Totalabsturz oder Chance?
Nvidia, Siemens Energy und Hochtief - Wedbush sieht "einmalige Gelegenheit"!
Das chinesische KI-Start-up DeepSeek schüttelt die Märkte durch. Viele KI-Lieblinge verzeichnen zweistellige Kursverluste. Ist der ganze KI-Hype übertrieben oder mussten die Aktien einfach mal Dampf ablassen?
- DeepSeek sorgt für Unsicherheit bei KI-Aktienmärkten.
- Nvidia und Siemens Energy verzeichnen massive Verluste.
- Experten warnen vor übertriebenen Marktreaktionen.
- Report: Favoritenwechsel - diese 5 Werte sollten Anleger im Depot haben!
Zu Wochenbeginn sorgte DeepSeek für Aufregung: Das neue KI-Modell des Start-ups soll besonders kosteneffizient sein und weniger leistungsstarke Chips benötigen als die Modelle großer Anbieter. Das sorgte bei Anlegern für Unsicherheit, besonders bei KI-Chip-Herstellern wie Nvidia, Broadcom und AMD sowie bei Software-Giganten wie Microsoft. In Japan fielen Aktien von Unternehmen wie Tokyo Electron, Advantest und Softbank deutlich.
Nvidia verlor zum Wochenstart mehr als 11 Prozent und fiel auf 126,77 Dollar. Damit verlor das Unternehmen den Titel des wertvollsten börsennotierten Unternehmens wieder an Apple, dessen Marktwert um 2 Prozent auf 3,4 Billionen Dollar stieg. Auch Microsoft überholte Nvidia mit einem Marktwert von 3,2 Billionen Dollar.
In Deutschland gerieten Halbleiterwerte wie Aixtron (-5,9 %), Siltronic (-3,0 %) und Süss Microtec (-11 %) stark unter Druck. Auch große DAX-Unternehmen wie Infineon und Siemens verloren jeweils mehr als 3 Prozent, während SAP um ein Prozent nachgab.
Siemens Energy stürzte besonders ab und verlor nach einem Rekordhoch am Freitag über 20 Prozent. Selbst positive Analystenstimmen konnten den Rückgang nicht stoppen. So empfahl die Bank of America die Aktie mit einem Kursziel von 80 Euro. Die Sorgen der Anleger überwogen jedoch.
Die Lage ist zwar angespannt, aber Experten mahnen jedoch zur Ruhe. Sie sehen zwar kein Drama, warnen aber, dass die Debatte die hohen Bewertungen vieler Tech-Unternehmen unter Druck setzen könnte.
"Das Weltuntergangszenario, das gerade im Twitter-Universum verbreitet wird, scheint übertrieben", schreiben die Experten um Stacy Rasgon von Analysehaus Bernstein Research. Die KI-Modelle von DeepSeek liefern zwar gute Ergebnisse, doch die Vorstellung, OpenAI sei für 5 Millionen US-Dollar kopiert worden, hält man für unrealistisch. Die Effizienz von DeepSeek-V3 überrascht die Experten nicht, da es auf einer sogenannten Mixture-of-Experts (MoE)-Architektur basiert. Diese Technologie ist speziell darauf ausgelegt, die Kosten für das Training und den Betrieb von KI-Modellen zu senken, indem immer nur ein Teil der Modellparameter gleichzeitig genutzt wird.
Anleger sind trotzdem verunsichert
Das KI-Modell von DeepSeek liefert beeindruckende Ergebnisse, obwohl es ohne die extrem hohen Rechenleistungen der neuesten Nvidia-Chips auskommt. Für die Börse ist das eine Herausforderung, denn die großen Tech-Konzerne investieren hunderte Milliarden US-Dollar in neue KI-Rechenzentren, was ihre Profitabilität stark belastet. Bisher galt dieser Ansatz als alternativlos. Doch die Chinesen beweisen, dass es auch mit deutlich weniger leistungsstarken Chips möglich ist, die amerikanischen Technologien einzuholen.
Wedbush sieht einmalige Gelegenheit
"Es ist klar, dass Tech-Aktien unter massivem Druck stehen, angeführt von Nvidia, da die Märkte DeepSeek als eine große Bedrohung für die US-Tech-Dominanz und die eigene KI-Revolution ansehen wird", schrieben die Wedbush-Analysten in einer Research Note.
Wedbush bezeichnete die DeepSeek-Technologie zwar als beeindruckend, glaubt aber nicht, dass das Unternehmen den Weg der US-Industrie zur allgemeinen Dominanz der künstlichen Intelligenz endgültig entgleisen lassen wird. "Die KI-Infrastruktur und die Ökosysteme Chinas und insbesondere DeepSeek können nicht an die Fähigkeiten der USA heranreichen", so der Tech Bulle Dan Ives von Wedbush.
Den Rücksetzer zu Wochenbeginn sieht Dan Ives als eine "einzigartige Gelegenheit" bei Nvidia, Microsoft, Alphabet, Palantir, Salesforce und Amazon einzusteigen.
Auch Siemens Energy erwischt es schwer
Die Aktien des DAX-Konzern sind mit einem Minus von rund 20 Prozent in die neue Woche gestartet. Wenn die neue Technologie von DeepSeek mit weniger Rechenleistung auskommt, dann schließen die Anleger auch daraus, dass der Stromverbrauch für künftige KI-Modelle aktuell als viel zu hoch eingeschätzt wird. Daher stehen neben Siemens Energy auch die US-Stromlieblinge der Anleger schwer unter Druck. Vertiv verliert fast 30 Prozent und Constellation Energy verliert rund 20 Prozent.
Die Aktie von Siemens Energy hat damit an nur einem Tag ihre kompletten Gewinne des noch jungen Jahres wieder abgegeben und liegt jetzt seit Jahresanfang rund 5 Prozent im Minus.
Mein Tipp: Das Unangenehme an einer dringend benötigten Korrektur ist, dass niemand genau weiß wann sie kommt, was sie auslöst und wie heftig sie wird. Diesmal war der Start von DeppSeek, der die KI-Aktien und alles drumherum durchrüttelt.
Einige Anleger, die schon etwas länger über Gewinnmitnahmen nachdenken, schreiten jetzt zur Tat. Andere Anleger geraten in Panik und schließen sich den Verkäufen an und schon ist das "Chaos" perfekt und zweistellige Kurseinbrüche sind keine Seltenheit.
Insgesamt liegt die Wahrheit wohl mal wieder in der Mitte. Dass die Märkte nicht in den Himmel wachsen und einige Bewertungen schon mehr als sportlich waren, lag auf der Hand. Trotzdem fällt die Korrektur unterm Strich etwas zu kräftig aus.
Sicherlich benötigt die Rechenleistung von DeepSeek weniger Strom als manches US-Rechenzentrum. Zum einen ist dies aber auch Teil des Modells, da die sogenannte Mixture-of-Expert (MoE)-Architektur darauf ausgelegt ist, die Kosten für Training und Betrieb von KI-Modellen zu reduzieren, da immer nur ein Teil der Modellparameter aktiv ist. Zum anderen ist es Teil der natürlichen Entwicklung und Forschung. Nehmen wir zum Beispiel das Smartphone: Es ist im Laufe seiner Jahre auch immer dünner und leistungsfähiger geworden. Auch hier kamen die Trends mal von Apple, Samsung, Huawai oder Xiaomi. Geschadet hat es der Entwicklung des Smartphones nicht. Bei Rechenzentren und KI-Modellen wird sich der Lauf der Dinge ähnlich verhalten.
Daher sollten Anleger den Rücksetzer bei Siemens Energy auch nicht zu hoch hängen. Wenn sich der Rauch gelegt hat, sollte die Charttechnik entscheiden. Klettert der Kurs von Siemens Energy wieder über die runde Marke von 50 Euro, dann können Anleger auch wieder zugreifen.
Während Anleger bei Siemens Energy noch ein paar Tage ins Land gehen lassen sollten, sieht es bei Hochtief etwas anders aus. Hier können Anleger den Rücksetzer sofort ausnutzen. Der MDAX-Konzern ist eines der führenden Bauunternehmen Europas und die Aktie hat zuletzt vom wachsenden Bedarf an Rechenzentren weltweit profitiert. Der steigende Datenverkehr durch KI-Anwendungen, Cloud-Dienste und digitale Transformation treibt die Nachfrage in die Höhe.
Hochtief ist nicht nur auf den klassischen Hoch- und Tiefbau spezialisiert, sondern hat sich in den letzten Jahren auch auf den Bau von energieeffizienten und nachhaltigen Rechenzentren fokussiert. Diese sind oft mit komplexen Kühlsystemen und Sicherheitsstandards ausgestattet, die hohe Ingenieurskunst erfordern.
Der Start von DeepSeek wird den Bedarf an Rechenzentren weltweit sicherlich nicht verringern. Es könnte höchstens sein, dass sich die Anforderung an das Objekt inhaltlich verändern. Daher dürfte Hochtief im Bereich Rechenzentren keine Nachfrageflaute erleben.
Mit einem geschätzten KGV von 15,7 für das laufenden Jahr und einer erwarteten Dividendenrendite von fast vier für 2025 ist die Aktie alles andere als überbewertet. Wer noch ein wenig Risiko aus der Spekulation nehmen möchte, der wartet noch ein, zwei Tage und schaut, ob die Unterstützung bei rund 130 Euro hält und steigt dann ein.
Markus Weingran, Chefredakteur wallstreetONLINE Börsenlounge
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