Kurs auf Konsolidierung
Panzerbauer entert die See: Rheinmetall will Lürssen-Werften schlucken
Rheinmetall plant die Übernahme von Lürssens Marinewerften. Mit dem Schritt will der Rüstungskonzern sein Geschäftsfeld erweitern und die deutsche Verteidigungsindustrie konsolidieren.
- Rheinmetall plant Übernahme von Lürssen Marinewerften.
- Fokus auf Marineschiffbau zur Geschäftserweiterung.
- Politische Unterstützung für Konsolidierung der Branche.
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Rheinmetall prüft den Einstieg in den Marineschiffbau und erwägt die Übernahme von Naval Vessels Lürssen (NVL). Das berichtete zunächst die Bild unter Berufung auf Branchenkreise, später bestätigten weitere Medien die Expansionspläne. Demnach soll sich der Aufsichtsrat von Rheinmetall in den kommenden Wochen mit dem Vorhaben befassen. Noch gilt der Deal als unsicher, da die Lürssen-Familie als Eigentümerin zustimmen muss.
Die Familie plant, ihre Militärwerften in Hamburg, Wilhelmshaven und Wolgast abzugeben, um sich stärker auf das Geschäft mit Megayachten zu konzentrieren. NVL erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von rund einer Milliarde Euro und gilt neben Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) als führender deutscher Hersteller von Marineeinheiten. Aktuell baut NVL gemeinsam mit der niederländischen Damen-Werft die Fregatte F126 für die Bundeswehr, ein milliardenschweres Projekt, das sich durch Probleme bei elektronischen Systemen allerdings verzögert.
Mit der Übernahme würde Rheinmetall sein Portfolio deutlich verbreitern. Bislang liegt der Schwerpunkt auf Panzern und Munition. CEO Armin Papperger hatte bereits am Mittwoch erklärt, dass das Unternehmen "stets Interesse daran [habe], sein Produktportfolio zu erweitern". Nach Einschätzung des Managements wird die Nachfrage nach Schiffen steigen, da Deutschland seine Marine aufrüsten will, um Bedrohungen in der Ostsee besser abzuwehren.
Ein Zusammenschluss könnte auch politisch gewollt sein. In Berlin gilt eine Konsolidierung der Branche als Vorteil, da bei Marineschiffen bislang mehrere deutsche Anbieter wie TKMS, NVL und German Naval Yards in Konkurrenz stehen. Ein größerer Verbund würde für die Bundesregierung die Beschaffung vereinfachen und einheitliche Systeme ermöglichen.
Rheinmetall profitiert seit dem russischen Angriff auf die Ukraine massiv vom Rüstungsboom und zählt nach Börsenwert mittlerweile zu den größten Waffenherstellern weltweit. Neben dem möglichen Einstieg in den Schiffbau baut der Konzern sein Geschäft weiter aus: In Zukunft produziert er auch Rumpfteile für den US-Kampfbomber F-35 und plant die Übernahme von Teilen der Rüstungssparte des italienischen Herstellers Iveco, die militärische Logistikfahrzeuge liefert. Branchenkreisen zufolge soll dieser Kauf Anfang 2026 erfolgen.
Sollte auch der NVL-Deal gelingen, würde Rheinmetall seine Stellung als zentraler Akteur der europäischen Verteidigungsindustrie weiter ausbauen.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

