USA beißen sich die Zähne aus
Brasiliens Real trotzt allen Zoll-Drohungen
Trotz der Eskalation zwischen Washington und Brasilia zeigt sich der brasilianische Real bemerkenswert stabil. Rückenwind gibt auch einer der lukrativsten Carry-Trades des Jahres.
- Brasilianischer Real bleibt stabil trotz Zollankündigung.
- Lula betont Diversifizierung der Handelsbeziehungen.
- Hohe Zinsen machen Real attraktiv für Investoren.
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Während Donald Trumps jüngste Ankündigung, ab dem 1. August 50 Prozent Zoll auf sämtliche Importe aus Brasilien zu erheben, international für Aufsehen sorgt, reagiert der brasilianische Finanzmarkt mit erstaunlicher Gelassenheit. Die Landeswährung, der brasilianische Real, hat sich rasch von den ersten Verlusten erholt und trotzt den politischen Spannungen.
Am Tag der Ankündigung, am Mittwoch, kletterte der US-Dollar kurzzeitig auf 5,58 Real, den höchsten Stand seit Anfang Juni. Doch der Rückschlag war nur von kurzer Dauer: Bereits am Folgetag machte der Real rund die Hälfte seiner Verluste wieder wett. Anleger, die auf eine Eskalation der Handelskonflikte gesetzt haben, wurden auf dem falschen Fuß erwischt. In diesem Jahr liegt der Real bereits 10 Prozent im Plus gegenüber dem US-Dollar.
Ein Grund für diese Resilienz liegt in der Handelsstruktur Brasiliens. Die Exporte des Landes in die Vereinigten Staaten entsprechen nach Angaben von Präsident Luiz Inacio Lula da Silva lediglich 1,7 Prozent der brasilianischen Wirtschaftsleistung.
"Wir werden uns nach anderen Partnern umsehen müssen, die unsere Produkte kaufen", sagte Lula in einem TV-Interview am Donnerstagabend. "Es ist nicht so, dass wir ohne die USA nicht überleben können." Brasilien sei "nicht verpflichtet, US-Dollar zu kaufen, um mit Venezuela, Bolivien, Chile, Schweden, der Europäischen Union oder China Handel zu treiben. Wir können in unseren eigenen Währungen handeln".
Zudem steht der Real im Zentrum einer der lukrativsten Carry-Trade-Strategien der Gegenwart. Während die US-Notenbank ihre Zinsen zwischen 4,25 und 4,5 Prozent hält, hat die brasilianische Zentralbank ihren Leitzins auf stattliche 15 Prozent angehoben. Das macht brasilianische Anlagen besonders attraktiv für Investoren, die billig in US-Dollar leihen und in Real investieren. Das gibt dem Real langfristig weiteren Auftrieb.
Trump hatte die Strafzölle mit "Angriffen auf die freie Meinungsäußerung" begründet und dabei explizit auf das juristische Vorgehen gegen Brasiliens Ex-Präsident Jair Bolsonaro verwiesen. Doch selbst dieser offene Versuch, politischen Druck auf ein ausländisches Justizsystem auszuüben, konnte den Real nicht dauerhaft belasten. Entsprechend scharf reagierte Präsident da Silva und erklärte, Brasilien sei eine souveräne Nation und lasse sich nicht bevormunden.
Brasilien könnte dabei von seiner starken Position innerhalb der BRICS-Staaten profitieren und seine Handelsbeziehungen weiter diversifizieren. Schon jetzt ist China wichtigster Handelspartner. Weitere BRICS-Mitglieder sowie die EU, Venezuela, Chile oder Indien rücken als alternative Absatzmärkte in den Fokus. Die EU ist nach China der zweitwichtigste Handelspartner des Landes. Zugleich betonte Lula die Notwendigkeit, den US-Dollar als Handelswährung nicht länger alternativlos zu akzeptieren.
Wie wenig sich das Land von den Drohungen aus dem Norden beeindrucken lässt, zeigt eine Bekanntgabe vom Freitag. Keine 48 Stunden nach der Zoll-Ankündigung erhöhte das brasilianische Finanzministerium seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr.
Selbst bei vollem Inkrafttreten der Maßnahmen erwartet Brasilia nur begrenzte Effekte auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im kommenden Jahr. Einzelne Branchen wie Stahl oder Flugzeugbau dürften zwar unter Druck geraten, doch insgesamt erscheint das makroökonomische Fundament solide.
Kurzfristig wie langfristig sieht der Real eher wie ein Gewinner der aktuellen Krise aus als wie ein Verlierer.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion
