Gewinn zu 100% an Aktionäre
Gewinnrückgang, Kostendruck, Umzugspläne: Commerzbank kämpft an mehreren Fronten
Die Commerzbank hat weniger verdient als erwartet. Während sie ihre Zinsprognose anhebt, hat sie gleichzeitig angekündigt, ihren kompletten Gewinn an die Aktionäre auszuschütten.
- Commerzbank verzeichnet Gewinnrückgang von 8 Prozent.
- Zinsprognose angehoben, 100% Gewinn an Aktionäre.
- Umbau und Immobilienstrategie im Fokus der Bank.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Die Commerzbank hat im dritten Quartal 2025 einen unerwarteten Gewinnrückgang verzeichnet, bleibt aber operativ auf Kurs. Unter dem Strich verdiente das Frankfurter Institut 591 Millionen Euro, rund 8 Prozent weniger als im Vorjahr und unter den Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit 659 Millionen Euro gerechnet hatten. Der Rückgang ist laut Bank vor allem auf eine höhere Steuerquote und gestiegene Personalkosten zurückzuführen.
Vor Steuern stieg der Gewinn dagegen um 16 Prozent auf 1,03 Milliarden Euro, getragen von einem deutlichen Anstieg der Erträge um 7 Prozent auf 2,94 Milliarden Euro. Während der Zinsüberschuss stabil blieb, legte der Provisionsüberschuss kräftig zu.
Die Commerzbank hob deshalb ihren Ausblick für den Nettozinsüberschuss auf rund 8,2 Milliarden Euro an – zuvor waren 8 Milliarden Euro erwartet worden. Der Jahresgewinn soll weiterhin bei etwa 2,5 Milliarden Euro liegen, bereinigt um Restrukturierungskosten bei 2,9 Milliarden Euro. Davon will die Bank 100 Prozent an ihre Aktionäre ausschütten. Zudem hat sie laut Insidern einen weiteren Aktienrückkauf im Volumen von bis zu 600 Millionen Euro beantragt.
Der Aktienkurs der Commerzbank fällt als Reaktion auf den unerwarteten Gewinnrückgang im Xetra-Handel zuletzt (10:20 Uhr) um 3,0 Prozent zurück. Seit Jahresbeginn haben die Titel damit aber immer noch um mehr als 102 Prozent zugelegt.
Hinter den Zahlen steckt jedoch mehr als nur Bilanzkosmetik: Die Commerzbank befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Umbau. Um Kosten zu senken und sich gegen die anhaltenden Übernahmegerüchte durch Italiens UniCredit zu wappnen, prüft die Bank auch ihre Immobilienstrategie. Wie die Financial Times vor ein paar Tagen berichtete, verhandelt sie derzeit mit dem südkoreanischen Eigentümer Samsung SRA Asset Management über den Mietvertrag für den ikonischen Commerzbank-Tower in Frankfurt.
Zur Debatte stehen eine Verlängerung oder ein Auszug, sobald der Vertrag 2032 ausläuft. Der Turm gilt mit 259 Metern als Deutschlands höchstes Gebäude und wurde 2016 von der Commerzbank im Zuge ihrer Restrukturierung verkauft. Parallel plant die Bank bereits ihren künftigen Standort im Central Business Tower, der 2028 fertiggestellt werden soll und Platz für rund 3.200 Mitarbeiter bietet. Das sind mehr als derzeit im Commerzbank-Tower arbeiten.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion
