteigen, bieten diese neuen Medikamente enorme Chancen. Mit einem wachsenden Markt und innovativen Ansätzen könnten diese Kandidaten die nächste Welle der Therapien anführen. Gleichzeitig gilt es jedoch zu bedenken, dass einige der Aktien in Erwartung künftiger Einnahmen bereits kräftig gestiegen sind.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion



