Margin Calls, Gier & Kollaps
Hellofresh crasht: CEO soll Aktien verpfändet & Kurs künstlich gestützt haben
Nach dem Bericht von Grizzly Research bricht die Aktie um 13 Prozent ein. Der Shortseller wirft CEO Richter riskante Kredite und Selbstbereicherung vor – und sieht Hellofresh kurz vor dem Kollaps.
- Hellofresh-Aktie bricht um 13% nach Grizzly-Bericht.
- CEO Richter wird riskante Kredite und Betrug vorgeworfen.
- Umsatz stagniert, ethische Verstöße und Kündigungen.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Die Talfahrt der Hellofresh-Aktie hat sich am Donnerstag fortgesetzt. Nach einem Kursrutsch von neun Prozent am Vortag verlor das Papier im frühen Handel um bis zu 13 Prozent auf 5,49 Euro – den tiefsten Stand seit August 2024. Auslöser war ein Bericht des US-Leerverkäufers Grizzly Research mit dem Titel "Das letzte Abendmahl von HelloFresh", der dem Berliner Kochboxen-Anbieter massive Managementverfehlungen und finanzielle Risiken vorwirft.
Die Shortseller beschuldigen CEO Dominik Richter, über seine Privatfirma DSR Ventures Kredite auf verpfändete Hellofresh-Aktien aufgenommen und damit Immobiliengeschäfte seines Bruders finanziert zu haben. Sollte die Aktie weiter fallen, drohten laut Bericht Margin Calls, also Zwangsverkäufe verpfändeter Anteile. "Nach unseren Schätzungen droht bei einem weiteren Rückgang um nur 23 Prozent ein erheblicher Margin Call, und Richter und seine Unternehmen haben weder Bargeld noch Aktien mehr, die sie verpfänden könnten", heißt es. Zudem habe Hellofresh durch ein beschleunigtes Aktienrückkaufprogramm in diesem Jahr rund 100 Millionen Euro verbrannt, um Kursverluste abzufedern.
Auch Mitgründer Thomas Griesel gerät ins Visier: Er habe wiederholt Call-Optionen auf Hellofresh-Aktien verkauft und damit indirekt gegen das eigene Unternehmen gewettet – ein "gravierender Interessenkonflikt", so Grizzly Research. CFO Christian Gärtner hat den Konzern bereits verlassen, Griesel will sein Mandat 2026 nicht verlängern.
Der Shortseller spricht von einem strukturellen Einbruch des Geschäfts. Nach Jahren des pandemiegetriebenen Booms stagniere der Umsatz, die Nachfrage breche ein: Google-Suchanfragen nach Hellofresh seien in den USA seit 2022 um 80 Prozent gefallen, die App liege nicht mehr unter den Top 100. Aggressive Rabattaktionen hätten den Abwärtstrend nicht stoppen können. Parallel werfen die Autoren dem Unternehmen "Manipulation der KPIs" vor, um Kundenschwund und operative Schwächen zu verschleiern.
Darüber hinaus listet der Bericht zahlreiche ethische und rechtliche Verstöße auf – von Ermittlungen wegen Kinderarbeit über mangelhafte Arbeitsbedingungen und E.-coli-Vorfälle bis hin zu irreführender Werbung und unzulässigen Kündigungspraktiken. Laut Grizzly Research hat Hellofresh "eine Unternehmenskultur der Selbstbereicherung auf Kosten der Aktionäre" entwickelt.
Die Attacke traf auf einen ohnehin angeschlagenen Konzern: Seit Anfang 2022 hat die Aktie mehr als 90 Prozent an Wert verloren. Grizzly Research erwartet, dass Hellofresh im Dezember 2025 aus dem MDAX gestrichen wird. Das Fazit des Reports fällt vernichtend aus: Das Geschäftsmodell sei "strukturell zusammengebrochen", die Marke beschädigt, und der Konzern stehe "am Rande der Zwangsliquidation".
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

