An KI übernommen?
Oracle verdreifacht Schulden – Investoren sichern sich gegen Ausfall ab
Während Oracle Milliarden in KI investiert, wächst am Kreditmarkt die Nervosität. Die Preise für Absicherungen gegen einen möglichen Zahlungsausfall sind deutlich hochgeschnellt. Experten raten zu Vorsicht.
- Oracle investiert stark in KI, Kreditmarkt nervös.
- CDS-Preise steigen, Vertrauen in Oracle sinkt.
- Hohe Verschuldung und Skepsis belasten Anleihen.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Die Künstliche Intelligenz gilt als Zukunftstechnologie – und Oracle will dabei ganz vorne mitspielen. Der Software- und Cloudkonzern steckt Hunderte Milliarden in neue Rechenzentren, Chips und Kooperationen mit Partnern wie OpenAI. Doch während Anleger an der Börse auf die KI-Euphorie aufspringen, schlägt der Kreditmarkt Alarm: Immer mehr Investoren sichern sich gegen ein mögliches Ausfallrisiko bei Oracle ab.
Der Preis für sogenannte Kreditausfallswaps (Credit Default Swaps, CDS) – also Versicherungen gegen einen Kreditausfall – liegt nahe dem höchsten Stand seit Oktober 2023, zeigen Daten von ICE Data Services. Das bedeutet: Das Vertrauen in Oracles Schuldentragfähigkeit hat spürbar gelitten.
Ein CDS ist im Grunde eine Versicherung gegen Zahlungsausfälle. Wer Anleihen eines Unternehmens hält, kann sich über den Kauf eines CDS absichern. Der Käufer zahlt eine jährliche Prämie; im Gegenzug erhält er im Ernstfall den Ausgleich für den Verlust. Steigen die CDS-Kosten, zeigt das, dass der Markt ein höheres Ausfallrisiko sieht – ähnlich wie bei steigenden Versicherungsprämien für Autofahrer bei einer Unfallhäufung.
Bei Oracle ist genau dies passiert. Zum einen sind diese Ausfallversicherungen deutlich teurer geworden. Gleichzeitig fordern Anleger eine höhere Rendite, um die Unternehmensanleihen des Tech-Riesen zu kaufen. Die Renditeaufschläge – oder Risikoaufschläge – auf die Bonds sind zuletzt um 26 Basispunkte auf 83 Basispunkte hochgeschnellt.
Oracle muss also mehr Zinsen zahlen, um Anleger davon zu überzeugen, seine Unternehmensanleihen zu kaufen und damit seine Schulden zu finanzieren. Für ein als solide geltendes Unternehmen der Güteklasse "Investment Grade" ist das eine deutliche Verschlechterung der Kreditwahrnehmung.
Laut einer Analyse von Morgan Stanley dürfte Oracles Nettoverschuldung in den kommenden Jahren von derzeit rund 100 Milliarden auf etwa 290 Milliarden US-Dollar anwachsen – fast eine Verdreifachung. Grund sind massive Investitionen in Cloud- und KI-Infrastruktur, darunter neue Datenzentren in Texas und Wisconsin. Allein für die Finanzierung dieser Projekte plant Oracle eine Anleiheemission im Volumen von 38 Milliarden US-Dollar, die größte ihrer Art im Bereich künstlicher Intelligenz.
Skepsis kommt auch von prominenten Kritikern wie Michael Burry, bekannt durch den Film The Big Short über die Zeit, als er mit seinen Wetten gegen den US-Immobilienmarkt Milliarden machte. Er wirft Technologiekonzernen wie Oracle, Meta und Microsoft vor, durch zu lange Abschreibungsfristen für Server und Chips ihre Gewinne künstlich aufzublähen. Dies sei "eine der häufigsten Betrugsmethoden der Moderne", erklärte Burry am Montag auf X. Laut Burry könnten Oracles ausgewiesene Gewinne bis 2028 um rund 27 Prozent zu hoch erscheinen.
Das wäre zwar kein unmittelbares Ausfallrisiko, aber ein Vertrauensthema: Wenn Investoren beginnen, an der Qualität der Gewinne zu zweifeln, steigen Risikoaufschläge oft weiter – unabhängig davon, ob tatsächlich eine Krise droht.
Noch ist Oracle weit davon entfernt, in ernste Zahlungsschwierigkeiten zu geraten. Das Unternehmen erwirtschaftet stabile Cashflows, die Ratingagenturen stufen die Anleihen weiterhin als Investment Grade ein. Doch die Entwicklung zeigt, dass die KI-Euphorie eine Kehrseite hat: massive Verschuldung, steigende Finanzierungskosten und wachsende Skepsis am Bondmarkt.
Für Kleinanleger bedeutet das: Wer auf Oracles KI-Zukunft setzt, sollte sich bewusst sein, dass nicht nur die Kursentwicklung, sondern auch die Anleihen nicht außer Acht gelassen werden sollten. Die wahren Risiken von Oracle könnten sich zuerst beim deutlich sensibleren Kreditmarkt zeigen, bevor sie dann – wenn es unter Umständen schon zu spät ist – auch beim Aktienkurs sichtbar werden.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


