Ernte ohne Käufer
Sojabohnen: China kauft fast nichts mehr – Amerikas Farmer stehen im Regen
Chinas Einkäufe von US-Sojabohnen stagnieren, obwohl Washington ein großes Handelsabkommen angekündigt hat. Analysten sehen mehr Diplomatie als Deal.
- Chinas Sojabohnenkäufe stagnieren trotz Handelsabkommen.
- Rekordhohe Lagerbestände drücken US-Sojabohnenpreise.
- Diplomatische Gesten ohne konkrete Kaufzusagen.
- Report: Renditeturbo 2026 –
China drosselt den Kauf von US-Sojabohnen so stark wie seit Jahren nicht mehr, weil die Lagerbestände im Land auf Rekordhöhe gestiegen sind. Das schwächt die Darstellung von US-Präsident Donald Trump, ein neues Handelsabkommen habe eine Welle chinesischer Käufe ausgelöst. Laut einem Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums hat China seit dem Gipfeltreffen zwischen Trump und Xi Jinping nur zweimal amerikanische Sojabohnen geordert – insgesamt 332.000 Tonnen. Das liegt weit unter den 12 Millionen Tonnen, die das Weiße Haus bis Jahresende angekündigt hatte.
China, der weltweit größte Sojabohnenverbraucher, hatte zuvor monatelang aggressiv Vorräte aufgebaut. Die chinesischen Häfen meldeten Anfang November Lagerbestände von 10,3 Millionen Tonnen, ein Mehrjahreshoch. Auch die Verarbeiter ("Crushers") hielten mit 7,5 Millionen Tonnen den höchsten Stand seit 2017. Möglich wurde dies durch fünf Monate rekordhoher Ankünfte aus dem Ausland. Allein zwischen Januar und Oktober stiegen die Gesamtimporte auf 95,7 Millionen Tonnen – ein Plus von mehr als sechs Prozent. Brasilien lieferte fast 80 Prozent davon und übertraf mit günstigen Preisen die Wettbewerbsfähigkeit der US-Ware deutlich. "Dass China einige Ladungen US-Sojabohnen kauft, wird für Brasilien keine große Bedeutung haben", sagte ING-Analyst Chris Turner, da brasilianische Bohnen selbst nach gesenkten US-Zöllen billiger bleiben.
Analysten sehen in Pekings Zurückhaltung weniger technische Gründe als politischen Spielraum. "Die Versprechen Pekings an amerikanische Präsidenten hatten in der Vergangenheit immer nur eine kurze Gültigkeitsdauer, und Xis Versprechen an Trump bezüglich des Kaufs von Sojabohnen werden wahrscheinlich genauso sein", sagte Michael Sobolik vom Hudson Institute. China könne mit verzögerten Käufen "die Trump-Regierung zu langwierigen Verhandlungen verleiten". Auch Sabrin Chowdbury von BMI erwartet, dass Peking seine Importmengen "je nach geopolitischer Lage variieren" wird.
Während Washington von jährlichen Käufen über 25 Millionen Tonnen spricht, hat China diese Zusagen nie öffentlich bestätigt. Weder staatliche Einkäufer wie COFCO noch Sinograin zeigen bislang Aktivitäten, die auf ein groß angelegtes Kaufprogramm hindeuten. "Bislang sehen wir kaum Anzeichen dafür, während die Uhr weiter tickt", zitiert CNBC StoneX-Chefökonom Arlan Suderman.
Preisvorteile bleiben der zentrale Faktor. US-Sojabohnen werden weiterhin mit 13 Prozent verzollt, brasilianische nur mit drei Prozent. Preisvergleiche zeigen laut RFD-TV, dass brasilianische Lieferungen pro Tonne 60 bis 70 US-Dollar günstiger sind als US-Ware. Gleichzeitig belasten volle Lager, niedrige Margen der Ölpresser und eine schwache Nachfrage nach Futtermitteln den Markt.
Auch diplomatische Gesten ändern daran bislang wenig. Zwar trafen sich chinesische Handelsvertreter zuletzt mit US-Agrarverbänden und sprachen von "kooperativem Handel", doch konkrete Kaufzusagen blieben aus. Während China symbolisch einige US-Ladungen bestellte, unterzeichnete es gleichzeitig ein 20-Millionen-Tonnen-Abkommen mit Brasilien.
Für US-Landwirte, deren wichtigster Exportmarkt China bleibt, zeichnet sich damit ein schwieriger Winter ab. Trumps Vorwurf eines "wirtschaftlich feindseligen" Akts erhält durch die Faktenlage neue Nahrung – und Pekings prall gefüllte Lager erzählen eine deutlich andere Geschichte als die politische Rhetorik.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

