Widerstand wächst
US-Zollhammer prallt ab: Schwellenländer schlagen zurück
Die US-Zollpolitik sollte China und andere Schwellenländer treffen, prallt jedoch von ihnen ab. Dank neuer Handelspartner, stabiler Haushalte und regionaler Allianzen verlieren die Zölle an Schrecken
- US-Zölle treffen Schwellenländer kaum, viele resilient.
- China diversifiziert Exporte, stärkt wirtschaftliche Basis.
- Schwellenländer balancieren zwischen USA und China.
- Report: Renditeturbo 2026 –
US-Präsident Donald Trump wollte die Welt mit Strafzöllen in die Schranken weisen. Seine Botschaft: Wer vom Zugang zum US-Markt profitiert, soll dafür zahlen – oder leiden. Doch die Realität sieht anders aus. Denn haben die meisten großen Schwellenländer heute genügend wirtschaftliche Widerstandskraft, um amerikanische Zölle ohne größere Blessuren zu überstehen.
Von 20 der wichtigsten Emerging Markets – von China über Brasilien bis Indien – geraten nur wenige Länder durch die US-Zölle wirklich in die Bredouille, wie aus einer Untersuchung der Risikoanalysefirma Verisk Maplecroft hervorgeht. Besonders auffällig ist die Robustheit Chinas, obwohl das Land im Zentrum von Trumps handelspolitischen Angriffen steht.
"China ist so tief in die globale Lieferkette eingebettet, dass es praktisch unmöglich ist, es zu ersetzen", sagt Studienautorin Reema Bhattacharya. Peking habe seine Exportbasis stark diversifiziert und investiere seit Jahren gezielt in Humankapital und technologische Unabhängigkeit.
Zudem arbeitet China an einer geopolitischen Absicherung: Immer mehr Handelsgeschäfte werden in Renminbi statt in US-Dollar abgewickelt. Länder wie Brasilien, Argentinien und Chile haben bereits lokale Währungsabkommen mit der chinesischen Zentralbank geschlossen. Gleichzeitig sichern sich chinesische Staatskonzerne Zugriff auf strategische Rohstoffe – etwa Lithium und Kupfer in Südamerika.
Auch andere Schwellenländer reagieren strategisch auf Trumps Zölle. Brasilien und Südafrika bauen ihre Handelsbeziehungen zu neuen Partnern aus – sowohl innerhalb der BRICS-Staaten als auch mit Asien und dem Nahen Osten. Damit verringern sie ihre Abhängigkeit von den USA und China.
Mexiko und Vietnam, zwei der am stärksten vom US-Handel abhängigen Länder, gelten zwar als verwundbarer, profitieren aber von soliden Wirtschaftspolitiken, wachsender Industriekompetenz und stabilen Institutionen. Gerade Vietnam hat sich als Produktionsalternative zu China etabliert und zieht Investitionen aus dem Westen an – eine direkte Folge des Handelskonflikts, die das Land paradoxerweise stärker statt schwächer macht.
Viele Schwellenländer haben in den vergangenen Jahren gelernt, zwischen den Machtblöcken zu balancieren. Sie setzen weiter auf einen Handel mit den USA, sind aber nicht dazu bereit, sich in Abhängigkeiten zu begeben. Sie hatten seit der ersten Trump-Präsidentschaft Zeit, Alternativen zu entwickeln und diese zu pflegen. Das hat dazu geführt, dass die Wirkung der US-Zölle mehr oder weniger verpufft ist.
Der Trend geht klar zur Multipolarität: neue Märkte, neue Lieferketten und sogar neue Währungen. "Fast jedes Land versteht, dass man mit den USA und China Geschäfte machen muss, aber man darf sich nicht auf eines von beiden zu sehr verlassen", sagt Bhattacharya.
Trumps Zollhammer trifft kaum noch ins Ziel. Während der Präsident versucht, die globale Produktionsordnung zu seinen Gunsten zu verschieben, haben viele Schwellenländer längst neue Möglichkeiten gefunden, ihre Wirtschaft abzusichern.
Der Versuch, über Zölle politischen Druck auszuüben, stößt damit an Grenzen – denn die Weltwirtschaft ist heute vernetzter, flexibler und selbstbewusster als zu Zeiten des ersten Handelskriegs.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


