"Welt wird immer volatiler"
NATO rüstet Rotterdam für Krieg mit Russland
Rotterdam reserviert Plätze für NATO-Munition und plant Militärmanöver. Der größte EU-Hafen wird zur strategischen Rüstungsdrehscheibe – aus Sorge vor einem möglichen Krieg mit Russland.
- Rotterdam reserviert Plätze für NATO-Munition.
- Militärmanöver und Logistik im Kriegsfall geplant.
- EU plant Aufrüstung und strategische Rohstoffvorräte.
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Rotterdam, Europas größter Hafen, bereitet sich auf einen möglichen Krieg mit Russland vor. Laut Boudewijn Siemons, Geschäftsführer der Hafenbehörde, werden bereits Plätze für NATO-Schiffe mit Militärgütern reserviert. Gemeinsam mit Antwerpen, dem zweitgrößten Hafen der EU, werde koordiniert, wie man im Kriegsfall Fracht verteilen und Kapazitäten teilen könne. "Natürlich konkurrieren wir, wo wir müssen, aber wir arbeiten zusammen, wo wir können", sagte Siemons der Financial Times.
Im Mai hatte das niederländische Verteidigungsministerium angekündigt, dass Rotterdam auf Wunsch der NATO mehrfach im Jahr militärische Frachtschiffe aufnehmen soll. Die Schiffe sollen für mehrere Wochen am Kai liegen. Der Containerterminal in Rotterdam ist aktuell der einzige Ort im Hafen, an dem Munition sicher umgeladen werden kann. Auch amphibische Militärübungen sollen regelmäßig stattfinden.
Die Maßnahmen sind Teil einer größeren sicherheitspolitischen Wende in Europa. Die EU arbeitet an einem Aufrüstungsplan von bis zu 800 Milliarden Euro. Ziel ist es, die militärische Unabhängigkeit zu stärken und Russland von weiteren Aggressionen abzuschrecken. NATO-Generalsekretär Mark Rutte hatte im Juni davor gewarnt, dass Russland bis 2030 ein NATO-Land angreifen könnte. Die Niederlande haben zugesagt, ihre Verteidigungsausgaben auf 5 Prozent des BIP zu erhöhen.
Rotterdam, das sich 42 Kilometer entlang der Maas erstreckt, schlägt jährlich rund 436 Millionen Tonnen Fracht um. Nach den EU-Sanktionen gegen Russland verlor der Hafen etwa 8 Prozent seines Handelsvolumens, vor allem durch den Wegfall russischer Ölimporte. Zum Vergleich: Antwerpen kommt auf 240 Millionen Tonnen Fracht pro Jahr. Beide Häfen erhalten regelmäßig Lieferungen für in Europa stationierte US-Truppen und werden zunehmend als NATO-Drehscheiben ausgebaut.
Neben der militärischen Logistik richtet sich der Blick auch auf strategische Vorräte. Siemons forderte die EU auf, nach dem Vorbild der Ölreserven auch Lager für kritische Rohstoffe wie Kupfer, Lithium oder Graphit anzulegen: "Wir sollten dasselbe tun wie mit Öl." Die EU will dazu eine neue "Strategie zur Vorratshaltung" vorstellen – mit Fokus auf Medikamente, Energieausrüstung und Wasser. "Wie widerstandsfähig sind wir als Gesellschaft? Das wird immer wichtiger, da die Welt immer volatiler wird", sagte Siemons.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

