Wie tief kann es gehen?
Bitcoin crasht unter 90.000 US-Dollar
Bitcoins Abwärtsphase setzt sich fort, getrieben von Liquiditätsengpässen und Makrosorgen, während Experten vor weiteren Rückschlägen warnen.
- Bitcoin fällt unter 90.000 US-Dollar, Talfahrt verstärkt.
- Liquiditätsengpass und Makrosorgen belasten Markt.
- Experten warnen vor weiteren Rückschlägen und Verlusten.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Die jüngste Talfahrt am Kryptomarkt verschärft sich weiter. Bitcoin fällt am Dienstag auf 89.890 US-Dollar und rutscht damit erstmals seit sieben Monaten unter die Marke von 90.000 US-Dollar. Innerhalb der letzten 24 Stunden verliert die größte Kryptowährung 5,8 Prozent, auf Wochensicht summiert sich das Minus auf 14,4 Prozent. Vom Allzeithoch bei 126.200 US-Dollar, ist der Kurs inzwischen fast 29 Prozent entfernt (Stand: 8:30 Uhr MEZ).
Der dramatische Kursrückgang hat die gesamten Jahresgewinne 2025 ausgelöscht und verstärkt die Sorgen vor einem sich vertiefenden Bärenmarkt.
Makro-Schock und Liquidationswelle: Ein zweistufiger Absturz
Branchenexperten beschreiben die Korrektur als eine Abfolge aus makroökonomisch getriebenen Verkäufen und anschließenden Zwangsliquidationen. Laut Alessio Quaglini, CEO des Digital-Asset-Unternehmens Hex Trust, begann die Abwärtsbewegung am 10. Oktober, als wiederaufgeflammte Handelskonflikte zwischen den USA und China einen breiten Risikoabbau an den Märkten auslösten.
"Wir haben nach dem 10/10-Crash einen vollständigen Liquidations-Cascade erlebt, der Milliarden in gehebelten Positionen ausgelöscht hat", sagte Quaglini. Dennoch sei dies "ein Liquiditäts-Reset, kein Vertrauensverlust in den Vermögenswert".
Dünne Liquidität, ETF-Abflüsse und schwindende Hoffnung auf Zinssenkungen
Peter Chung, Forschungschef bei Presto Research, macht vor allem die ausgetrocknete Liquidität seit dem Crash im Oktober verantwortlich. "Selbst kleine Routinetrades können starke Kursschwankungen auslösen", sagte er.
Makroökonomische Gegenwinde verstärken die Belastung. Die Hoffnung auf eine Zinssenkung der US-Notenbank im Dezember schwindet, zuletzt wegen der Auswirkungen des US-Government Shutdowns und der dadurch verzögerten Wirtschaftsdaten. Die Märkte rechnen nach jüngsten Einschätzungen nur noch mit einer rund 57-prozentigen Wahrscheinlichkeit, dass die Fed im Dezember überhaupt keine weitere Lockerung vornimmt.
Besonders stark betroffen sind auch Bitcoin-ETFs. Laut Tim Sun, Senior Researcher beim Digital-Asset-Anbieter HashKey, haben die Produkte nach einem anfänglichen Boom über 100 Milliarden US-Dollar an frischen Mitteln angezogen – doch der Liquiditätsentzug habe die institutionellen Zuflüsse nahezu zum Erliegen gebracht. Inzwischen fließt Kapital in erheblichem Umfang wieder ab. US-Spot-ETFs verzeichneten allein in den vergangenen drei Wochen Nettomittelabflüsse von über 3 Milliarden US-Dollar.
Institutionelle ziehen sich zurück – kurzfristige Trader verstärken Druck
"Der Bruch unter 90.000 US-Dollar ist ein bedeutendes psychologisches Signal und zeigt die Fragilität des Marktes", sagte Rachael Lucas, Analystin bei BTC Markets. Institutionelle Anleger würden Risiko reduzieren und Gewinne realisieren, während Retail-Trader zunehmend nervös agierten.
Vincent Liu, CIO bei Kronos Research, ergänzte: "Bitcoins langfristiger Wert als digitales Gold bleibt intakt, aber kurzfristige Verkäufe von Tradern und Fonds, kombiniert mit einem makroökonomischen Gegenwind, ziehen Liquidität aus dem Markt."
Wie tief kann es gehen?
Quaglini hält einen Rücksetzer in den Bereich der "Low-70Ks" für möglich – sollte der Aktienmarkt ebenfalls weiter nachgeben, sogar kurzzeitig darunter.
Andere Analysten sehen kurzfristig die Zone zwischen 85.000 und 87.000 US-Dollar als wichtigste Unterstützung. Ein Bruch dieser Marke könnte den Weg in Richtung 80.000 US-Dollar freimachen. Unter diesem Niveau liege die nächste kritische Zone bei rund 74.000 US-Dollar.
Ausblick: Alles hängt von der Fed ab?
Mit Blick auf die kommenden Wochen richtet sich der Fokus auf die Entscheidung der Federal Reserve im Dezember. Auch mögliche Steueroptimierungen zum Jahresende könnten zusätzliche Verkaufswellen auslösen.
Sobald sich die makroökonomischen Rahmenbedingungen stabilisieren, könnte der Markt aus Sicht zahlreicher Analysten erneut einen Boden finden – und langfristig sogar neue Höchststände ins Visier nehmen.
Autor: Pascal Grunow, wallstreetONLINE Redaktion

