Gradmesser für Welthandel
Reederei-Riese Maersk fällt trotz Gewinnsprung – doch Hoffnungsschimmer bleibt
Die Reederei A.P. Möller-Maersk hat im dritten Quartal die Gewinnerwartungen übertroffen und hebt seine Jahresziele an. Doch die Aktie fällt kräftig.
- Maersk übertrifft Gewinnerwartungen, Aktie fällt stark.
- EBITDA-Prognose angehoben, Umsatz um 10% gesunken.
- Analysten skeptisch wegen Überkapazitäten und Preisen.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Der Reederei-Riese Möller-Maersk, einer der wichtigsten Gradmesser für den Welthandel, hat im dritten Quartal 2025 besser abgeschnitten als erwartet, doch die Anleger zeigen sich unbeeindruckt. Die Aktie fiel in Kopenhagen zeitweise um mehr als sechs Prozent und verzeichnete damit den stärksten Rückgang seit April.
Der Konzern sagt für das Gesamtjahr ein operatives Ergebnis (EBITDA) von 9 bis 9,5 Milliarden US-Dollar voraus, nachdem zuvor lediglich 8 bis 9,5 Milliarden US-Dollar prognostiziert worden waren. Analysten hatten im Schnitt 9,1 Milliarden US-Dollar erwartet. Im dritten Quartal lag das EBITDA bei 2,69 Milliarden US-Dollar (2,33 Milliarden Euro), etwas über den Schätzungen, aber rund 44 Prozent niedriger als im Vorjahr. Der Umsatz fiel um 10 Prozent auf 14,2 Milliarden US-Dollar.
Maersk-Chef Vincent Clerc sprach von einem "Quartal der Resilienz": Trotz globaler Unsicherheiten und steigender Kosten habe das Unternehmen seine Margen stabil gehalten. Besonders stark war demnach die Nachfrage aus China, das weiterhin als "Motor des Welthandels" fungiert. Die Exporte aus Fernost und vor allem aus China haben maßgeblich zur Erholung des Containerverkehrs beigetragen. Das weltweite Transportvolumen der Reederei stieg um etwa 4 Prozent, stärker als zuvor erwartet.
Doch Analysten bleiben skeptisch. Branchenexperten verweisen auf fallende Frachtraten und eine Überkapazität an Schiffen, die selbst die anhaltenden Störungen im Roten Meer nicht mehr ausgleichen können. Der Konflikt in der Region schränkt nach Maersk-Schätzungen zwar 7 bis 8 Prozent der globalen Flotte ein, doch die Flottenausweitung um 7,6 Prozent im Jahresvergleich drückt die Preise.
"Das dritte Quartal war eine Momentaufnahme der Stärke – aber die Aussichten bleiben schwierig", sagte Sydbank-Analyst Mikkel Emil Jensen. Für ihn sei es unwahrscheinlich, dass Maersk bei sinkenden Gewinnen und schwachem Cashflow neue Aktienrückkäufe startet.
Und auch sonst überwiegt am Kapitalmarkt die Vorsicht – der einstige Corona-Gewinner der Schifffahrtsbranche muss sich nun in einem Meer aus Überkapazitäten behaupten. Clerc dagegen gibt sich optimistisch: Die Globalisierung sei "weit lebendiger, als viele gedacht hätten". Die Erhöhung der Gewinnerwartungen spricht für seine Einschätzung.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion
