Erstmals seit 1996
Gold überholt US-Treasuries als wichtigste Reserve
Erstmals seit den 1990er-Jahren halten Zentralbanken weltweit mehr Gold in ihren Reserven als US-Staatsanleihen. Das könnte sich als Signal einer tiefgreifenden Verschiebung im globalen Finanzgefüge erweisen.
- Zentralbanken halten mehr Gold als US-Anleihen.
- Goldanteil an Reserven bei 25%, US-Anleihen 23%.
- Vertrauensverlust in US-Staatsanleihen wächst stetig.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Nach Jahrzehnten, in denen US-Treasuries als unangefochtene Basis der weltweiten Währungsreserven galten, hat sich das Kräfteverhältnis gedreht. Der Anteil von Gold an den internationalen Devisenreserven liegt inzwischen bei rund einem Viertel, während der Anteil von US-Staatsanleihen auf etwa 23 Prozent gesunken ist.
Der Wendepunkt wurde zum Ende des dritten, beziehungsweise Beginn des vierten Quartals 2025 erreicht, wie die Allianz-Tochter Pimco kürzlich unter Berufung auf Daten von Bloomberg, dem Internationalen Währungsfonds und der Federal Reserve berichtete. Ein historisches Datum, denn zuletzt war Gold im Jahr 1996 stärker in den Zentralbankbilanzen vertreten als US-Schuldtitel.
Diese Entwicklung ist das Ergebnis einer langsamen, aber stetigen Erosion des Vertrauens in die politische und fiskalische Stabilität der Vereinigten Staaten. Die US-Verschuldung ist in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen, während die Zinskosten der Regierung in Washington immer neue Rekordniveaus erreicht haben. Zugleich mehren sich geopolitische Spannungen, die viele Länder dazu veranlassen, ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu überdenken.
Gold erscheint in diesem Umfeld als neutraler, sanktionssicherer und physisch greifbarer Wertspeicher – ein Gegenpol zu einer zunehmend politisierten Weltfinanzordnung. Im vergangenen Jahr hatte das Edelmetall aufgrund der Zentralbank-Käufe bereits den Euro als zweitgrößtes globales Reserve-Asset abgelöst.
Zentralbanken in Asien, dem Nahen Osten und Osteuropa haben ihre Goldkäufe massiv ausgeweitet. Für viele von ihnen dient das Edelmetall als strategische Absicherung gegen Währungsschwankungen und mögliche Handelskonflikte. Allein im Jahr 2024 entfiel ein erheblicher Teil der weltweiten Goldnachfrage auf offizielle Käufe. Gleichzeitig wurden Bestände an US-Treasuries abgebaut, teils aus Diversifizierungsgründen, teils, um das Risiko steigender US-Renditen zu meiden.
Die Verschiebung hat weitreichende Bedeutung. Jahrzehntelang galten US-Staatsanleihen als der "sichere Hafen" des globalen Finanzsystems. Nun scheint dieser Status zu bröckeln. Der US-Dollar bleibt zwar die Leitwährung der Welt, doch seine Dominanz wird schrittweise in Frage gestellt – nicht durch eine spektakuläre Abkehr, sondern durch die schleichende, systematische Umschichtung der Zentralbanken.
Für die USA könnte das langfristige Konsequenzen haben. Wenn weniger ausländische Nachfrage nach US-Schuldtiteln besteht, steigen tendenziell die Refinanzierungskosten der Regierung. Und für die Finanzmärkte bedeutet der wachsende Goldanteil in den Notenbankreserven ein klares Signal:
Vertrauen ist eine endliche Ressource – und derzeit fließt ein wachsender Teil davon in glänzende Barren statt in Papier mit dem Siegel "U.S. Treasury".
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

