Warum viele gute Startups am Kapital scheitern und nicht an der Idee
Wir haben uns mit der Realität auseinandergesetzt und mit Lucas Roemer, von Roemer Capital, die Szene beleuchtet.
In der Startup-Welt hält sich die Mär vom „schlechten Produkt“ hartnäckig. Dabei scheitern am Startup-Markt viele junge Unternehmen nicht an der Nachfrage, sondern daran, dass sie Kapital nicht professionell beschaffen können. Der Engpass ist selten die Vision, sondern die fehlende Struktur dahinter. Wir haben uns mit der Realität auseinandergesetzt und mit Lucas Roemer, von Roemer Capital, die Szene beleuchtet.
“Investoren haben Kapital, aber sie erwarten Vorbereitung. Ohne ein solides Modell wirkt selbst die beste Idee unsicher“, weiß Lucas Roemer, Gründer der Düsseldorfer Boutique-Beratungsfirma Roemer Capital. Als sogenannter Fractional CFO, ein Finanzchef auf Zeit, begleitet er Startups, auf ihrem Weg durch die Investmentrunden, sammelt Millionen ein, und macht sie investorenfähig.
Bild: Lucas Roemer berät Unternehmen in der Finanzierungsphase. Bildquelle: Lucas Roemer (priv.)
Ideen gibt es viele, Kapital auch. Doch die Brücke fehlt.
Im DACH-Raum entstehen jedes Jahr tausende Startups mit spannenden Technologien, mutigen Geschäftsmodellen und leidenschaftlichen Teams. Gleichzeitig sitzen Pensionskassen, Family Offices und Fonds auf Milliarden, die nach Rendite suchen. Doch beide Seiten finden selten zusammen. Gründer unterschätzen, wie professionell Investoren vorbereitet werden wollen. Investoren wiederum lassen sich von schwachen Businessplänen und unausgereiften Finanzmodellen schnell abschrecken.
Roemer erlebt diese Lücke in seiner Praxis täglich: „Viele Gründer rufen mich an, wenn das Geld fast aufgebraucht ist und die Runde nicht zustande kommt. Dabei wäre die Lösung simpel gewesen, früher Struktur schaffen und den Kapitalprozess professionell aufsetzen.“
Warum Gründer stolpern
Die Gründe für das Scheitern liegen selten im Produkt. Häufig fehlt schlicht ein sauberes Finanzmodell, das zeigt, wie Umsatz, Kosten und Cashflow in den nächsten Jahren aussehen könnten. Manchmal ist es auch die Kapitalstrategie: Gründer wollen gleich den großen Sprung, ohne klar zu definieren, wie viel Kapital in welcher Phase wirklich gebraucht wird. Und nicht selten fehlt es am Storytelling, also der Fähigkeit, Investoren nachvollziehbar darzulegen, warum dieses Team genau jetzt am Markt gewinnen wird.
„Investoren wollen keine PowerPoint-Shows, sondern Belege, dass ein Startup sein Geschäft versteht“, betont Roemer. „Die meisten unterschätzen, wie stark sich die Investorenlandschaft professionalisiert hat.“
Europäische Skepsis, Schweizer Präzision
Während im Silicon Valley Kapital schnell und risikofreudig investiert wird, sind Anleger in Europa vorsichtiger. Sie wollen Governance, Reporting und Exit-Szenarien. In der Schweiz und in Deutschland steigt die Erwartung, dass Startups auf institutionellem Niveau arbeiten: saubere Cap Tables, nachvollziehbare Unit Economics, klare Reporting-Routinen.
Hinzu kommt die deutsche Bürokratie, die viele Prozesse lähmt und Kapitalströme bremst. Förderprogramme sind vorhanden, doch oft so komplex, dass Gründer sie nicht nutzen können. Roemer sieht deshalb seine Rolle auch darin, Übersetzer zwischen beiden Welten zu sein: „Unser Job ist es, Gründer so vorzubereiten, dass sie Investoren auf Augenhöhe begegnen, nicht als Bittsteller, sondern als Partner mit Substanz.“
Was Roemer anders macht
Roemers Ansatz ist geprägt von seiner eigenen Laufbahn: Er hat selbst gegründet, in den USA Finanzen studiert, im Investment Banking 120-Stunden-Wochen erlebt und gelernt, dass nur Leidenschaft wirklich trägt. „Wer das nur fürs schnelle Geld macht, brennt aus.“ Diese Erfahrung unterscheidet ihn von klassischen Beratern, die oft nie selbst gegründet haben. Trotz seiner Kompetenzen hat sich der Jungunternehmer für die Gründung in Düsseldorf als Standort entschieden hat. Eine bewusste Entscheidung, wie er sagt und unterstreicht damit den Kontrast: Abseits der Finanzmetropolen Berlin oder Frankfurt will er nämlich zeigen, dass auch aus der zweiten Reihe heraus ein neuer Standard im Fundraising entstehen kann.
Fest steht: Viele Startups haben gute Ideen, aber verlieren im Kapitalprozess die entscheidende Chance. Das Scheitern liegt selten am Markt, es liegt an der fehlenden Struktur. „Kapitalbeschaffung ist kein Glücksspiel, sondern ein geplanter Feldzug“, sagt Roemer. „Wer die bessere Vorbereitung hat, setzt sich durch.“
Die Lehre daraus: Ideen ohne Kapital bleiben Träume. Kapital ohne Struktur bleibt blockiert. Erst wenn Gründer und Investoren über eine solide Brücke aus Zahlen, Strategie und Vertrauen verbunden sind, entstehen die Deals, die junge Unternehmen wirklich nach vorne bringen und wer weiß, vielleicht kommt das nächste Startup-Unicorn demnächst aus Deutschland.
Bildquelle: Lucas Roemer
