Krypto-Schlacht des Jahres
Jim Chanos zerschmettert Michael Saylors Bitcoin-Mythos
Die Strategy-Aktie notiert inzwischen unter dem Wert ihrer Bitcoin-Bestände. Für Jim Chanos ist das die späte Bestätigung: Der Hype ist vorbei.
- Strategy-Aktie unter Bitcoin-Wert, Hype vorbei.
- Chanos' Wette gegen Saylor erfolgreich, mNAV gesunken.
- Krypto-Prämie verschwunden, Chanos als Sieger.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Jim Chanos, legendärer Leerverkäufer und Enron-Entlarver, hat seine Wette gegen Michael Saylors Bitcoin-Imperium Strategy (ehemals MicroStrategy) erfolgreich beendet. Der Investor erklärte, seine These habe sich "weitgehend bewahrheitet": Der Aufschlag, den Anleger für Saylors Aktie im Vergleich zu den tatsächlichen Bitcoin-Beständen zahlten, sei drastisch geschrumpft.
Chanos hatte im Dezember 2024 auf eine sogenannte mNAV-Kompression gesetzt – also darauf, dass das Verhältnis von Marktkapitalisierung zu Nettoinventarwert (mNAV) von 2,5 auf 1 sinken würde. Diese Kennzahl beschreibt, wie stark der Aktienkurs eines Unternehmens über dem realen Wert seiner Vermögenswerte liegt. Bei Strategy bedeutete das: Die Aktie war zwischenzeitlich zweieinhalbmal so teuer wie die Bitcoin, die sie repräsentierte. Nun liegt der Wert nur noch bei rund 1. "Wir glauben zwar, dass es noch Spielraum für eine mNAV-Kompression gibt, aber die These hat sich weitgehend bewährt", schrieb Chanos auf X. "Andere können die letzte Etappe des Trades verfolgen."
Der Rückgang des Bitcoin-Kurses um etwa 20 Prozent im Oktober beschleunigte den Preisverfall von Strategy. Anleger begannen, Saylors hoch verschuldete Bitcoin-Strategie zu hinterfragen. Der Unternehmer hatte über Jahre hinweg Aktien verkauft und Kredite aufgenommen, um noch mehr Bitcoin zu kaufen. Doch mit dem Goldpreisanstieg und dem Auftauchen neuer Krypto-Treasury-Unternehmen verlor Saylors Konzept an Strahlkraft.
Die Folge: Die Prämie, die Investoren für den Zugang zu Bitcoin über Strategy zahlten, schmolz dahin. Für Chanos war das der Beweis, dass der Markt Saylors Finanzkonstruktion nicht mehr mit einem Aufschlag belohnt. Je nach Einstiegszeitpunkt brachte ihm die Wette bis zu 50 Prozent Gewinn ein.
Der Streit zwischen beiden galt als einer der prominentesten Finanz-Showdowns des Jahres. Saylor hatte Chanos im Sommer vorgeworfen, das Geschäftsmodell nicht zu verstehen, worauf dieser konterte, Saylors Ansatz sei "finanzielles Geschwätz". Nun scheint der Shortseller das letzte Wort zu haben.
Während Jim Chanos seine Short-Wette gegen Strategy schloss, gab das Unternehmen zuletzt die Ausgabe neuer Vorzugsaktien im Volumen von 50 Mio. US-Dollar bekannt, um weitere Bitcoin zu erwerben. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 66,6 Milliarden US-Dollar, der Wert der Bitcoin-Bestände bei etwa 67,6 Milliarden US-Dollar. Damit handelt Strategy nahe Pari auf seine BTC-Reserven (mNAV ~ 0,99–1,00).
Damit ist Chanos’ These Realität geworden: Der Mythos der "Krypto-Prämie" ist verschwunden, und der wohl berühmteste Shortseller der Wall Street darf sich erneut als Sieger fühlen.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
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