Wall Street
Crash & Zinssenkung: Der Markt zweifelt derzeit an allem
Ist das schon die Korrektur? Sind das Vorboten eines größeren Crahs an der Wall Street? Die Fragezeichen werden größer: Kann die Fed dann überhaupt die Zinsen senken?
- Wall Street unter Druck, Tech-Werte fallen stark.
- Fed-Zinsentscheidung unsicher, Zweifel an Lockerungen.
- KI-Markt verliert Schwung, Bitcoin-Gewinne schmelzen.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Nichts ist sicher und selbst dieses nicht. Was der niederländische Schriftsteller Multatuli vor rund 150 Jahren formulierte, könnte heute, oder zumindest in dieser Woche, der Leitspruch an der Börse sein.
Denn eine erneute Verkaufswelle an der Wall Street traf die Tech-Werte und zog Aktien und Kryptowährungen in dieser Handelwoche spürbar nach unten: Auch, weil der Zweifel sich mehrt, ob die Federal Reserve (Fed) im Dezember überhaupt in der Lage sein wird, den US-Leitzins zu senken.
Die Erleichterung über das Ende des längsten Government Shutdowns in der US-Geschichte wich schnell der Ernüchterung in Form von neuer Volatilität.
Mehrere Fed-Vertreter sähten Zweifel auf weitere Lockerungen der Geldpolitik. Auch die Händler fuhren ihre Wetten auf eine baldige Zinssekung deutlich zurück.
Zudem scheint das Momentum des KI-Trades, der das ganze Jahr bis jetzt für reichlich Rückenwind und Höhenflüge sorgte, die Puste auszugehen. Der Markt zweifelt derzeit an allem.
Auch der Kryptomarkt ist gekennzeichnet von Gewinnmitnahmen, das Jahresplus für Bitcoin schmilzt immer weiter. Eine Jahresend-Rallye sieht anders aus.
Problem: Investoren und Entscheidungsträger sind im Blindflug, weil der US-Government-Shutdown sie von wichtigen Wirtschaftsdaten abgeschnitten hat.
"Aktien steigen nicht in einer geraden Linie, und eine Korrektur war längst überfällig", meint Rick Gardner von RGA Investments gegenüber Bloomberg. "Auch wenn der Government Shutdown vorbei ist, gibt es weiterhin einen Ausfall wichtiger Wirtschaftsberichte, und es wird noch etwas dauern, bis das aufgearbeitet ist – das ist einer der Gründe, warum Aktien gerade nachgeben und versuchen, einen Boden zu finden."
Trotz des Mangels an Wirtschaftsdaten glaubt Gardner weiterhin, dass die Fed im Dezember die Zinsen senken wird. Er rechnet jedoch in den kommenden Monaten mit "Unruhe am Markt", weil die Wiederaufnahme der Wirtschaftsberichte zusätzliche Instabilität verursachen könnte.
Cool und grundsätzlich bullish bleibt Dan Ives von Wedbush. Er sieht in Künstlicher Intelligenz einen "mehrjährigen Investitionssuperzyklus".
Ives geht davon aus, dass der Bullenmarkt im Technologiesektor noch mindestens zwei Jahre andauern wird, unterstützt durch hohe Ausgaben in Infrastruktur und der Chipnachfrage auf den globalen Märkten.
Autor: Krischan Orth, wallstreetONLINE Redaktion

