Tiefster Stand seit 14 Jahren
Nach neuen Mehrjahrestiefs: Jetzt bei dieser Dividendenperle zuschlagen?
Der britische Spirituosenkonzern Diageo war lange ein beliebter Dividendenwachstumswert. Doch das Umfeld hat sich spürbar verschlechtert. Ist die Aktie trotzdem einen Einstieg wert?
- Diageo-Aktie seit 4 Jahren im Abwärtstrend.
- Jüngere Kunden konsumieren weniger Alkohol.
- Dividende von 4,7% nicht ausreichend für Kauf.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Diageo: Erst beliebt, jetzt dauerhaft im Crash-Modus
Bis zum Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und dem damit verbundenen Bärenmarkt waren die Anteile von Diageo bei Anlegerinnen und Anlegern äußerst beliebt. Der britische Getränkekonzern mit bekannten Marken wie Smirnoff, Captain Morgan und Kilkenny wies einerseits ein konstantes Kurswachstum und andererseits ein überdurchschnittlich hohes Dividendenwachstum auf.
Doch seit fast 4 Jahren handelt die Aktie in einem hartnäckigen Abwärtstrend. Vor allem jüngere Kundengruppen konsumieren immer weniger Alkohol, was zu einer sinkenden Nachfrage führt. Gleichzeitig belasten gestiegene Input-Preise sowie die US-Handelspolitik die Margen. Die Folge: Mit seinen am Donnerstag vorgelegten Zahlen wusste das Unternehmen nicht zu überzeugen, die Aktie fiel auf den tiefsten Stand seit fast 14 Jahren.
Ist die für das kommende Jahr prognostizierte Dividendenrendite von 4,7 Prozent Grund genug, jetzt einen antizyklischen Einstieg zu wagen?
Trotz höherem Verkaufsvolumen geringere Erlöse
Gegenüber dem Vorjahresquartal fielen die Erlöse um 2,2 Prozent auf 4,875 Milliarden Britische Pfund (GBP). Zwar legte das verkaufte Volumen um 2,9 Prozent zu, doch ein ungünstiger Preis-Produkt-Mix mit einem Rückgang des organischen Wachstums um 2,8 Prozent verhinderte ein besseres Abschneiden.
Vor allem auf dem nordamerikanischen (-2,7 Prozent) Markt sowie im Asien-Pazifik-Raum (-7,5 Prozent) hatte Diageo Absatzschwierigkeiten, die nicht durch ein starkes Wachstum in Lateinamerika (+10,9 Prozent) und auf dem afrikanischen Kontinent (+8,9 Prozent) wettgemacht werden konnten.
Einsparungen und Schuldenabbau kommen voran
Zur Ertragslage wird sich das Unternehmen erst im kommenden Quartal konkret wieder äußern. In der Präsentation wurden jedoch Fortschritte beim Kostensenkungsprogramm bekräftigt. Das soll die Ausgaben in den kommenden 3 Jahren um 625 Millionen GBP reduzieren. Auch der Schuldenabbau soll vorangetrieben werden. Bis spätestens zum Geschäftsjahr 2028 soll die Verschuldung nur noch bei 2,5 bis 3,0 des EBITDA liegen. Dabei sollen auch Veräußerungen eine Rolle spielen.
Mit seiner Prognose für das Gesamtjahr konnte Diageo allerdings nicht überzeugen. Beim organischen Wachstum der Verkäufe wird mit einer Stagnation beziehungsweise einem leichten Rückgang gerechnet. Diageo gibt als Grund die Konsumzurückhaltung in den USA und China an. Der operative Ertrag soll im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen.
Die Kostenprognose wurde mit 1,2 bis 1,3 Milliarden GBP angegeben nach 1,5 Milliarden GBP im vergangenen Geschäftsjahr. Entsprechend soll der freie Cashflow mit geschätzten 3,0 Milliarden GBP um 300 Millionen GBP höher ausfallen als zuletzt.
Aktie erreicht tiefsten Stand seit fast 14 Jahren
Mit seinem Update konnte Diageo Anlegerinnen und Anleger nicht überzeugen, die Aktie fiel am Handelsplatz in London unter hohen Umsätzen um 6,5 Prozent. Dabei wurde ein neues Mehrjahrestief und der tiefste Stand seit 14 Jahren erzielt. Solche markanten Tiefs gelten in der technischen Analyse als starke Kaufsignale, am Freitagvormittag versucht sich die Aktie jedoch an einem kleinen Rebound.
Mit Blick auf die technischen Indikatoren zeigt sich langsam Erschöpfung. Der Relative-Stärke-Index (RSI) liegt auf Monatsbasis bei unter 30 Punkten und damit der Schwelle, die einen überverkauften Zustand einer Aktie anzeigt. Bullishe Divergenzen im Tages- und Wochenchart liegen zwar bereits vor, konnten bislang aber noch keine Trendwende erzwingen.
Großer Bewertungsabschlag gegenüber dem historischen Mittel
Mit Blick auf die Bewertung ist die Aktie nach ihrer mehrjährigen Talfahrt wieder interessant geworden. Für das kommende Geschäftsjahr erwarten Expertinnen und Experten eine verbesserte Ertragslage und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,2, welches damit deutlich unter dem 10-Jahres-Schnitt von 25,4 liegen würde. Die Cashflow-Rendite von 4,7 Prozent liegt gleichauf mit der des US-amerikanischen Mitbewerbers Constellation Brands.
Bei der Dividendenrendite ist angesichts der Einsparungsbemühungen kein großer Sprung zu erwarten, sie dürfte 4,7 Prozent betragen und ist durch den Gewinn gedeckt. Sollte die erhoffte Verbesserung der Ertragslage aber ausbleiben, könnte es eng werden und eine Kürzung in den Bereich des Möglichen rücken.
Fazit: Die Auswahl ist groß genug – und oft besser!
Angesichts der Fülle an günstig bewerteten Aktien auch im Konsumgüterbereich (zum Beispiel General Mills, Conagra oder Cal-Maine Foods), vor allem aber darüber hinaus, mit zum Teil deutlich höheren Ausschüttungen, die gleichzeitig besser durch Gewinne und Cashflows abgesichert sind, ist Diageo derzeit kein Kauf.
Entweder ist eine klare Trendwende abzuwarten, sodass neben der Dividende auf eine Erholung des Kurses spekuliert werden kann, oder es sollte nochmal eine Etage tiefer eingestiegen werden, sodass eine noch höhere Dividendenrendite die operativen Risiken aufwiegt.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion
Die Diageo Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +0,26 % und einem Kurs von 19,15EUR auf Tradegate (07. November 2025, 10:46 Uhr) gehandelt.

