Bye-bye, Wall Street
Die fette Rendite wird nicht mehr aus den USA kommen, warnt Goldman Sachs
Nach einem Jahrzehnt Tech-Rausch schaltet die Wall Street runter. Laut Goldman Sachs laufen die großen Gewinne künftig in Asien und den Schwellenländern ein.
- Wall Street erwartet Durststrecke für US-Aktien.
- Schwellenländer und Asien bieten höhere Renditen.
- KI könnte Gewinnwachstum, aber keine Rekorde bringen.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Goldman Sachs sieht für US-Aktien eine lange Durststrecke. Nach Einschätzung von Chefstratege Peter Oppenheimer, der die Underperformance der Wall Street bereits in diesem Jahr richtig prognostizierte, dürften die kommenden zehn Jahre vor allem Anleger außerhalb der USA begünstigen. "Diversifizieren Sie über die USA hinaus, mit einer Tendenz zu Schwellenländern", rät Oppenheimer. Die Goldman-Strategen erwarten für den S&P 500 eine jährliche Rendite von nur 6,5 Prozent – die niedrigste aller Regionen. Schwellenländer sollen mit 10,9 Prozent pro Jahr am stärksten abschneiden, gefolgt von Asien ohne Japan mit 10,3 Prozent, Japan mit 8,2 Prozent und Europa mit 7,1 Prozent.
Nach einem Jahrzehnt extremer Outperformance, getragen von Big Tech und KI-Hype, hat der S&P 500 im laufenden Jahr jedoch gegenüber vielen internationalen Märkten an Tempo verloren. Während US-Aktien laut Goldman Sachs in den vergangenen Monaten hinter globalen Benchmarks zurückblieben, bleibt der Bewertungsaufschlag hoch: Der US-Leitindex wird mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23 gehandelt – nahe den Spitzenwerten nach der Pandemie und kurz vor der Dotcom-Blase. "Viele der Faktoren, die die Unternehmensrentabilität in den letzten Jahrzehnten begünstigt haben, werden die Gewinne in Zukunft wahrscheinlich nicht in gleichem Maße steigern", warnt das Team.
Für das nächste Jahr rechnet Goldman dennoch mit einer moderaten Erholung: Der S&P 500 soll bis Ende 2026 auf 7.600 Punkte steigen, ein Plus von 11 Prozent. Langfristig kalkuliert die Bank mit einem Gewinnwachstum pro Aktie von 6 Prozent, einem leichten Bewertungsrückgang von 1 Prozent und einer Dividendenrendite von 1,4 Prozent. Das entspreche dem unteren Viertel historischer Renditen seit 1990. Die Nettogewinnmarge des Index liegt derzeit bei rekordhohen 13 Prozent – ein Wert, der nach Ansicht der Strategen kaum zu halten ist, da Zinsen, Steuern und Globalisierung ihre einstige Stützwirkung verlieren.
Als größte Unbekannte sehen Oppenheimer und sein Team die extreme Konzentration des US-Markts: Nur wenige "Superstar"-Aktien tragen den Großteil der Gewinne. Sollten deren Margen oder Bewertungen nachlassen, dürfte auch der Gesamtmarkt leiden – es sei denn, eine neue Generation von KI-getriebenen Wachstumsunternehmen übernimmt die Rolle der aktuellen Giganten.
Die KI bleibt laut Goldman Sachs der entscheidende Joker: Sollte sie das Wirtschaftswachstum stärker ankurbeln als erwartet oder Unternehmensmargen deutlich verbessern, könnte das Gewinnwachstum des S&P 500 auf 9 Prozent steigen. Dennoch mahnt Oppenheimer zur Vorsicht: "Ohne einen dramatischen Anstieg der Zinsen und/oder einen starken Rückgang der Unternehmensrentabilität halten wir es für wahrscheinlich, dass die Bewertungen von US-Aktien über dem langfristigen Durchschnitt bleiben werden." Für Anleger bedeutet das: Selbst wenn KI für neue Wachstumsimpulse sorgt, erwartet Goldman Sachs in den kommenden Jahren vor allem stabile, aber keine außergewöhnlich hohen Aktienrenditen.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

