Passives Einkommen
UGI: Der kaum bekannte Dividendenaristokrat mit 141 Jahren Stabilität
Seit 37 Jahren steigert UGI die Ausschüttungen kontinuierlich, die Dividendenhistorie geht sogar bis ins 19. Jahrhundert zurück. Der kaum bekannte Versorger überzeugt nicht nur mit stabilen Ausschüttungen.
- UGI steigert Dividende seit 37 Jahren kontinuierlich.
- Stabiler Cashflow und Fokus auf regulierte Bereiche.
- Analysten empfehlen Kauf, Potenzial von 21,6 Prozent.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
In einem Umfeld, in dem viele Anleger nur noch Kursgewinne jagen, steht UGI Corporation für das Gegenteil: planbare Erträge, stabile Cashflows und eine recht verlässliche Dividendenpolitik. Seit 1885 schüttet das Unternehmen ohne Unterbrechung Dividenden aus, seit mindestens 1972 (weiter gehen die Zahlen nicht zurück) wurden die Ausschüttungen nicht reduziert. Gute Gründe, sich UGI im Rahmen des Dividenden-Radars einmal genauer anzusehen.
Nachdem wir uns hier in der vergangenen Woche den US-Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb angesehen haben, wollen wir diesmal einen genaueren Blick auf den Energieversorger UGI werfen, den nicht sehr viele Dividendeninvestoren bislang auf dem Schirm haben. Vielleicht zu Unrecht.
Das US-Unternehmen mit Sitz in Pennsylvania, in einem Ort mit dem schönen Namen King of Prussia (König von Preußen), wurde 1882 als United Gas Improvement gegründet, ist im Energiegeschäft tätig und heute international aufgestellt.
UGI betreibt vier große Geschäftsbereiche: regulierte Gasversorgungsnetze in den Bundesstaaten Pennsylvania und West Virginia, den Midstream- und Marketing-Bereich für Gasinfrastruktur, das internationale LPG-Geschäft in 16 europäischen Ländern sowie AmeriGas – die größte Propan-Vertriebskette der USA mit rund 1,2 Millionen Kunden. Diese Mischung aus regulierten und marktorientierten Sparten sorgt für eine solide Ertragsbasis, auch wenn das Unternehmen wetterabhängige Schwankungen verkraften muss.
Turnaround
Nach Jahren des Umbruchs hat sich UGI im Jahr 2025 operativ gefangen. Besonders der Turnaround bei AmeriGas trägt Früchte: Das Geschäft mit Flüssiggas hat sich stabilisiert, nachdem das Management unprofitable Großhandelsaktivitäten eingestellt und sich auf margenstärkere Kundensegmente konzentriert hat. Verbesserte Lieferketten, effizientere Routenplanung und der Rückverlagerung von Kundendienstzentren in die USA haben die Margen spürbar verbessert.
Im abgelaufenen dritten Geschäftsquartal bis Ende Juli kletterte der bereinigte Gewinn pro Aktie auf 3,55 US-Dollar, ein Plus von rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Management erwartet nun, das Geschäftsjahr am oberen Ende der Prognose zwischen 3,00 und 3,15 US-Dollar je Aktie abzuschließen – ein Rekordwert für das Unternehmen. Die Jahreszahlen werden am 20. November nach US-Börsenschluss bekannt gegeben.
Zudem wird das Portfolio gezielt gestrafft. Mit dem Verkauf nicht strategischer Vermögenswerte im Umfang von 150 Millionen US-Dollar will UGI Schulden abbauen und das Kapital auf regulierte Bereiche konzentrieren, die stetige Einnahmen bringen. Mehr als 80 Prozent der jährlichen Investitionen fließen mittlerweile in das Versorgungsgeschäft und die Energieinfrastruktur – eine strategische Ausrichtung auf Stabilität statt Risiko. Ein weiterer Wachstumstreiber ist die bevorstehende Tarifanpassung in Pennsylvania, die ab dem Geschäftsjahr 2026 zusätzliche Einnahmen von rund 69,5 Millionen US-Dollar bringen soll.
Auch bilanziell steht UGI solide da: Die Nettoverschuldung liegt mit dem 3,8-Fachen des EBITDA unter dem branchenüblichen Sicherheitswert von 4,5, und mit 1,9 Milliarden US-Dollar an Liquidität verfügt das Unternehmen über reichlich finanziellen Spielraum.
Die Dividende
Das zahlt sich für Dividendeninvestoren aus. UGI hat seine Ausschüttung seit 37 Jahren in Folge erhöht und gilt damit als Dividendenaristokrat. Aktuell beträgt die jährliche Dividende 1,50 US-Dollar je Aktie, was beim aktuellen Kurs von 33,95 US-Dollar einer Rendite von 4,42 Prozent entspricht. Die Ausschüttungsquote liegt bei rund 44 Prozent und gilt als sicher. In den vergangenen 10 Jahren ist die Dividende im Schnitt um 5,5 Prozent pro Jahr gewachsen – kein Sprung, aber Ausdruck disziplinierter Kapitalpolitik.
Analysten gehen davon aus, dass UGI seine Dividende in diesem Jahr nicht steigern wird, also erneut 1,50 US-Dollar ausschüttet. Damit würde das Unternehmen aus der Güteklasse der Dividendenaristokraten herausfallen. Das wäre bedauerlich, hieße aber zumindest, dass die Ausschüttungen seit mindestens 53 Jahren nicht reduziert wurden. Es ist aber auch möglich, dass die vierte Ausschüttung für das laufende Kalenderjahr, deren Ex-Date Mitte Dezember sein wird, doch noch erhöht wird
Das sagen die Analysten
Im Vergleich zum überhitzten Gesamtmarkt erscheint UGI moderat bewertet. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 12 liegt die Aktie deutlich unter ihrem historischen Durchschnitt und stattliche 39 Prozent unter dem aktuellen Multiplikator in der Branche (19,7). Angesichts stabiler Cashflows, wachsender regulierter Erträge und des erfolgreichen Konzernumbaus raten die nur drei Analysten, die die Aktie beobachten, einhellig zum Kauf. Ihr mittleres Kursziel liegt bei 41,00 US-Dollar, was einem Potenzial von rund 21,6 Prozent entspricht – zusätzlich zur Dividendenrendite. Und das obwohl sich die Aktie in diesem Jahr bereits um knapp 20 Prozent verteuert hat.
Natürlich gibt es auch Risiken: Das Geschäft ist wetterabhängig, und milde Winter drücken den Absatz von Propan. Schwankungen der Rohstoffpreise sowie steigende Finanzierungskosten könnten ebenfalls auf die Margen wirken. Dennoch bleibt UGI für defensive Anleger ein Ruhepol in einem volatilen Marktumfeld und angesichts des hohen Energiebedarfs zu KI und Rechenzentren ist kaum mit einer sinkenden Gasnachfrage zu rechnen. Die Kombination aus berechenbarem Cashflow, sicherer Bilanz und stetiger Ausschüttung hebt das Unternehmen von vielen anderen Energietiteln ab.
12.000 Euro Dividenden-Einkommen
Wer mit der Aktie auf regelmäßige Erträge setzt, kann sich die Größenordnung leicht ausrechnen: Für eine jährliche Dividendeneinnahme von 12.000 Euro (etwa 13.900 US-Dollar) wären bei einer Jahresdividende von 1,50 US-Dollar rund 9.300 Aktien erforderlich. Das entspricht beim aktuellen Kurs einer Investition von etwa 315.000 US-Dollar, umgerechnet 272.000 Euro.
Zum Vergleich: Bei Bristol-Myers Squibb waren es in der vergangenen Woche rund 221.000 Euro und bei der brasilianischen Bank Itaú Unibanco im Radar davor sogar nur 193.000 Euro.
Steuerliche Behandlung von US-Dividenden
Für deutsche Anleger gelten die üblichen steuerlichen Regeln für US-Dividenden. Auf Ausschüttungen fällt in den USA eine Quellensteuer von 30 Prozent an, wovon 15 Prozent mit der deutschen Kapitalertragsteuer von 26,375 Prozent verrechnet werden. Die verbleibenden 15 Prozent können sich Anleger von den US-Steuerbehörden zurückerstatten lassen. Damit wird eine doppelte Besteuerung weitgehend vermieden, und die effektive Steuerbelastung bleibt moderat.
Fazit
UGI Corporation ist kein Highflyer, sondern ein klassischer Dividendenwert für ruhige Hände – solide, berechenbar und mit einer beachtlichen Historie an Dividendensteigerungen. Der erfolgreiche Umbau des AmeriGas-Geschäfts, die Fokussierung auf regulierte Sparten und die konservative Bilanzstrategie machen das Unternehmen zu einem verlässlichen Ertragsbringer in einem überhitzten Markt. Wer auf stabile Einnahmen statt auf spekulative Kursraketen setzt, kann in UGI Corp. einen attraktiven Ruhepol mit Substanz finden.
Übersicht zur Dividende von UGI Corp*
Marktkapitalisierung: 7,30 Milliarden US-Dollar (6,31 Milliarden Euro)
Dividende erhöht: 37 Jahre in Folge
Dividende nicht gesenkt: mindestens 53 Jahre in Folge
Dividende kontinuierlich ausgeschüttet: 141 Jahre in Folge
Zeitplan
06.08.2025: Dividendenankündigung
15.09.2025: Record Day / Ex-Dividende
01.10.2025: Dividendenzahlung
* Quelle: UGI Corp.
| Geschäftsjahr |
Dividendenrendite in %** |
Dividende in US-Dollar |
|---|---|---|
| 2029 | 5,07e | 1,72e |
| 2028 | 4,77e | 1,62e |
| 2027 | 4,60e | 1,56e |
| 2026 | 4,42e | 1,50e |
| 2025 | 4,42e | 1,50e |
| 2024 | 5,49 | 1,50 |
| 2023 | 6,04 | 1,485 |
| 2022 | 3,84 | 1,425 |
| 2021 | 2,97 | 1,365 |
| 2020 | 3,76 | 1,315 |
| 2019 | 2,68 | 1,21 |
* Quellen: UGI, FactSet, wallstreetONLINE.
** Zur Errechnung der Dividendenrendite wurde der Schlusskurs des jeweiligen Geschäftsjahres genommen, beziehungsweise für 2025 und die Prognosen der aktuelle Kurs.
Die optimale Dividendenstrategie
Eine optimale langfristige Dividendenstrategie hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter dem individuellen Risikoprofil, den Anlagezielen und der finanziellen Situation. Hier sind jedoch einige allgemeine Prinzipien, die empfohlen werden können:
Diversifikation: Investieren Sie in eine breite Palette von Unternehmen und Sektoren, um das Risiko zu streuen. Diversifikation kann helfen, das Portfoliorisiko zu mindern, da nicht alle Sektoren gleichzeitig von Marktschwankungen betroffen sind.
Qualitätsaktien wählen: Achten Sie auf Unternehmen mit einer starken Bilanz, stabilen Cashflows und einer Geschichte von zuverlässigen und wachsenden Ausschüttungen. Solche Unternehmen sind oft besser positioniert, um auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Dividenden zu zahlen.
Reinvestition von Dividenden: Das Reinvestieren von Dividenden kann das Wachstum des Portfolios beschleunigen. Durch den Zinseszinseffekt können reinvestierte Dividenden über die Zeit einen signifikanten Beitrag zum Gesamtertrag des Portfolios leisten.
Langfristige Perspektive: Dividendenstrategien sind oft langfristig ausgerichtet. Marktschwankungen sollten daher nicht zu überstürzten Entscheidungen führen. Geduld und Beständigkeit sind Schlüssel zum Erfolg.
Steuereffizienz berücksichtigen: Die steuerliche Behandlung von Dividenden kann je nach Land und individueller Situation variieren. Es ist wichtig, Steuereffekte in die Strategie einzubeziehen.
Überwachung und Anpassung des Portfolios: Portfolios sollten regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst werden, um sicherzustellen, dass es weiterhin den eigenen Anlagezielen entspricht und gut diversifiziert bleibt.
Bewertung: Achten Sie auf die Bewertung der Aktien. Hohe Dividendenrenditen sind nicht immer ein gutes Zeichen; sie können auch ein Hinweis auf Probleme im Unternehmen sein.
Verwendung von Dividendenfonds, -ETFs: Für Anleger, die nicht direkt einzelne Aktien auswählen möchten, können Dividendenfonds eine praktikable Alternative sein, da sie eine gute Möglichkeit zur Diversifikation bieten.
Fazit:
Dividendeninvestitionen können eine großartige Möglichkeit sein, ein passives Einkommen aufzubauen. Indem Sie sich auf Unternehmen mit stabiler Dividendenhistorie konzentrieren, können Sie Ihr Portfolio schrittweise ausbauen. Dabei ist natürlich immer zu beachten, dass Investitionen in Dividendenaktien – wie alle Investitionen – mit Risiken verbunden sind.
Weitere interessante Dividenden-Aktien befinden sich übrigens auch in der Dividenden-Watchlist unseres Börsenexperten Markus Weingran, dessen Börsenlounge sich täglich mit aktuellen Marktentwicklungen, Investitionstipps und Finanzthemen befasst.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion
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