Aufträge gehen an Brasilien
US-Soja ist auch nach Deal für Chinas Käufer zu teuer
Peking lockert Zölle und signalisiert Milliardenkäufe, Washington jubelt – doch für Amerikas Sojabauern bleibt die Rechnung dünn. Hohe Restzölle, billigere Bohnen aus Brasilien und volle Silos drücken die Preise.
- Peking lockert Zölle, bleibt aber bei 13% für Soja.
- US-Sojabauern kämpfen gegen Brasilien, Preise bleiben niedrig.
- Hoffnung auf Inlandsnachfrage, aber nicht genug Erträge.
- Report: Renditeturbo 2026 –
Nach dem Treffen von Donald Trump und Xi Jinping kündigte China Erleichterungen im Zollstreit an: Ein Teil der Vergeltungszölle auf US-Agrargüter wird ausgesetzt. Doch für Sojabohnen bleibt eine Abgabe von 13 Prozent bestehen – der Knackpunkt für den Markt.
Solange dieser Zuschlag gilt, sind US-Lieferungen für private chinesische Käufer unattraktiv. Händler sprechen von einem deutlichen Preisnachteil gegenüber Brasilien: Aktuell werden US-Sojabohnen zur Lieferung im Dezember mit einem Aufschlag von 10 bis 15 Cents je Scheffel gegenüber den brasilianischen Bohnen gehandelt, wie aus Daten von Reuters hervorgeht. In der Folge haben chinesische Importeure jüngst rund 20 brasilianische Schiffsladungen gebucht, trotz der politischen Entspannung.
Die US-Seite verweist zwar auf Zusagen aus Peking, wonach bis Jahresende 12 Millionen Tonnen US-Soja abgenommen werden sollen, in den drei Folgejahren jeweils mindestens 25 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 waren es noch mehr als 30 Millionen Tonnen. Doch China hat diese Zahlen bislang nicht bestätigt. Branchenkenner erwarten, dass allenfalls der staatliche Einkäufer Sinograin einspringt, weil er die Zölle faktisch umgehen kann – ein logistischer Kraftakt in kurzer Zeit. Für private Käufer aber bleibt der Preis das Maß der Dinge: Brasilien ist günstiger, die Verfügbarkeit hoch.
Für US-Farmer im Mittleren Westen bedeutet das: Der "Deal" lindert den Druck, löst ihn aber nicht. China deckte 2024 nur noch rund ein Fünftel seiner Sojaimporte in den USA, nach etwa 41 Prozent im Jahr 2016. Gleichzeitig steigen Ernten in Bundesstaaten wie Missouri, Illinois, Iowa und Minnesota – die Silos füllen sich, die Preise bleiben schwach. Viele Landwirte lagern und warten auf bessere Notierungen, doch Lagerkapazitäten und Finanzierungskosten setzen Grenzen.
Einen Hoffnungsschimmer für die Farmer gibt es aber: Agrarkonzerne wie Archer Daniels Midland (ADM) haben ihnen zeitweise eine kostenlose Einlagerung und spätere Preisfeststellung angeboten. Das könnte ein Zeichen für eine hohe Inlandsnachfrage sein, zum Beispiel für Sojamehl oder als Beimischung für Treibstoffe.
Tatsächlich wächst die US-Kapazität im Bereich der Soja-Zerkleinerung deutlich, getrieben vom Boom bei erneuerbarem Diesel. Die US-Landwirtschaftsbehörde rechnet mit einem Rekordanteil der verarbeiteten Bohnen von 2,5 Milliarden Scheffel, das entspricht einem Plus von mehr als zehn Prozent seit 2017.
Ökonomen warnen jedoch: Das reicht nicht, um den Ausfall chinesischer Käufe zu kompensieren. Auch wenn derzeit 4 neue Werke in den US-Bundesstaaten Iowa, Nebraska, Kansas und North Dakota entstehen. Kurzfristig ändert das wenig an der Lage: Zum einen kann dadurch die fehlende Abnahme durch China mengenmäßig bei weitem nicht aufgefangen werden, zum anderen ist der Ausbau ein mehrjähriger Prozess.
Strategisch hat China seine Lieferkette längst diversifiziert. Brasilien – inzwischen größter Sojaexporteur – profitiert mit Rekordernten. Für US-Bauern heißt das: Selbst wenn Peking die avisierten 25 Millionen Tonnen pro Jahr abnimmt, liegt das unter dem Niveau aus der Zeit vor dem Handelsstreit zwischen den USA und China. Kommt im Januar die nächste brasilianische Ernte auf den Markt, verschärft sich der Preiskampf zusätzlich.
Die Zolllockerungen stellen eine Erleichterung für die amerikanischen Farmer dar, aber ohne eine Absenkung des weiter bestehenden 13-Prozent-Zolls auf Sojabohnen bleibt der Preisvorteil Südamerikas bestehen. US-Landwirte finden vielleicht Abnehmer für einen Teil ihrer Ernte – nur zu schlechteren Konditionen.
Der Deal stabilisiert die Lage, aber auf einem enttäuschenden Niveau für die Farmer.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


