Milliarden im Rücken
Produktionsrevolution bei Renk – über 1.000 Getriebe pro Jahr im Visier
Renk stellt in Augsburg sein neues Produktionskonzept vor. Mit der Umstellung auf Kleinserienfertigung will der Konzern die Kapazität auf über 1.000 Getriebe pro Jahr steigern und Milliardenaufträge schneller bedienen.
- Renk steigert Produktion auf über 1.000 Getriebe/Jahr.
- Neues Getriebe HSWL 076 für leichte Kettenfahrzeuge.
- Renk-Aktie stark gestiegen, Rüstungswerte gefragt.
- Report: Renditeturbo 2026 –
Der Panzergetriebehersteller Renk hat seine Produktion grundlegend neu organisiert, um die stark gestiegene Nachfrage bedienen zu können. Am Augsburger Stammwerk stellte das Unternehmen ein modulares Konzept vor, das den Übergang von der bisherigen Manufaktur- zur Kleinserienfertigung markiert. Vorstandschef Alexander Sagel erklärte, dass sich damit die Produktionskapazität von einigen Hundert auf mehr als tausend Getriebe pro Jahr steigern lasse. Damit will Renk den milliardenschweren Auftragsbestand schneller abarbeiten.
Das Unternehmen mit rund 4.000 Mitarbeitern, das Anfang 2024 vom Finanzinvestor Triton an die Börse gebracht wurde, rechnet für 2025 mit mehr als 1,3 Milliarden Euro Umsatz und einem bereinigten operativen Ergebnis zwischen 210 und 235 Millionen Euro. Mitte 2025 lag der Auftragsbestand bei 5,9 Milliarden Euro, rund eine Milliarde mehr als zum Jahresende 2024. Nach Angaben von Renk ist die Nachfrage nach militärischen Anwendungen unverändert hoch.
Parallel dazu präsentierte Renk auf der Messe DSEI in London erstmals das neu entwickelte Getriebe HSWL 076. Es wurde in Zusammenarbeit mit dem finnischen Verteidigungsunternehmen Patria speziell für leichte Kettenfahrzeuge konzipiert. "Mit dem HSWL 076 setzen wir einen neuen Standard für Antriebstechnologie in leichten Kettenfahrzeugen. Die partnerschaftliche Entwicklung mit Patria und die konsequente Ausrichtung auf zukünftige Anforderungen zeigen, wie wir bei Renk Innovation praxisnah und kundenorientiert umsetzen. Unser Ziel ist es, unseren Kunden verlässliche, effiziente und zukunftsfähige Lösungen zu bieten", sagte CEO Alexander Sagel.
Das neue System wurde in weniger als zwei Jahren entwickelt und umfangreich getestet. Es ist vorbereitet für hybride Antriebe, verfügt über digitale Schnittstellen und soll perspektivisch Drive-by-Wire-fähig werden. Mit rund 700 Kilogramm Gewicht, hoher Leistungsdichte und einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 90 km/h eignet es sich für Fahrzeuge von 13 bis 21 Tonnen. Eine integrierte Lenkung sorgt für präzise Steuerung und hohe Manövrierfähigkeit. Renk will das Getriebe langfristig verfügbar machen und auf Programme mit großen Stückzahlen ausrichten.
Die Renk-Aktie zählte am Mittwoch zu den stärksten Werten im MDAX. Rüstungswerte standen zur Wochenmitte insgesamt hoch im Kurs, auch Rheinmetall und Hensoldt verzeichneten deutliche Gewinne. Hintergrund war der Abschuss mehrerer Drohnen im polnischen Luftraum, der das Anlegerinteresse an Verteidigungstiteln befeuerte. Auch am Donnerstag notierten die Aktien mit Aufschlägen. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs von Renk nahezu vervierfacht.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

