Wachstumsschub ab Herbst
Deutschland vor dem Comeback: Deutsche Bank sieht kräftiges Wachstum
Die Volkswirte der Deutschen Bank rechnen ab sofort mit einem spürbaren Aufschwung – und für 2026 sogar mit einem deutlich stärkeren Wachstum als es Wirtschaftsforscher bislang prognostizieren.
- Deutsche Bank erwartet spürbaren Aufschwung 2026.
- Wachstum von 2,0% übertrifft andere Prognosen deutlich.
- Finanzpolitik und steigende Reallöhne als Wachstumstreiber.
- Report: Achtung, Korrektur!
Die deutsche Wirtschaft steht nach Jahren der Stagnation offenbar vor einem Wendepunkt. Bereits ab diesem Herbst ist mit spürbaren Impulsen für Konjunktur und Investitionen – getragen von steigenden Realeinkommen, Sonderabschreibungen für Unternehmen und dem Anlaufen neuer staatlicher Ausgabenprogramme - zu rechnen, zeigen sich Volkswirte der Deutschen Bank in einer neuen Studie optimistisch.
Besonders vielversprechend fällt der Blick nach vorn aus: Für das Jahr 2026 prognostizieren die Experten ein Wachstum von 2,0 Prozent. Damit liegen ihre Schätzungen deutlich über den jüngsten Annahmen führender Forschungsinstitute. Das IWH rechnet lediglich mit 0,8 Prozent, das DIW mit 1,7 Prozent. Im Schnitt sind die Institute also erheblich vorsichtiger.
Vor allem die Finanzpolitik wird als Antriebsmotor angesehen: Die beschlossenen Ausgabenprogramme, das neu eingerichtete Sondervermögen für Infrastruktur und die Sonderabschreibungsregeln könnten die Investitionstätigkeit der Unternehmen ab Herbst merklich ankurbeln. Gleichzeitig stützen steigende Reallöhne den privaten Konsum, schreiben Chefvolkswirt Robin Winkler und Senior Economist Marc Schattenberg in einer Einschätzung am Montag.
Auch die Stimmung hellt sich auf: Der ZEW-Index hat sich im dritten Quartal deutlich verbessert, und sowohl der Einkaufsmanagerindex (PMI) als auch das ifo-Geschäftsklima sollen im September weiter steigen. Erstmals seit 2022 könnte der PMI für das Verarbeitende Gewerbe die Wachstumsmarke von 50 überschreiten – ein Signal für das Ende der langen Industrie-Rezession. Die Zahlen werden am Dienstag und Mittwoch diese Woche bekannt gegeben.
Ganz ohne Risiken ist der Aufschwung nicht. Die Deutsche Bank selbst räumt Abwärtsrisiken für das Jahr 2025 ein, hält aber an ihrer Wachstumsprognose von 0,5 Prozent fest. Die schwachen Quartalsdaten und ein durchwachsener Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe mahnen zur Zurückhaltung. Auch die ehrgeizigen Ziele der Bundesregierung im Haushalt 2025 und 2026 könnten angesichts offener Planungsverfahren und politischer Widerstände schwer zu erreichen sein.
Dennoch: Während die großen Wirtschaftsforschungsinstitute weiterhin vorsichtig bleiben, positioniert sich die Deutsche Bank deutlich optimistischer – und setzt auf einen klaren Wachstumskurs. Sollte der Herbst tatsächlich die Wende bringen, könnte 2026 das Jahr werden, in dem die deutsche Wirtschaft ihr Comeback feiert.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


