Explosion der Preise
Hightech in Gefahr: Der Welt gehen die Seltenen Erden aus!
Chinas Exportkontrollen lassen Yttrium-Preise explodieren. Industrievertreter warnen: Jetmotoren und Halbleiterproduktion stehen vor Engpässen.
- Chinas Exportkontrollen drücken Yttrium-Preise stark.
- Engpässe in Jetmotoren und Halbleiterproduktion drohen.
- Industrie sucht dringend nach alternativen Quellen.
- Report: Platzt die Alles‑Blase?
Die weltweiten Vorräte an Yttrium geraten unter Druck. Grund sind Exportbeschränkungen aus China, dem größten Produzenten des Elements. Die Einschränkungen betreffen auch sechs weitere Seltene Erden und wurden im April als Reaktion auf US-Zölle eingeführt.
Obwohl ein Spitzentreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping Hoffnungen auf eine stabilere Versorgung weckte, sind die Kontrollen bislang nicht vollständig aufgehoben. "Chinas Exportkontrollen haben zweifellos eine Jagd nach Yttrium ausgelöst, die mehrere Monate andauert", sagte Ellie Saklatvla, Analystin bei Argus.
Preise explodieren, Lieferketten leiden
In Europa stieg der Preis für Yttriumoxid, das unter anderem für Hitzeschilde in Flugzeugtriebwerken genutzt wird, seit Januar um 4.400 Prozent auf 270 US-Dollar pro Kilogramm. In China liegt der Preis derzeit bei etwa 7 US-Dollar pro Kilogramm, 16 Prozent höher als zu Jahresbeginn, jedoch rückläufig.
Dak Hardwick, Vizepräsident für internationale Angelegenheiten bei der US-Handelsgruppe Aerospace Industries Association, warnte:
"Derzeit hängt unsere Lieferkette stark von Importen aus China ab – eine Abhängigkeit, die zu steigenden Kosten angesichts wachsender Engpässe beiträgt."
Auch die Halbleiterindustrie spürt den Druck. Richard Thurston, CEO von Great Lakes Semiconductor, erklärte: "Engpässe werden zunehmend zu einem echten Flaschenhals." Yttrium wird dort als Schutzbeschichtung und Isolator eingesetzt. Produktionsverzögerungen und steigende Kosten seien die Folgen, obwohl sofortige Stillstände unwahrscheinlich seien.
Industrie sucht Alternativen
Yttrium-Beschichtungen schützen nicht nur Triebwerke und Halbleiter, sondern auch Turbinenschaufeln in Gaskraftwerken vor extremen Temperaturen. Während Mitsubishi Heavy derzeit jedoch keine Probleme bei Gasturbinen meldet, setzt Siemens Energy auf Diversifizierung. CEO Christian Bruch betonte:
"Bislang haben wir keine direkten Auswirkungen auf unsere Lieferketten gesehen. Wir beobachten die Lage mit Sorge, aber sie ist momentan noch beherrschbar."
Die US-Industrie ist stark von China abhängig: 93 Prozent des importierten Yttriums stammen direkt von dort, der Rest wird aus in China verarbeitetem Material gewonnen. ReElement Technologies aus Indiana plant jedoch, ab Dezember Yttriumoxid mit einer Kapazität von 200 Tonnen pro Jahr zu produzieren, bevor die Produktion bis März auf 400 Tonnen steigen soll, sagte CEO Ryan Jensen.
Globale Vorräte knapp
Die Exporte in den Rest der Welt sind im gleichen Zeitraum um etwa 30 Prozent gesunken. Lieferungen in die USA gelten jedoch als unwahrscheinlich, weil Unternehmen fürchten, dass China als Vergeltung auch ihre eigenen Ausfuhren blockieren könnte, sagte ein Yttrium-Händler. Der Yttrium-Markt bleibt schwer durchschaubar. Angaben zu Lagerbeständen außerhalb Chinas reichen laut sechs Branchenquellen von 1 bis 12 Monaten Verbrauch und dürften je nach Unternehmen stark schwanken.
Mark Burns, Präsident von Gulfstream Aerospace, sagte jedoch: "Ich habe die Diskussion gehört, aber nur am Rande. Nichts, was derzeit unsere Lieferungen beeinträchtigt."
Die Weltindustrie steht dennoch vor einer Bewährungsprobe: Yttrium wird in Triebwerken, Halbleitern und Gasturbinen eingesetzt – ohne schnelle Alternativen könnten die Kosten weiter steigen und Produktionsketten ernsthaft gefährdet werden.
Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

