Machtkampf im KI-Zeitalter
Geheime KI-Käufe auf Amazon? Jetzt eskaliert der Streit!
Amazons Klage gegen Perplexity markiert den Beginn eines neuen Konflikts: Wem gehört die Zukunft des digitalen Einkaufens – Mensch oder Maschine?
- Amazon verklagt Perplexity wegen KI-Einkäufen.
- Perplexity nennt Amazon einen Tyrannen und Einschüchterer.
- Konflikt könnte Regeln für KI-Agenten neu definieren.
- Report: Renditeturbo 2026 –
Amazon hat die KI-Firma Perplexity verklagt, um zu verhindern, dass deren KI-Assistent "Comet" Einkäufe auf der Handelsplattform im Namen von Nutzern tätigt. Laut der am Dienstag eingereichten Klage wirft der Konzern dem Start-up Computerbetrug vor. Perplexity habe nicht offengelegt, dass Comet stellvertretend für reale Personen handle – ein klarer Verstoß gegen Amazons Nutzungsbedingungen, heißt es in der Beschwerde beim Bundesgericht in San Francisco.
Amazon reagierte damit auf ein Unterlassungsschreiben, das es bereits am Freitag an Perplexity geschickt hatte. Der Konzern befürchtet, Comet könne die Einkaufserfahrung beeinträchtigen und Datenschutzrisiken schaffen. Beobachter sehen in dem Verfahren ein mögliches Grundsatzurteil über die Grenzen sogenannter "agentischer KI" – Systeme, die eigenständig reale Aufgaben ausführen können.
"Amazon ist ein Tyrann"
Perplexity weist die Vorwürfe entschieden zurück. Ein Sprecher des Start-ups sagte, die Klage zeige lediglich, dass Amazon "ein Tyrann" sei. In einem Blogeintrag warf Perplexity dem E-Commerce-Riesen vor, Konkurrenten aus dem Markt drängen zu wollen. "Es ist ein Einschüchterungsversuch gegen Unternehmen, die das Leben der Menschen verbessern", schrieb das Unternehmen.
CEO Aravind Srinivas betonte, Kunden sollten selbst entscheiden dürfen, welche KI für sie einkauft. "Es ist nicht kundenorientiert, Nutzer auf nur einen Assistenten zu beschränken", sagte er.
Amazons Gegenoffensive
Amazon betont, es gehe um Transparenz. "Perplexity darf nicht einfach in gesperrte Bereiche eindringen – auch wenn der Einbruch digital erfolgt", heißt es in der Klageschrift. Eine Sprecherin erklärte, Drittanbieter, die im Auftrag von Kunden Einkäufe tätigen, müssten offen agieren und die Regeln der Plattform respektieren.
Hinter der juristischen Auseinandersetzung steht auch ein wirtschaftliches Kalkül. KI-Einkaufsagenten könnten Amazons milliardenschweres Werbegeschäft gefährden, da sie Suchergebnisse und Produktanzeigen umgehen.
Zugleich arbeitet Amazon selbst an KI-Funktionen. Mit "Buy For Me" testet der Konzern derzeit eine eigene Einkaufsassistenz, während der KI-Bot "Rufus" bereits Produkte empfehlen und in den Warenkorb legen kann.
Freund oder Feind?
Brisant ist, dass Perplexity ein Großkunde von Amazon Web Services ist und Amazon-Gründer Jeff Bezos in das Start-up investiert hat. AWS hatte das Unternehmen 2023 sogar auf der eigenen Messe präsentiert. Nun droht ein öffentlicher Bruch zwischen den Partnern.
Srinivas verteidigt sein Vorgehen: Comet agiere nicht heimlich und greife keine Daten ab. Die Software führe lediglich Bestellungen aus, die Nutzer ausdrücklich beauftragt hätten. Amazon hingegen wolle "Nutzerrechte eliminieren", um mehr Werbung zu verkaufen.
Amazon-CEO Andy Jassy erklärte jüngst, die bisherigen KI-Shopping-Tools seien "noch nicht gut genug". Dennoch könne er sich künftige Kooperationen vorstellen. Der Konflikt mit Perplexity dürfte jedoch zeigen, wie unklar die Spielregeln im neuen Markt der KI-Agenten noch sind.
Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion
Die Amazon Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -0,69 % und einem Kurs von 215,8EUR auf Tradegate (05. November 2025, 12:39 Uhr) gehandelt.

