Alle Augen auf ein Datum
Das wird laut Optionsmarkt der riskanteste Tag des restlichen Jahres
Optionshändler erwarten für den 10. Dezember die stärkste Tagesbewegung des Jahres. US-Inflationsdaten am Morgen, Fed-Entscheidung am Nachmittag – ein Doppeltrigger, der die Märkte kräftig durchrütteln könnte.
- Optionshändler erwarten am 10. Dezember hohe Volatilität.
- US-Inflationsdaten und Fed-Entscheidung als Doppeltrigger.
- Unsicherheit über Arbeitsmarktdaten beeinflusst Zinspolitik.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Optionshändler richten ihren Blick auf den 10. Dezember, der für sie zum wichtigsten Markttag vor Jahresende werden könnte. Der Grund ist eine seltene Doppelbelastung: Am Morgen US-Zeit veröffentlicht das US-Statistikamt den Verbraucherpreisindex (CPI) für November, am Nachmittag US-Zeit entscheidet die Federal Reserve über eine mögliche weitere Zinssenkung. Diese Kombination aus frischen Inflationsdaten und geldpolitischem Signal erzeugt laut BNP Paribas die höchste erwartete Tagesbewegung des gesamten restlichen Jahres.
Die Preisbildung am Optionsmarkt zeigt, wie groß die Nervosität ist. Händler zahlen für S&P-500-Optionen, die genau an diesem Tag auslaufen, so hohe Aufschläge, dass sie eine Schwankung von 1,3 Prozent erwarten. Diese sogenannte implizite Volatilität beschreibt nicht, was garantiert passiert, sondern wie stark die Profis Bewegungen einkalkulieren, um sich abzusichern.
Der Hintergrund: Durch den längsten Regierungsstillstand der US-Geschichte fehlen den Märkten seit Monaten zentrale Arbeitsmarktdaten. BNP Paribas rechnet damit, dass die verzögerten Berichte für September und Oktober nun innerhalb weniger Tage erscheinen könnten. Doch auch wenn einige Zahlen nachgeliefert werden, bleibt unklar, ob die Fed vor ihrer Sitzung überhaupt einen vollständigen Arbeitsmarktbericht erhält. Selbst die Citigroup hält eine nur "geringe Verzögerung" für möglich – aber keinen verlässlichen Datenfluss.
Diese Unsicherheit schlägt sich in den Erwartungen für die Zinspolitik nieder. Nachdem zuletzt mehrere hochrangige Fed-Vertreter eine baldige Lockerung infrage stellten, ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Dezember laut CME-Daten wieder auf rund 50 Prozent gefallen. Beth Hammack, Präsidentin der Fed von Cleveland, betonte in einem Interview, wie zentral der Kampf gegen die Teuerung bleibe: Für die Glaubwürdigkeit der Notenbank sei es entscheidend, "die Inflation wieder auf das Ziel der Fed von 2 Prozent zurückzuführen", zitiert MarketWatch.
Aktuell liegt die Inflation laut dem NowCast-Modell der Cleveland-Fed wie auch laut den zuletzt veröffentlichten offiziellen Zahlen für September bei rund 3 Prozent. Der für Oktober erwartete CPI-Bericht ist ebenfalls verspätet – eine Folge des gerade erst beendeten Shutdowns. Damit verdichtet sich alles auf diesen einen Tag im Dezember, an dem frische Inflationsdaten und der Fed-Beschluss unmittelbar hintereinander über die Richtung der Märkte entscheiden könnten.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

