"Neue Reisekorridore"
USA gehen Milliarden verloren – Touristen meiden das Land
Den USA gehen viele Milliarden an internationalen Tourismuseinnahmen verloren. Die Ausmaße des Touristen-Streiks und welche Länder davon profitieren.
- USA verlieren 30 Milliarden Dollar an Tourismus-Einnahmen.
- Kanada und Lateinamerika profitieren von Touristen-Rückgang.
- Politische Spannungen senken US-Marktanteil auf 4,2%.
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Der Tourismus in den Vereinigten Staaten erlebt einen dramatischen Rückgang. Die politischen Spannungen und der Handelskrieg haben viele internationale Reisende abgeschreckt. Dadurch gehen dem US-Tourismus in diesem Jahr voraussichtlich 30 Milliarden US-Dollar (25,5 Milliarden Euro) verloren. Und diese Gelder fließen stattdessen in andere Länder – insbesondere Kanada, Südeuropa und Lateinamerika.
Eine besondere Bedeutung hat dabei Kanada, die mit Abstand wichtigste Tourismusnation für das Land. Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, er wolle Kanada zu einem Teil der Vereinigten Staaten machen, haben nicht nur die Kanadier erzürnt, sondern zu einem regelrechten Reiseboykott geführt. Das erste Halbjahr 2025 brachte einen Rückgang der Ankünfte aus Kanada um 18 Prozent. Das entspricht einem Verlust von mehr als 1,75 Millionen Besuchen. Diese kanadischen Touristen bleiben entweder im eigenen Land oder haben andere Reiseziele, vor allem Mexiko und Lateinamerika, bevorzugt.
Für europäische Reisende, die ebenfalls nach Alternativen zu den USA suchen, wurden diesen Sommer die Mittelmeerländer, Mittel- und Südamerika, aber auch Asien und Australien zunehmend zu beliebten Zielen. Der Trend geht in eine neue Richtung, wie auch der Reise-Riese Booking Holdings bestätigt: "Neue Reisekorridore" seien entstanden, während die Zahl der Ankünfte in den USA sinke.
Laut dem World Travel & Tourism Council werden die internationalen Tourismusausgaben in den USA in diesem Jahr um etwa 30 Milliarden US-Dollar sinken. Statt der Anfang dieses Jahres erwarteten 200,8 Milliarden US-Dollar an Einnahmen, werden jetzt nur noch 169 Milliarden US-Dollar erwartet.
Und während den USA internationale Touristen verloren gehen, verzeichnen andere Länder, insbesondere Frankreich, Griechenland, Mexiko und Italien, einen kräftigen Anstieg der Besucherzahlen. Spanien, Saudi-Arabien und Türkei gehören zu den Ländern, die im Vergleich zu 2019 den größten Zuwachs an internationalen Reisenden verzeichnet haben.
Gleichzeitig haben die USA für diesen Zeitraum die rote Laterne und haben etwa 13 Millionen weniger Besucher empfangen. Der Marktanteil der Vereinigten Staaten am internationalen Tourismus ist von 8,4 Prozent im Jahr 1996 auf 4,9 Prozent im Jahr 2024 gesunken. In diesem Jahr wird der Anteil voraussichtlich auf 4,2 Prozent sinken und dürfte sich auch in den kommenden Jahren nicht erholen.
Der Rückgang der internationalen Touristenströme in die USA ist mehr als nur ein Problem für die Reisebranche. Der Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, der Millionen von Arbeitsplätzen sichert und eine wichtige Einnahmequelle für die US-Wirtschaft darstellt. Die politische Instabilität, die geopolitischen Spannungen und die abschreckende Politik Washingtons haben die Attraktivität der weltgrößten Volkswirtschaft als Reiseziel untergraben. Gewinner sind die Regionen, die nun von den verlorenen Touristenströmen profitieren. Europa, Kanada, Lateinamerika und die Karibik haben die Gelegenheit genutzt, sich den Trend zunutze zu machen.
Besonders erfolgreich war dabei Kanada, das sich aktiv um Besucher bemüht und entsprechende Initiativen gestartet hat. Der "Canada Strong Pass" – eine Sommerinitiative zur Förderung des Inlandsreiseverkehrs – hat die Besuche in kanadischen Museen und Nationalparks massiv gesteigert. Gleichzeitig sind die Hotelbelegungsraten in Kanada auf den höchsten Wert seit 2019 geschnellt.
Doch nicht nur Kanada profitiert. Mexiko, Lateinamerika und die Karibik sind zunehmend die bevorzugten Ziele für kanadische und europäische Reisende. Europäische Reisende bevorzugen vermehrt Reisen innerhalb Europas und in den Nahen Osten. Auch asiatische Reisende entscheiden sich zunehmend für Europa oder den Nahen Osten und meiden die USA.
"Die USA verlieren 2025 erneut Marktanteile", fasst Adam Sacks, Präsident der Analysefirma Tourism Economics, gegenüber CNBC zusammen. "Wir gehen nicht davon aus, dass sie diese Anteile innerhalb unseres Prognosezeitraums wieder zurückgewinnen werden."
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


