Portfolio-Schock aus Omaha
Mit diesem Tech-Paukenschlag verlässt Warren Buffett die Wall-Street-Bühne
Der 13F-Bericht zeigt eine der größten neuen Positionen des Quartals: Alphabet. Ein Move, den Altmeister Warren Buffett lange vermieden hatte – und die jetzt umso mehr für Aufsehen sorgt.
- Berkshire kauft überraschend Alphabet-A-Aktien.
- Apple-Position um 15% auf 65 Mrd. USD reduziert.
- Führungswechsel zu Greg Abel prägt neue Strategie.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Berkshire Hathaway hat im dritten Quartal eines der weitreichendsten Rebalancings der vergangenen Jahre vorgenommen. Die neuen 13F-Unterlagen zeigen erhebliche Umschichtungen im Aktienportfolio des von Warren Buffett geführten Mischkonzerns – mit klaren Gewinnern und deutlichen Abbaukandidaten.
Auffälligster Schritt ist, wie bereits erwartet, der massive Abbau zweier Kernbeteiligungen. Berkshire reduzierte seine Apple-Position um nahezu 15 Prozent, was einem Wert von rund 10,6 Milliarden US-Dollar entspricht. Seit Beginn der Verkaufsserie vor zwei Jahren ist der Bestand damit um insgesamt 74 Prozent geschrumpft. Apple bleibt mit knapp 65 Milliarden US-Dollar jedoch weiterhin die größte Einzelposition im Portfolio. Auch bei der Bank of America zog Berkshire erneut Kapital ab: Die Beteiligung wurde um 6,1 Prozent beziehungsweise etwa 1,9 Milliarden US-Dollar reduziert. Mit einem Marktwert von knapp 30 Milliarden US-Dollar bleibt die Aktie die drittgrößte Position des Hauses.
Parallel dazu tätigte Berkshire im dritten Quartal überraschend einen großen Zukauf: Die 13F-Meldung weist einen neuen Bestand von mehr als 17,8 Millionen Alphabet-A-Aktien aus. Zum Stichtag lag der Wert bei rund fünf Milliarden US-Dollar und war damit die mit Abstand größte neue Position. Die Entscheidung überrascht, weil Buffett und sein früherer Partner Charlie Munger den verpassten Google-Einstieg jahrelang öffentlich bedauerten. Auf der Hauptversammlung 2019 sagten beide: Sie hätten „es vermasselt“, obwohl sie „in unserem eigenen Betrieb sehen konnten, wie gut die Google-Werbung funktionierte.“ Wer die aktuelle Kaufentscheidung traf – Buffett selbst, Greg Abel oder die Portfoliomanager Todd Combs und Ted Weschler – ist vorerst offen.
Neben Alphabet taucht noch ein weiterer nennenswerter Neuzugang auf: Die Beteiligung am Versicherer Chubb wurde um rund 1,2 Milliarden US-Dollar ausgeweitet. Kleinere Anpassungen gab es zudem bei früher kommunizierten Verisign-Verkäufen.
Die neue 13F-Struktur unterstreicht, dass Berkshire seine starken Cashbestände nutzt, um ausgewählte Chancen wahrzunehmen, während frühere Mega-Positionen weiter verkleinert werden. Für Anleger ist besonders der Alphabet-Einstieg bemerkenswert: Der Wert gehörte mit seinem starken Kursanstieg zu den Highflyern des Jahres – ein Umfeld, in dem Buffett nach eigener Tradition selten kauft.
Mit dem anstehenden Führungswechsel zu Greg Abel beginnt für Berkshires Portfolio eine neue Phase. Die Alphabet-Position fällt exakt in den Übergang, in dem Buffett operative Verantwortung abgibt und die Struktur des Investmentteams dauerhaft greift. Künftige Allokationsentscheidungen werden damit weniger an einer Einzelperson hängen, sondern stärker dem dauerhaften Team um Abel, Weschler und Combs zugeordnet sein – ein Bruch mit der jahrzehntelangen Ära, in der Buffett selbst den Ton bestimmte.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

