China Tech
Rekordeinbruch bei Baidu! Kann die KI noch die Wende bringen?
Baidu rutscht in den größten Umsatzsturz seiner Geschichte und verbrennt Milliarden. Trotz neuer KI-Modelle droht der einstige KI-Vorreiter abzurutschen.
- Baidu verzeichnet größten Umsatzrückgang seiner Geschichte.
- Werbemarkt bricht weg, Nutzer wechseln zu Konkurrenten.
- Skepsis zu Ernie 5.0, Marktanteile gehen verloren.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Der chinesische Technologiekonzern Baidu erlebt den schwersten Umsatzrückgang seiner Firmengeschichte. Der Erlös fiel im dritten Quartal um 7 Prozent auf 31,2 Milliarden Yuan (rund 3,79 Milliarden Euro) und lag damit nur knapp über den Erwartungen. Zugleich rutschte das Unternehmen wegen umfangreicher Abschreibungen in einen Nettoverlust von 11,2 Milliarden Yuan (rund 1,35 Millarden Euro).
Werbemarkt bricht weg – Konkurrenz wirbt Nutzer ab
Der drastische Einbruch legt offen, wie stark Baidus Kerngeschäft unter Druck steht. Die Suchanzeigen verlieren stetig Marktanteile, weil Nutzer und Werbebudgets zu Plattformen wie ByteDance und Xiaohongshu wandern. Baidu muss gleichzeitig hohe Investitionen schultern, um im immer dichter besetzten Markt der künstlichen Intelligenz mitzuhalten.
Ernie 5.0 soll Baidu ins KI-Spitzenfeld zurückbringen
Konzernchef Robin Li stellte vergangene Woche das modernisierte KI-Modell Ernie 5.0 vor. Er zeigte Funktionen für Text-, Audio- und Videogenerierung und erklärte, die Fähigkeiten lägen "auf Augenhöhe" mit Modellen wie DeepSeek, Gemini oder GPT-5. Zusätzlich kündigte Baidu den Ausbau des KI-Angebots ins Ausland an, darunter digitale Avatar-Streamer und einen App-Baukasten ohne Code.
Trotz dieser Offensive reagierten die Märkte skeptisch und die Aktie gab in den Folgetagen deutlich nach. Auf Sicht des Jahres liegt sie aber weiterhin rund 35 Prozent im Plus.
In Hong Kong schloss die Aktie mit einem Minus von 1,94 Prozent bei 111,40 HKD (12,35 Euro).
Der Vorsprung geht verloren
Baidu galt einst als aussichtsreichster chinesischer Herausforderer von OpenAI. Doch Rivalen wie ByteDance und Alibaba überholten das Unternehmen. Li hatte ursprünglich auf geschlossene, proprietäre Modelle gesetzt, bevor DeepSeek den Trend zum Open-Source-Modell beschleunigte und Baidu zum Umdenken zwang. Auch im Bereich KI-Video startete das Unternehmen erst spät, nachdem Wettbewerber wie Kuaishou die Monetarisierung bewiesen hatten.
Cloud wächst – doch Chipmangel droht
Ein Lichtblick bleibt das junge Cloudgeschäft. Es wächst schneller als andere Sparten, weil Unternehmen verstärkt KI-Services nachfragen. Allerdings könnte fehlender Zugang zu modernen Nvidia-Beschleunigern die Expansion bremsen. Baidus Chipsparte Kunlun entwickelt deshalb eigene Prozessoren für Training und Inferenz, die in den kommenden zwei Jahren auf den Markt kommen sollen.
Parallel stärkt Baidu seine Robotaxi-Tochter Apollo Go und kündigte Partnerschaften mit Uber und Lyft an. Der Dienst fährt inzwischen mehr als 250.000 Fahrten pro Woche.
Analysten bleiben skeptisch
Bloomberg-Intelligence-Experten Robert Lea und Jasmine Lyu sehen Baidus neue KI-Produkte kritisch. Sie sagen, das Modell Ernie 5.0 sei "nicht ausreichend differenziert", um das schwierige Ergebnisumfeld grundlegend zu verändern. Baidu verliere weiter Marktanteile an besser finanzierte Konkurrenten wie Alibaba, Tencent und ByteDance.
Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion
Die Baidu Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -0,91 % und einem Kurs von 97,70EUR auf Tradegate (18. November 2025, 11:12 Uhr) gehandelt.
