EU-Druck auf SAP
Die Aktie bricht ein: Droht Europas Software-Gigant ein Milliardenproblem?
SAP will mit weitreichenden Zugeständnissen eine EU-Kartellstrafe verhindern. Brüssel testet nun den Markt – und die Konkurrenz wartet gespannt.
- SAP bietet Zugeständnisse zur Vermeidung von Strafe.
- EU-Kommission prüft Vorschläge und Marktteilnehmer.
- Politische Dimension: Fokus auf europäische Tech-Giganten.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
SAP hat der Europäischen Kommission umfangreiche Zugeständnisse vorgelegt, um das laufende Kartellverfahren zu entschärfen. Der Softwarekonzern will Kunden künftig den Wechsel zu konkurrierenden Anbietern erleichtern, die Grundlagen seiner Gebühren transparenter gestalten und seine Wiederaufnahmegebühr vollständig streichen. Trotz dieser Offensive rutschte die Aktie des DAX-Konzerns auf Xetra um 4,54 Prozent ab (Stand 14:15 Uhr).
Die EU-Kommission bestätigte, dass sie die Vorschläge erhalten hat und nun Stellungnahmen von Marktteilnehmern einholt. Die Maßnahmen folgen auf eine bereits im Herbst durchgeführte informelle Marktsonde.
Politisch brisant: Brüssel zeigt, dass auch europäische Tech-Giganten im Fokus stehen
Das Verfahren trägt eine politische Dimension. Brüssel will demonstrieren, dass die Wettbewerbsaufsicht nicht nur amerikanische Technologiekonzerne wie Alphabet, Apple oder Meta ins Visier nimmt, sondern auch europäische Marktführer. Personen mit direkter Kenntnis des Falls halten es für wahrscheinlich, dass die finale Version der SAP-Zusagen angenommen wird – unter Umständen mit kleineren Anpassungen.
Der Vorwurf: SAP soll Kunden am Anbieterwechsel gehindert haben
Die EU warf SAP vor, Wettbewerber im Markt für Wartungs- und Supportdienste zu behindern. Konkret geht es um Hürden beim Anbieterwechsel, die Verpflichtung, Supportdienste auch für ungenutzte Lizenzen aufrechtzuerhalten, sowie um Wiederaufnahme- und Nachwartungsgebühren für Kunden, die nach Unterbrechungen zurückkehren wollen.
Finanzielle Auswirkungen? SAP bleibt gelassen
Der Konzern geht weiterhin nicht von negativen finanziellen Folgen aus. In einer Stellungnahme heißt es:
"Wir halten uns an das von der Europäischen Kommission festgelegte Verfahren und den Zeitplan. Wir gehen nicht davon aus, dass das Verfahren wesentliche Auswirkungen auf unsere Finanzergebnisse haben wird."
Dennoch steht viel auf dem Spiel: Sollte die EU-Kommission zu dem Schluss kommen, dass SAP gegen das Kartellrecht verstoßen hat, könnten theoretisch Strafen von bis zu zehn Prozent des globalen Jahresumsatzes fällig werden. Die jetzt vorgelegten Zusagen sollen genau das verhindern.
Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion
Die SAP Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -3,73 % und einem Kurs von 209,1EUR auf Tradegate (14. November 2025, 15:12 Uhr) gehandelt.
