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Amatech Schwache Zahlen und weiteres Risiko

Gastautor: Klaus Singer
01.06.2001, 14:23  |  209   |   |   
Der Anbieter von kontaktlosen SmartCards AmaTech sieht sich einer finanziell zugespitzten Situation gegenüber 193504. Zwar könnten die Löhne und Gehälter noch gezahlt werden, aber man sei auf der Suche nach frischem Kapital.

Die Gründe für die ausgesprochen schwache Entwicklung in den ersten drei Monaten liegen nach Darstellung des Unternehmens in folgenden Faktoren: Bedingt durch Engpässe des Lieferanten Philips hatten mögliche Umsätze nicht realisiert werden können. Der Markteinbruch bei Security-Cards hätte eine schwache Erlösentwicklung bei der amerikanischen Tochter QualTec verursacht. Die vormalige NBS Card Services war erst im November vergangenen Jahres für rund 10 Mio.$ gekauft worden. Seitdem schreibt die zuvor profitabel arbeitende Gesellschaft Verluste. Durch den forcierten Expansionskurs hat sich der Personalaufwand in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres mehr als verdreifacht, verglichen mit dem 1. Quartal 2000. Schließlich waren Währungsdiferenzen und Einzelwertberichtigungen von insgesamt 1,46 Mio. Euro zu verkraften. Auffällig stark gestiegen ist im Jahresvergleich auch der Posten „sonstige betriebliche Aufwendungen“. Er kommt jetzt auf 4,38 Mio. Euro nach 1,28 Mio. Euro im Vorjahr. Hier sind in größerem Umfang externe Dienstleistungen enthalten.

Die liquiden Mittel beziffert das Unternehmen per 31. März mit 21,7 Mio. Euro. Sie haben sich während der ersten drei Monate des laufenden Jahres um 5,3 Mio. Euro reduziert. Das Eigenkapital beträgt 30,74 Mio. Euro, es hat gegenüber dem Jahresendstand 2000 um 4,4 Mio. Euro abgenommen. Die Bankschulden belaufen sich auf 18,94 Mio. Euro. Sie sind in den ersten drei Monaten um 0,75 Mio. Euro gestiegen. 15,76 Mio. Euro sind kurzfristiger Natur. Die Verbindlichkeiten summieren sich insgesamt auf 25,22 Mio. Euro. Dem steht ein um den Faktor acht gegenüber dem 1. Quartal des Vorjahres angewachsenes Anlagevermögen von 26,35 Mio. Euro und ein Umlaufvermögen von 34,2 Mio. Euro gegenüber. Davon enfallen auf Vorräte 4,53 und auf Forderungen 7,86 Mio. Euro. Die Rückstellungen kommen auf 4,4 Mio. Euro.

Riskant sind die vergleichsweise hohen kurzfristigen Bankverbindlichkeiten, die bei Fälligstellung die Reichweite der liquiden Mittel auf rund drei Monate verkürzen. Die aus den Zahlen des Geschäftsberichts ansonsten zu ermittelnden Kennzahlen lassen noch keine unmittelbare Gefährdung des Unternehmens erkennen.

In seinem Quartalsbericht vermerkt das Unternehmen, dass sich die Zuliefersituation seit Mitte März deutlich entspannt habe. Auch die Nachfrage steige wieder.

Mitte April wurden umfangreiche Maßnahmen zur weiteren Straffung eingeleitet. Der Maschinenpark an der Produktionsstätte Thailand wurde verkauft. Die Aktivitäten in Singapur wurden eingestellt, ebenso die Maschinen- und Kartenproduktion in Pfronten, was zur Entlassung von 69 Mitarbeitern führte. Darüber hinaus wurden im Konzern weitere 14 Stellen gestrichen. Die Produktion wird nun in Irland konzentriert.

Bei solch drastischen Umstrukturierungsmaßnahmen ist die Frage der Werthaltigkeit der Anlageinvestitionen zu stellen. Hier droht weiteres Ungemach, wenn Sonderabschreibungen fällig werden. Bilanzstruktur und Gewinn- und Verlustrechnung könnten sich weiter verschlechtern. Das ist neben der Liquiditätssituation der zweite große Risikofaktor.

Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt raten in ihrer Analyse vom 30. Mai, die Aktie von AmaTech zu verkaufen. Die Zahlen für das 1. Quartal seien schlechter als erwartet ausgefallen. Speziell erwähnt wird die angespannte Liquiditätssituation. Im Vergleich zur Peer Group sei AmaTech aber noch günstig bewertet, sagen die Experten.

Der Börsenwert von Amatech beträgt aktuell 16 Mio. Euro und liegt unter dem letztjährigen Jahresumsatz. Das Unternehmen könnte damit zum Übernahmekandidat werden. Es verfügt darüber hinaus mit der Verlegetechnik 160340 über eine rechtlich mittlerweile wohl recht gut abgesicherte technische Perle.

Aber wie sagt das Unternehmen selbst zu seiner Lage? "Schwaches 1. Quartal 2001 verschärft Gesamtsituation."
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