Tech-Ikone verkauft
Großinvestoren stoßen Nvidia kurz vor den Zahlen ab: Anfang vom Ende?
Erst SoftBank, nun Peter Thiel – und Michael Burry wettet sogar auf fallende Kurse. Mehrere der einflussreichsten Investoren der Welt trennen sich von Nvidia-Aktien. Hat die Euphorie ihren Höhepunkt überschritten?
- SoftBank und Thiel verkaufen Nvidia-Anteile massiv.
- Michael Burry setzt auf fallende Kurse mit Optionen.
- Kritische Stimmen warnen vor überzogenen Erwartungen.
- Report: Renditeturbo 2026 –
Die Serie prominenter Nvidia-Verkäufer reißt nicht ab. Nachdem Japans SoftBank vor ein paar Tagen den Verkauf der gesamten Nvidia-Beteiligung im Wert von 5,8 Milliarden US-Dollar bekannt gegeben hat, folgte nun Peter Thiel. Sein Hedgefonds Thiel Macro hat sich im dritten Quartal ebenfalls von allen seinen Anteilen an dem KI-Superstar getrennt und 537.742 Nvidia-Aktien aus dem Portfolio geworfen – ein Paket, das zum Stichtag rund 100 Millionen US-Dollar wert war und zuvor etwa 40 Prozent des gesamten Fonds ausmachte.
Für viele Marktteilnehmer ist das ein bemerkenswerter Schritt, weil Thiel als einer der am besten vernetzten Tech-Investoren gilt und Nvidia trotz aller Schwankungen als Herzstück des globalen KI-Booms gehandelt wird. Thiel war einer der Gründer von PayPal und einer der ersten Facebook-Investoren. Im Jahr 2003 gründete er unter anderem mit Alex Karp Palantir.
Thiel ist nicht allein. Michael Burry, bekannt aus "The Big Short", hat Verkaufs-Optionen auf Nvidia gekauft und setzt damit klar auf fallende Kurse. SoftBank-Chef Masayoshi Son wiederum erklärte, den Verkauf genutzt zu haben, um andere KI-Investments zu finanzieren – doch auch hier bleibt die Frage, ob die Bewertung schlicht zu hoch erschien. Dass Nvidia nach seiner historischen Rallye bis über 5 Billionen Dollar Marktwert nur noch rund zwei Prozent seit Ende September hinzugewann, unterstreicht die zunehmende Nervosität.
Insgesamt zeigen die Quartals-Meldungen von 909 Hedgefonds ein überraschend gespaltenes Bild: 161 Fonds haben ihre Nvidia-Positionen aufgestockt, 160 haben reduziert, zeigen Bloomberg-Daten. Das ist ungewöhnlich für ein Unternehmen, das bislang als unangefochtene KI-Dominanz galt. Gleichzeitig bleibt die operative Entwicklung beeindruckend. Analysten erwarten für das dritte Quartal Umsatz von rund 55 Milliarden US-Dollar. Oppenheimer hat erst vor wenigen Tagen das Kursziel für den KI-Riesen noch einmal aufgestockt.
Gleichzeitig mehren sich kritische Stimmen. Thiel warnte schon früher vor einem KI-Hype, der der realen wirtschaftlichen Entwicklung Jahre voraus sein könnte. Burry wiederum weist darauf hin, dass große Cloud-Konzerne ihre Abschreibungszyklen verlängern und damit kurzfristig künstlich höhere Gewinne ausweisen – ein Hinweis auf potenziell überzogene Erwartungen. Auch der Umstand, dass Tech-Schwergewichte wie Microsoft und Apple zu Thiels neuen Kernpositionen gehören, zeigt, wohin sich ein Teil des Smart Money bewegt: weg von reinen KI-Wetten, hin zu diversifizierten Plattformunternehmen.
Für Privatanleger stellt sich so kurz vor den Quartalszahlen die Frage, ob diese Verkäufe ein Signal sind, rechtzeitig Gewinne zu sichern und ebenfalls auszusteigen. Ein unmittelbarer Crash ist nicht abzuleiten, denn viele Großinvestoren bleiben Nvidia grundsätzlich positiv gegenüber. Aber die Breite und Prominenz der Verkäufe zeigt: Die Phase bedenkenlosen KI-Optimismus könnte vorbei sein. Thiel und Co. zeigen, dass es ab jetzt mit einem gewissen Risiko verbunden ist, in Nvidia zu investieren.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion
