Preise explodieren
Deutschland wird zu teuer: Wohnen und Autos fressen die Gehälter auf
Die Kosten in Deutschland explodieren – besonders bei den Dingen, die kaum jemand vermeiden kann: Wohnen und Mobilität. Selbst das Notwendige wird zum Luxusgut.
- Kosten für Wohnen und Mobilität steigen dramatisch.
- Einkommen wachsen langsamer als Preise für Lebensnotwendiges.
- Lebensmittelpreise ebenfalls stark angestiegen, 40% in 5 Jahren.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Für viele deutsche Haushalte wird der Alltag spürbar teurer – nicht durch Luxusgüter, sondern durch das, was man braucht, um zu leben und zur Arbeit zu kommen. Von 2010 bis 2022 haben sich Wohnimmobilienpreise um rund 94 Prozent erhöht, während die Einkommen gleichzeitig nur um etwa 35 Prozent wuchsen. Damit sind Häuser und Wohnungen fast drei Mal so stark im Preis gestiegen wie die Löhne.
Das bedeutet: Wer sich vor 15 Jahren mit durchschnittlichem Gehalt ein Eigenheim leisten konnte, hat heute kaum noch eine Chance – selbst bei doppeltem Einkommen. In vielen Städten verschlingen Miete oder Kreditraten mittlerweile etwa ein Viertel des verfügbaren Haushaltseinkommens, bei Geringverdienern sogar knapp 44 Prozent, wie aus Daten von Destatis für 2024 hervorgeht. In beliebten Wohngegenden und Städten wie München oder Berlin fallen die Zahlen teilweise deutlich höher aus.
Auf dem Automarkt zeigt sich eine ähnliche Tendenz. Neuwagen kosten heute rund 43 durchschnittliche Wochenlöhne – 1995 waren es nach Bloomberg-Berechnungen noch 32. Viele einfache Modelle, einst erschwinglich für Arbeiter und Angestellte, sind vom Markt verschwunden. Hersteller konzentrieren sich auf teurere, margenstärkere Fahrzeuge, während Kleinwagen wie der VW Up, der Opel Adam oder der Ford Fiesta eingestellt wurden.
Der Preisboom hat viele Ursachen: gestiegene Rohstoffkosten, strengere Sicherheits- und Umweltauflagen, teure Elektronik und eine Verlagerung der Autoindustrie hin zu teuren Elektro- und Premium-Modellen. Das Ergebnis: Ein Fiat Panda, der 2010 noch 9.000 Euro kostete, liegt heute bei rund 16.000 Euro – ein Plus von fast 80 Prozent. Gebrauchtwagen verteuerten sich im gleichen Zeitraum um rund 88 Prozent.
Das Gesamtbild ist eindeutig: Die großen Fixkostenblöcke im Leben – Wohnen und Mobilität – wachsen seit Jahren schneller als die Einkommen. Der Mittelstand spürt das in der täglichen Rechnung. Für viele Familien bedeutet das weniger Spielraum, weniger Eigentum und weniger soziale Aufstiegschancen.
Ganz außen vor gelassen habe ich in diesem Zusammenhang die kräftigen Preissteigerungen bei Lebensmitteln, die mittlerweile – neben den Wohnkosten – zu den größten Belastungsfaktoren für private Haushalte zählen. Allein in den letzten fünf Jahren sind die Nahrungsmittelpreise um etwa 40 Prozent hochgeschnellt, zeigt eine Auswertung von Destatis-Daten.
Deutschland, das früher einmal für erschwingliches Wohnen und Mobilität für jedermann stand, wird immer mehr zu einem Land, wo selbst das Notwendige zum Luxusgut wird.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

