Korrekturgefahr?
SAP nach Mega-Rallye: So teuer ist die Aktie jetzt!
Nichts scheint die SAP-Aktie derzeit aufhalten zu können. Diese ist am Mittwoch auf ein neues Allzeithoch gestürmt – das gilt allerdings auch für die Bewertung.
Kaum eine Aktie ist derzeit so eng mit dem anhaltenden Höhenflug des deutschen Leitindex DAX verbunden wie die Anteile von SAP. Der Cloud- und Softwareanbieter hat sich in den vergangenen Jahren enorm gesteigert und sorgt mit seinem Indexgewicht von 16,7 Prozent für die angesichts der schwachen Wirtschaftslage in Deutschland überraschend gute Performance des Börsenbarometers.
In den vergangenen drei Jahren, also unter Berücksichtigung des Bärenmarktes 2022/23, hat die Aktie sagenhafte 148,0 Prozent zugelegt. Damit müssen sich die Walldorfer nur Siemens Energy (+187,6 Prozent) und Rheinmetall (+727,2 Prozent) geschlagen geben.
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Geschäftsentwicklung rechtfertigt den Höhenflug nur teilweise
Mit zum Erfolg der Aktie beigetragen hat neben dem KI-Boom und der anhaltenden Begeisterung für Cloud- und Software-Titel die anhaltend gute Geschäftsentwicklung. Gegenüber dem Stand vor 3 Jahren kletterten die Erlöse von 26,95 Milliarden Euro auf 34,18 Milliarden Euro. Im selben Zeitraum steigerte SAP seinen operativen Gewinn von 6,38 Milliarden Euro auf 8,16 Milliarden Euro.
Das entspricht einem Umsatzwachstum von 26,8 Prozent, während der operative Gewinn leicht überproportional um 27,9 Prozent gesteigert werden konnte. Mit zur starken Performance der Aktie hat außerdem beigetragen, dass SAP im Verhältnis zur internationalen Konkurrenz vergleichsweise moderat bewertet war.
SAP inzwischen teurer als die US-Konkurrenz
Vor drei Jahren lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Unternehmens bei 28, das Kurs-Buch-Verhältnis bei 3,78 und der Unternehmenswert im Verhältnis zum operativen Gewinn (EV/EBITDA) bei 15,1. Doch wie der Vergleich der Bewertungskennziffern zeigt, ist es mit der Unterbewertung der Aktie vorbei. Die ist inzwischen teuer – sehr teuer!
| Wert | SAP | Oracle | Microsoft | Amazon | Alphabet | Salesforce |
| Börsenwert | 315,8 Mrd. € | 469,6 Mrd. $ | 3,07 Bil. $ | 2,55 $ Bil. $ | 2,53 Bil. $ | 329,3 Mrd. $ |
| Performance (1Y) | +64,6 % | +48,9 % | +1,2 % | +38,0 % | +34,3 % | +21,1 % |
| Performance (3Y) | +148,0 % | +116,9 % | +38,5 % | +50,4 % | +34,8 % | +57,8 % |
| KGVe (2025) | 42,1 | 27,3 | 31,3 | 39,0 | 23,0 | 34,9 |
| KUVe (2025) | 9,1 | 8,1 | 11,1 | 3,6 | 5,9 | 8,7 |
| KCFe (2025) | 34,3 | 21,4 | 23,5 | 20,6 | 16,9 | 26,5 |
| KBVe (2025) | 6,44 | 22,92 | 8,91 | 9,16 | 6,51 | 5,41 |
| EV/EBITDA | 26,1 | 18,4 | 20,4 | 18,5 | 16,5 | 23,3 |
| PEG | 3,26 | 2,45 | 2,42 | 2,18 | 1,40 | 2,20 |
| Div.rendite | 0,86 % | 0,95 % | 0,81 % | - | 0,39 % | 0,46 % |
Stand: Mittwoch, 05. Februar, 19:00 Uhr (MEZ)
Quellen: SeekingAlpha, MarketScreener; eigene Darstellung
Mit Blick auf die schärfsten Rivalen im Cloud- und CRM-Geschäft, aber auch gegenüber dem direkten Konkurrenten Oracle, weist SAP die in den vergangenen 3 Jahren beste Performance aus. Das hat sich allerdings auch in der gleichzeitig teuersten Bewertung niederschlagen.
Bei fast allen relevanten Bewertungskennziffern liegt SAP an Platz 1, nur beim Kurs-Umsatz-Verhältnis ist Microsoft etwas teurer, beim Kurs-Buch-Verhältnis sind immerhin vier Mitbewerber höher bewertet. Allerdings ist das gerade bei Technologiekonzernen eine oft wenig aussagekräftige Kennziffer, da die Bilanzen der Unternehmen häufig hohe immaterielle Vermögenswerte enthalten.
Auffällig ist außerdem, dass SAP zwar mit die höchste Bewertung aufweist, aber gleichzeitig auch das Kurs-Gewinnwachstums-Verhältnis (PEG) teuer ist. Ein gegenüber der Konkurrenz besonders starkes Wachstum würde höhere Vielfache bei anderen Kennzahlen rechtfertigen, das ist aber nicht der Fall.
Auch technisch dürfte nicht mehr viel gehen
Was den Chart der Aktie betrifft, hat dieser mit einem weiteren Allzeithoch am Mittwoch zwar ein technisches Kaufsignal geliefert. Inzwischen sind aber die Abstände zu den gleitenden Durchschnitten (50- und 200-Tage-Linie) enorm – das ist ein erstes Warnsignal.
Das zweite liefert der Relative-Stärke-Index (RSI), der auf Tagesbasis bei 73 Punkten und auf Wochen- sowie auf Monatsbasis bei 78 und 86 Zählern liegt. Werte oberhalb von 70 Punkten gelten als fortgeschritten. Ab 80 gilt eine Aktie als eindeutig überkauft.
Auf Wochenbasis war der RSI zuletzt im vergangenen Jahr sowie im Juni 2017 vergleichbar hoch. In beiden Fällen folgte eine deutliche Korrektur. Der Monatswert hingegen war in der Geschichte der Aktie noch nie auch nur annähernd so hoch wie jetzt. Das zeigt, wie fortgeschritten die Rallye der SAP-Aktie bereits ist.
Fazit: Bewertungskorrektur nur eine Frage der Zeit
Die enorm hohe Bewertung der Aktie, die bei fast allen relevanten Kennzahlen weit über denen der Konkurrenz liegt, macht SAP anfällig für eine Bewertungskorrektur, zumal Anlegerinnen und Anleger hier gleichzeitig auch das höchste Vielfache für das Wachstum auf den Tisch legen müssen.
In Kombination mit den auch technisch nur noch begrenzt vorhandenen Aufwärtsmöglichkeiten, sollten sich Investoren daher mittelfristig auf einen tieferen Einbruch gefasst machen – ein Test der 50-Tage-Linie bei rund 245 Euro oder sogar der 200-Tage-Linie, die bei 206,07 Euro verläuft, wäre nichts ungewöhnliches. Das bedeutet ein beträchtliches Abwärtspotenzial.
Jetzt absichern? So geht's!
Wer sich dagegen absichern oder sogar aktiv eine Short-Wette eingehen möchte, sollte einen Optionsschein mit einer verhältnismäßig langen Laufzeit wählen. So fallen die Verluste geringer aus, sollte SAP noch etwas weiter steigen. Aus diesem Grund sollte außerdem ein Optionsschein gewählt werden, der zum Start in die Position im Geld liegt. Der Put-Optionsschein HT23HH bietet mit einer Laufzeit bis Dezember und einem Basispreis von 280,00 Euro die Kombination aus beidem.
Aufgrund der hohen Gewichtung der Aktie im deutschen Leitindex DAX ist eine Absicherung gegen eine Korrektur in der SAP-Aktie gleichzeitig auch eine Versicherung gegen fallende Kurse am Gesamtmarkt. Das Auszahlungsprofil von HT23HH ist beispielhaft das folgende:
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

