Die kalkulierte Irrationalität der Profis
Bei US-Aktien sind nun immerhin wieder netto 1 % der Befragten übergewichtet
- Profis erkennen Blasen, handeln aber weiter irrational.
- 60 % der Befragten sehen Aktien global überbewertet.
- Cash-Level sinkt, Risiko von „hard sell“ steigt.
Wir alle haben schon Dinge an der Börse gemacht, von denen wir vorher zumindest ahnten, dass es Fehler sein würden. Aber dass es die Profis genauso und zudem noch ganz bewusst machen, ist schon starker Tobak. Aber wohl unvermeidlich.
Den endgültigen Beweis erhielten wir spätestens in der Finanz- und Immobilienkrise. Damals sagte der Chef der Citigroup, Chuck Prince, mit Blick auf die hochriskanten Geschäfte mit Hypothekenverbriefungen: „Solange die Musik spielt, muss man aufstehen und tanzen."
Eine bittere Lektion für die Profis
Mit anderen Worten: Die Profis im Investmentgeschäft haben keine andere Wahl, als die Dummheiten des Marktes mitzumachen, selbst wider besseres Wissen. Sonst laufen ihnen die Kunden davon, die bei dem vermeintlichen Megatrend unbedingt dabeisein wollen.
Diese ernüchternde Erfahrung mussten in der Dotcom-Blase Fondsmanager machen, die die damalige Überbewertung der „Internet-Aktien“ erkannten und sich von ihnen fernhielten: Aus ihren Fonds, die dadurch natürlich „dem Markt“ hinterherliefen, zogen die Kunden ihr Kapital unerbittlich ab. Am Ende mussten sie doch mitspielen oder waren raus.
Inzwischen haben die Profis diese bittere Lektion gelernt und machen beim aktuellen KI-„Spiel“ unverdrossen mit – abermals wider besseres Wissen. So muss man wohl die Ergebnisse der jüngsten Fondsmanagerumfrage der Bank of America (BofA) vom Oktober interpretieren.
Die KI- (und Aktien-)Blase ist nun „amtlich“
Schließlich sagten nun 54 %, also mehr als die Hälfte der Befragten, dass KI-Aktien in einer Blase sind, während es nur 38 % anders sehen:
Im August war das Verhältnis noch umgekehrt (41 % zu 52 %) und im September war immerhin der größere Teil der Befragten (42 % zu 48 %) noch nicht der Meinung, dass es eine Blase gibt. Wirklich verwunderlich ist dieser Schwenk nicht – schließlich waren schon im August überwältigende 95,5 % (!) der Befragten der Meinung, dass US-Aktien überbewertet sind. Und welche Aktien bestimmen denn seit längerem den US-Markt? Eben.
Die KI-Blase, die wir hier schon mehrfach ausgerufen haben, ist damit quasi „amtlich“. Aber nicht nur das, sondern auch die Aktienmarktblase insgesamt: Denn inzwischen sagen netto 60 % der Profis, dass Aktien auch global überbewertet sind:
(„Netto“ bedeutet dabei der Saldo aus dem Anteil derer, die dieser Meinung sind, und dem Anteil derer, die gegenteiliger Meinung sind).

