Katharina Dauenhauer:
„Dabei lohnt sich ein Invest in Aktien immer“
Finanzexpertin Katharina Dauenhauer fordert mehr Mut zum Investieren – und zeigt, warum jetzt der richtige Moment für den Vermögensaufbau ist.
2025 macht es Anlegern nicht gerade leicht, ruhig zu schlafen. Und doch soll Genau jetzt sei die beste Zeit, um in Aktien zu investieren, meint Katharina Dauenhauer von Dauenhauer Consulting. Denn wer stillhält, verschenkt Vermögen. Im Interview spricht sie über Irrtümer beim Sparen, den Reiz antizyklischer Käufe – und warum selbst 55-Jährige noch gewaltig profitieren können.
2025 ist zur Hälfte rum. Die Aktienmärkte gerieten dieses Jahr oft genug unter Druck. Haben die Menschen in Deutschland heute mehr Sorge, finanziell aktiv zu werden?
Pauschal kann man das so nicht sagen. Fakt ist, dass Neuwahlen, Zölle und Geopolitik ihre Wirkung entfaltet haben. Gerade Neuaktionäre, die das erste Mal sehen, wie ihre Aktien in den Keller gehen, bekommen dann ein ungutes Gefühl.
Krisen, die die Börsen stressen, gab es aber immer. Da ist 2025 nicht das erste und nicht das letzte Jahr. Was ich bei Kunden und Interessenten an unseren Leistungen merke ist, dass traditionelle Finanzprodukte immer obsoleter werden. Unprofitable Anlagen wie Bausparverträge, Rieser-Rente und Tagesgeld verlieren glücklicherweise an Zustimmung.
Investments in Aktien werden umso populärer. Risiken einzugehen, werden dahingehend verstärkt akzeptiert, um finanzielle Selbstbestimmung in die Hand zu nehmen. Allerdings noch nicht in dem Rahmen, der ideal wäre. Zu viele Menschen im Land setzen auf Lösungen, die ihnen finanziell schaden statt nutzen.
Einige „Dauerbrenner“ wie der MSCI World standen zuletzt auch in der Kritik. Zurecht?
Nein. Denn mittelgroße und große Unternehmen aus den wichtigsten Volkswirtschaften wie eben Deutschland, USA oder Großbritannien, werden auf lange Sicht wahrscheinlich ihr Standing behalten.
Alleine der MSCI World hat seit 2020 mit einem Ausnahmejahr immer zweistellige Renditen pro Jahr eingefahren. Finanzprodukte, die das leisten und damit klar über der Inflationsrate sind, gehören auf die Prioliste von Investoren.
Erst wenn langfristige Einbrüche geschehen, können Investments hinterfragt werden. Das sehe ich bei den meisten sogenannten “Evergreens” allerdings nicht kommen.
Welche Märkte erachten Sie heute als vielversprechend?
Persönlich verlasse ich mich auf international aufgestellte Titel aus den Segmenten Tech, Finance und Pharma. Globale Marktführer in diesen Branchen sind nicht nur krisenfest. Profitable Geschäftsmodelle und Burggräben ergeben aus meiner Sicht eine zuverlässige Mischung für ein modernes Portfolio.
Persönlich würde ich jedoch davon abraten, auf Trends und Hypes zu hören. Besser das einzelne Investment gut überlegen und das Unternehmen unter die Lupe nehmen bevor gekauft wird.
Gibt es Unterschiede zwischen den Altersgruppen? Sind junge Aktionäre hungriger als fortgeschrittene Semester?
Natürlich unterscheiden sich Investments pro Altersgruppe. Das hängt mit Einstellungen und persönlichen Zielen sowie mit dem Anlagehorizont zusammen. Ein zwanzigjähriger Single investiert anders als eine fünfundfünfzigjährige alleinerziehende Mutter.
Einsteiger verstehen immer mehr, dass der Glaube an das schnelle Geld nicht den richtigen Weg darstellt. Viel zu viele kommen aber gar nicht in die Umsetzung und warten zu lange.
Aktionäre im Alter 50+ fragen sich hingegen, ob es sich noch lohnt, in Aktien zu investieren. Da spüre ich leider eine große Skepsis. Ein Unterschied zwischen den Altersgruppen gibt es insofern schon. Dabei lohnt sich ein Invest in Aktien immer.
Denn selbst wenn das Rentenalter in zehn, fünfzehn Jahren wartet: Der Unterschied zwischen zwei Prozent auf dem Tagesgeld und Renditen an den Börsen sind für jeden ein enormer Unterschied. Zehn, fünfzehn Prozent liefern auch für die Generation 50+ einen massiven Mehrwert.
Zudem ist der Investmenthorizont oft deutlich länger als antizipiert: Investieren endet nicht mit 67. Idealerweise bleibt man auch in der Rentenbezugsphase weiter investiert, während man eine gut geplante Entnahmephase umsetzt.
Was müssen Aktien-Fans heute beachten, wenn sie starten?
Meiner Meinung nach ist der größte Fehler nicht zu starten. Denn wer nicht rechtzeitig investiert und sich dann noch auf klassische Finanzprodukte verlässt, betreibt in meinen Augen Vermögensabbau.
Außerdem rate ich dazu, Emotionen beim Investieren wegzulassen. Gefühle wie Angst vor fallenden Kursen oder eine Art FOMO bei Trends, können problembehaftet sein.
Genauso sollte die Finanzentscheidungen nie an den Partner übertragen werden. „Der macht das schon, der hat Ahnung“ – von so einer Denkweise kann ich wirklich nur abraten. Und: Aktuell noch niedrige Einkaufspreise laden ein, großzügig einzukaufen. Das antizyklische Investieren – also dann, wenn viele zögern – macht aus meiner Sicht den Unterschied zwischen guten und sehr guten Investoren aus.
Ein Blick in die Zukunft lohnt sich immer – was erwarten Sie in naher Zukunft am deutschen Aktienmarkt?
Natürlich besitzt keiner eine Glaskugel. Zur Wahrheit gehört allerdings, dass beispielweise im letzten Herbst 2024 die Einstiegspreise an den Börsen noch sehr hoch waren. Das ist ehrlich gesagt nicht der beste Zeitpunkt gewesen, um einzusteigen. Wer heute allerdings zupackt und auf die richtigen Branchen oder Einzelwerte setzt, kann mittel- bis langfristig große Sprünge beim Vermögensaufbau machen. Erst recht, wenn sich die internationalen Märkte entspannen.

