Rekorde überall
Gewinn explodiert, Aktie kollabiert – was Xiaomi-Anleger wirklich nervös macht
Rekorde bei Gewinn, Auslieferungen und Nutzerzahlen: Xiaomi hat ein starkes Quartal präsentiert. Trotzdem bleibt die Aktie schwach. Was ist da los?
- Xiaomi erzielt Rekordgewinne und Nutzerzahlen.
- Aktienkurs bleibt trotz Erfolge unter Druck.
- EV-Sparte wächst, hat aber Produktionsengpässe.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Xiaomi hat im dritten Quartal einen deutlichen Ergebnissprung erzielt und gleichzeitig einen wichtigen Meilenstein in seiner Elektroauto-Sparte erreicht. Der bereinigte Nettogewinn stieg um 80,9 Prozent auf 11,3 Milliarden Yuan (1,3 Milliarden Euro) und lag damit über den Analystenschätzungen. Der Umsatz wuchs um 22,3 Prozent auf 113,1 Milliarden Yuan, blieb jedoch leicht unter den Markterwartungen. Weltweit erreichte das Unternehmen im September 741,7 Millionen aktive Nutzer. Außerdem überschritt Xiaomis AIoT-Plattform erstmals die Marke von einer Milliarde vernetzter Geräte.
Besonders im Fokus stand das Elektroauto-Geschäft: Erstmals meldete Xiaomi hier einen Quartalsgewinn. Die Sparte brachte 700 Millionen Yuan ein, nachdem im Vorquartal noch ein Verlust von 300 Millionen Yuan verbucht worden war. Insgesamt steuerte sie zu einem Nettogewinn von 12,3 Milliarden Yuan bei und übertraf damit klar die durchschnittliche Prognose von 9,62 Milliarden Yuan. Xiaomi lieferte im dritten Quartal 108.796 Fahrzeuge aus – ein Rekord. Für das Gesamtjahr plant das Unternehmen 350.000 Auslieferungen und will ab 2027 auch in Europa verkaufen, um langfristig "eines der fünf weltweit führenden Automobilunternehmen" zu werden.
Trotz der starken Zahlen bleibt der Aktienkurs unter Druck. Seit Mai hat der Wert rund 20 Prozent verloren, da Investoren die Margen im Kerngeschäft skeptisch sehen. Xiaomi konkurriert in China direkt mit Apple, das laut Counterpoint Research zuletzt jeden vierten Smartphone-Verkauf für sich verbuchen konnte. Steigende Speicherchip-Preise und die schwierige Preisweitergabe an Konsumenten belasten zusätzlich. Im Premiumsegment bleibt Xiaomi trotz der Einführung eines 630-Dollar-Modells gegenüber Oppo und Apple im Hintertreffen.
Auch die EV-Sparte kämpft mit Engpässen: Die Nachfrage übersteigt die Produktionskapazitäten, Wartezeiten von bis zu neun Monaten bleiben trotz monatlich über 40.000 ausgelieferten Fahrzeugen bestehen. Unternehmensgründer Lei Jun sagte nach dem Erfolg des SU7, er erwarte "in der zweiten Hälfte dieses Jahres" den operativen Durchbruch. Viele Bestellungen für das erste SUV-Modell nähren diese Zuversicht.
Analysten bleiben dennoch vorsichtig. Sicherheitsbedenken, Produktionsrisiken und eine zunehmende Zahl von Shortseller-Wetten belasten die Stimmung. Die Aktie schloss am Dienstag in Hongkong 2,81 Prozent niedriger, liegt aber seit Jahresbeginn weiterhin über 18 Prozent im Plus. Xiaomi setzt darauf, dass der erfolgreiche Start des EV-Geschäfts und die wachsende AIoT-Plattform langfristig wieder Vertrauen schaffen.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

