US-Bonds shorten
Deutsche Bank glaubt nicht an Rallye bei US-Staatsanleihen
US-Staatsanleihen haben in diesem Jahr klar zugelegt, und weitere Gewinne werden erwartet. Dafür sprechen die Zinsaussichten und die stabile Nachfrage. Doch der Eindruck kann täuschen, warnt die Deutsche Bank.
- US-Staatsanleihen steigen, aber Vorsicht geboten.
- Deutsche Bank warnt vor steigenden Renditen und Kursverlusten.
- Politische Unsicherheit könnte Anleihekurse belasten.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
In den vergangenen Monaten haben sich US-Staatsanleihen kräftig erholt, trotz aller Unkenrufe und Prognosen von Experten, dass die wechselhafte Politik von US-Präsident Donald Trump auf die Kurse drücken würde. Treasuries haben in diesem Jahr etwa 6 Prozent zugelegt und verzeichnen damit bislang ihr bestes Jahr seit 2020.
Gleichzeitig laufen die Auktionen für US-Staatsanleihen ungebremst weiter. Und trotz der Lockdown-bedingten dünnen Datenlage ist die Nachfrage solide. Die jüngsten Auktionen zeigen, dass Investoren nach wie vor bereit sind, Washingtons Schulden zu finanzieren. Doch der Preis, den sie verlangen, dürfte bald steigen, erwarten die Experten der Deutschen Bank und raten Anlegern, sich auf steigende Renditen und fallende Kurse einzustellen.
Bei der jüngsten Versteigerung von 10-jährigen US-Treasuries lag die sogenannte Bid-to-Cover-Quote bei 2,67 – ein Zeichen starker Nachfrage. Für 20-jährige Papiere lag sie dagegen nur bei 2,46, bei 30-jährigen Anleihen sogar bei 2,27 – schwächer als im Schnitt der letzten Auktionen. Der Markt scheint sich also auf mittlere Laufzeiten zu konzentrieren, während langfristige Anleihen zunehmend gemieden werden. Der Grund dafür dürfte in der Unsicherheit über die künftige Zins- und Fiskalpolitik der Vereinigten Staaten liegen.
Hier setzt die jüngste Einschätzung der Deutschen Bank an. Zinsstratege Francis Yared empfiehlt, auf fallende Kurse und steigende Renditen der 10-jährigen US-Treasuries zu setzen. Das Team um Yared hat ein Ziel für die Rendite von 4,45 Prozent ausgegeben, bei einem Stopp bei 3,9 Prozent. Aktuell liegt die Rendite bei rund 4,11 Prozent. Die Empfehlung lautet also: short gehen – sprich, von steigenden Zinsen profitieren.
Die Begründung: Trotz politischer Unsicherheit zeigen sich die USA wirtschaftlich widerstandsfähig. Ein wichtiger Indikator dafür ist der jüngste Bericht der Federal Reserve, der die Kreditvergabe der Banken misst. Demnach vergaben US-Banken zuletzt wieder mehr Kredite, und sogar die Nachfrage nach Hypotheken zog erstmals seit 2021 wieder an.
Das spricht dafür, dass die Wirtschaft weiter wächst oder zumindest stabil bleibt. Eine Rezession, die sinkende Zinsen rechtfertigen würde, ist in den USA derzeit nicht in Sicht. Und damit kippt die Argumentation für fallende Renditen. Denn Anleihekurse steigen normalerweise dann, wenn die Konjunktur schwächelt und Anleger sichere Häfen suchen.
Stattdessen sind die Risiken für Halter langer Laufzeiten nicht von der Hand zu weisen: der Arbeitsmarkt hält sich relativ robust, und Fed-Chef Jerome Powell hat Zweifel aufkommen lassen, ob es in diesem Jahr noch zu einer Zinssenkung kommen wird.
Die Kombination aus politischer Unsicherheit wegen des anhaltenden Lockdowns und soliden Kredittrends die Renditen weiter nach oben treiben. Für Aktien wäre eine solche Entwicklung nicht so gut: Wenn die Renditen von Staatsanleihen steigen, werden Aktien im Vergleich weniger attraktiv.
Für Anleger bestehen gute Gründe, vorerst vorsichtig zu bleiben: Sollten die Renditen tatsächlich steigen, verlieren ihre niedriger verzinsten Papiere an Attraktivität und Wert und können nur mit Verlusten wieder verkauft werden. Und selbst wenn die Bonds bis zum Laufzeitende gehalten werden, erhalten Investoren zwar ihren Einsatz zurück und streichen regelmäßige Zinsen ein, aber diese sind niedriger als wenn sie später eingestiegen wären.
Trotz der soliden Nachfrage bei den jüngsten Auktionen bleibt die Gefahr bestehen: Wer jetzt in 10-jährige Treasuries einsteigt, riskiert Kursverluste, wenn die Rendite – wie von der Deutschen Bank prognostiziert – wieder kräftig steigt.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


