Angst dominiert
Bitcoin und Co. setzen Talfahrt fort – Anleger fliehen aus dem Kryptomarkt
Anhaltende Zins- und Konjunktursorgen treiben Anleger aus risikoreichen Märkten und schicken Bitcoin und Co. weiter auf Talfahrt.
- Zins- und Konjunktursorgen drücken Kryptomärkte weiter.
- Bitcoin fällt auf 101.800 USD, Wochenverlust bei 7%.
- Whale-Akkumulation bei Ethereum deutet auf Kaufinteresse.
- Report: Platzt die Alles‑Blase?
Bitcoin (BTC) fällt am Freitag um rund 1,2 Prozent auf 101.800 US-Dollar und weitet damit seine Wochenverluste auf etwa sieben Prozent aus. Ethereum (ETH) gibt um 0,6 Prozent nach und notiert aktuell bei 3.350 US-Dollar – auf Wochensicht summiert sich das Minus auf über zwölf Prozent.
XRP rutschte nach dem gestrigen Erholungsversuch erneut um vier Prozent auf 2,20 US-Dollar ab, was einem Wochenverlust von über zehn Prozent entspricht. BNB und Dogecoin (DOGE) zeigen sich aktuell etwas stabiler und legten in den letzten 24 Stunden rund zwei Prozent zu, liegen auf Wochensicht jedoch weiterhin zweistellig im Minus.
Die gesamte Marktkapitalisierung des Kryptosektors fiel um weitere 0,75 Prozent auf 3,4 Billionen US-Dollar. Der Crypto Fear & Greed Index notiert aktuell bei 21 Punkten – nur knapp oberhalb der Zone von "extremer Angst" – nachdem er vor einer Woche noch bei 31 Punkten lag.
Laut Coinglass wurden in den vergangenen 24 Stunden Positionen im Wert von 587 Millionen US-Dollar liquidiert – ein Anstieg um 83 Prozent. Das offene Interesse fiel leicht um 0,43 Prozent auf 143 Milliarden US-Dollar (Stand: 09:30 Uhr MEZ).
Makroökonomische Belastungsfaktoren nehmen zu
Die Schwäche an den Kryptomärkten spiegelt ein breiteres Risikosentiment wider. Die US-Notenbank Federal Reserve hat zuletzt signalisiert, Zinssenkungen langsamer als erwartet vorzunehmen – eine Haltung, die die Renditen von Staatsanleihen nach oben treibt und den US-Dollar stärkt.
Zusätzlichen Druck erzeugt die wachsende Unsicherheit im Handelskonflikt zwischen den USA und China. Marktteilnehmer befürchten neue Zollmaßnahmen, die das globale Wachstum weiter bremsen könnten. Auch die andauernde US-Regierungsschließung wirkt wie ein zusätzlicher Belastungsfaktor: Milliarden an staatlichen Ausgaben fehlen derzeit im Wirtschaftskreislauf.
On-Chain-Daten: Noch keine Kapitulation, aber steigender Verkaufsdruck
On-Chain-Daten von CryptoQuant zeigen, dass der Verkaufsdruck anhält. Die Bitcoin-Reserven auf Binance steigen weiter an – ein Indikator dafür, dass mehr Anleger ihre Coins an Börsen transferieren, um sie potenziell zu verkaufen.
Zudem bleibt der Coinbase Premium Index negativ. Das deutet darauf hin, dass US-Investoren, darunter auch institutionelle Käufer, derzeit keine größeren Spot-Positionen aufbauen. In früheren Erholungsphasen waren gerade diese Akteure entscheidend für den Marktumschwung – ihre aktuelle Zurückhaltung signalisiert schwache Nachfrage im kurzfristigen Bereich.
Auffällig ist jedoch die Whale-Akkumulation bei Ethereum: Großinvestoren kauften laut On-Chain-Daten in den vergangenen Tagen rund 394.682 ETH im Gegenwert von etwa 1,37 Milliarden US-Dollar im Kursbereich zwischen 3.247 und 3.515 US-Dollar. Diese Käufe deuten darauf hin, dass institutionelle Investoren den Rücksetzer als strategische Einstiegschance betrachten – ein potenzielles bullishes Signal.
Ausblick: Kann Bitcoin das vierte Quartal noch retten?
Um das laufende Quartal positiv abzuschließen, müsste Bitcoin um rund 10 Prozent zulegen, um den Break-even-Punkt bei etwa 114.000 US-Dollar zu erreichen. Von seinem Rekordhoch bei 126.080 US-Dollar liegt BTC derzeit rund 20 Prozent entfernt.
Dennoch bleibt die Hoffnung auf eine Wende bestehen. Ryan Lee, Chefanalyst bei Bitget, sieht Chancen für eine Jahresendrallye, sollte sich das makroökonomische Umfeld entspannen: "Bleiben die Inflationsdaten stabil und verbessert sich die Liquidität, könnte Bitcoin das vierte Quartal positiv abschließen. Entscheidend werden die nächsten Fed-Entscheidungen und mögliche Kapitalzuflüsse in Spot-ETFs sein."
Autor: Pascal Grunow, wallstreetONLINE Redaktion

