Sicherster Hafen
Die stärkste Währung der Welt seit 100 Jahren
Fast jede Währung hat über die Jahrzehnte hinweg zum US-Dollar an Wert verloren. Außer dem Schweizer Franken. Inflation, Krisen und Währungskriege sind an der stabilsten Währung der Welt einfach abgeprallt.
- Schweizer Franken bleibt stabil, andere Währungen fallen.
- 100 Jahre: 25 Währungen verloren über 99% Wert.
- SNB hält Inflation niedrig, Franken als sicherer Hafen.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Im Verlauf der vergangenen 100 Jahre hat fast jede Währung gegenüber dem US-Dollar an Wert verloren. Viele sogar deutlich, wie aus einer Langzeitstudie von Deutsche Bank Research hervorgeht. Von den untersuchten 55 Währungen, haben über diesen Zeitraum sogar 25 Devisen mehr als 99 Prozent ihres Wertes zum Greenback eingebüßt. Darunter die türkische Lira, der argentinische Peso und der polnische Zloty.
Selbst die starke deutsche Währung* hat über diesen langen Zeitraum drei Viertel ihres Wertes zum US-Dollar verloren, da bei der Analyse auch die Reichsmark und der Euro berücksichtigt wurden und vor allem die Nachkriegszeit in Westdeutschland, als es zu deutlichen Preissteigerungen kam, bis sich die D-Mark stabilisierte. In den 1970er-Jahren trafen dann Ölkrise und Lohnschübe Deutschland härter als die USA. Trotz aller Rückschläge ist die deutsche Währung noch eine der vergleichsweise stabileren des 20. Jahrhunderts.
Das Symbol für Stabilität schlechthin ist aber die Schweizer Devise. Während in den letzten 100 Jahren nahezu jede Währung an Wert verlor, hat sich der Schweizer Franken als Fels in der Brandung erwiesen. Über diesen Zeitraum haben lediglich noch der Singapur-Dollar (+39%) und der niederländische Gulden (+31%) zum US-Dollar zulegen können, aber auch sie lässt der Franken (+541%) weit hinter sich.
Von den 55 untersuchten Volkswirtschaften hat nur dieser kleine Kreis seine Kaufkraft gegen den US-Dollar bewahren können. Der Rest wurde von Inflation, Kriegen, Währungsreformen oder übermäßiger Geldpolitik aufgezehrt. Dazu zählen auch einst mächtige Währungen wie das britische Pfund (-72%) oder der japanische Yen (-98%). Nur der Franken blieb standhaft – und legte über das Jahrhundert sogar kräftig zu.
Die Gründe dafür liegen tief in der DNA des Landes. Die Schweiz war politisch neutral, wirtschaftlich stabil und geldpolitisch vorsichtig – selbst in Zeiten, in denen andere Notenbanken die Druckerpresse anschmissen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hielt die Inflation im Schnitt bei unter zwei Prozent, während andere Industrieländer zeitweise zweistellige Teuerungsraten verzeichneten. Auch Hyperinflationen wie in Deutschland 1923 oder in Lateinamerika in den 1980er-Jahren blieben der Schweiz erspart.
Der Franken wurde zum sicheren Hafen in Krisenzeiten – nicht nur für Anleger, sondern auch für Staaten. In Phasen globaler Unsicherheit fließt Kapital regelmäßig in die Schweiz, treibt den Wechselkurs und festigt den Ruf der Währung als Fluchtwährung. Die Kehrseite: Für die exportorientierte Industrie ist der starke Franken seit Jahrzehnten eine Bürde. Produkte "Made in Switzerland" sind teuer – und doch bleiben sie begehrt, weil sie Qualität und Vertrauen verkörpern.
Trotz Negativzinsen, Frankenstärke und globalen Zinsschocks hat die SNB ihre Glaubwürdigkeit nie verloren. Selbst im Umfeld hoher US-Zinsen bleibt der Franken stabil – ein Zeichen, dass Vertrauen eine Währung stärker machen kann als jede Notenbankpolitik.
Nach einem Jahrhundert mit wirtschaftlichen und politischen Umbrüchen – von Weltkriegen über Finanzkrisen bis zu globalen Währungsreformen und dem Ende des Goldstandards – steht die eidgenössische Währung bemerkenswert stabil da. Sie ist die einzige große Währung, die über 100 Jahre hinweg real an Wert gewonnen hat. Der Franken steht damit nicht nur für Stabilität, sondern für eine geldpolitische Kontinuität, die weltweit ihresgleichen sucht.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion
* Um die Entwicklung der Landeswährungen über ein Jahrhundert hinweg vergleichbar zu machen, hat die Deutsche Bank in ihrer Studie historische und heutige Währungen zu durchgehenden Reihen zusammengeführt. Wo Länder Währungsreformen oder Umstellungen erlebt haben, wie etwa Deutschland mit der Reichsmark, der Deutschen Mark und später dem Euro, wurden die offiziellen Umtauschverhältnisse herangezogen, um eine konsistente Zeitreihe zu schaffen.


