Hohe Zinsen
Europas Spitzenreiter: Der Forint klettert über 20 % zum US-Dollar
Der ungarische Forint ist eine der stärksten Währungen in diesem Jahr und hat zum US-Dollar schon mehr als 20 Prozent zugelegt. Die Siegesserie könnte anhalten.
- Ungarischer Forint: 20% Aufwertung zum US-Dollar 2025.
- Hohe Zinsen und schwacher Dollar stützen Forint-Kurs.
- Analysten warnen vor geopolitischen Risiken und Unsicherheiten.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Der ungarische Forint (HUF) hat im Jahr 2025 eine bemerkenswerte Stärke gegenüber dem US-Dollar bewiesen und sich trotz der volatilen globalen Märkte zur Top-Performer-Währung in Europa entwickelt. Seit Jahresbeginn verzeichnete der Forint eine Aufwertung von über 20 Prozent gegenüber der US-Leitwährung.
Während der Forint zum Jahreswechsel 2024/2025 noch etwa bei der Marke von 400 Forint je US-Dollar gehandelt wurde, kletterte er bis Mitte November auf etwa 331 HUF und pendelt damit um seinen höchsten Stand seit mehr als dreieinhalb Jahren. Diese deutliche Trendwende folgt auf ein schwaches Jahr 2024 und ist ein deutliches Zeichen für das gestiegene Vertrauen internationaler Investoren. Gleichzeitig gibt auch der schwache US-Dollar der Währung Rückenwind.
"Die trotz des Drucks seitens der Regierung weiterhin restriktive Geldpolitik war der Hauptgrund für die starke Performance des Forint in diesem Jahr", erklärten die Analysten der Commerzbank. Derzeit gebe es keinen Abwärtsimpuls beim ungarischen Forint, fügten die Devisenexperten von ING in einer Einschätzung von Dienstag hinzu.
Das Kabinett von Ministerpräsident Viktor Orban hat sich zuletzt verstärkt darum bemüht, die Ungarische Nationalbank (MNB) zu einer Senkung der Kreditkosten zu bewegen. Die bleibt jedoch bislang standhaft. Und hat die Leitzinsen gegen den ausdrücklichen Wunsch der Regierung bei 6,5 Prozent belassen. "Aufgrund der Risiken für das Inflationsumfeld sowie der handelspolitischen und geopolitischen Spannungen ist weiterhin ein umsichtiges und geduldiges Vorgehen in der Geldpolitik erforderlich“, erklärte die Notenbank am Dienstag nach ihrer Zins-Entscheidung. "Nach Einschätzung des Rates ist die Beibehaltung einer restriktiven Geldpolitik gerechtfertigt."
Der hohe Leitzins macht den Forint attraktiv für Carry Trades, was die Währung seit mehreren Monaten stützt und sie auf immer neue Höchststände treibt. Nachdem die MNB die Leitzinsen von Oktober 2023 bis September 2024 von 13 Prozent auf 6,5 Prozent halbiert hat, hat sie sich mit weiteren Senkungen zurückgehalten, sodass die Zinsen in dem Land aktuell mit die höchsten in der Region sind.
Diese vergleichsweise attraktiven Renditen auf Forint-Anlagen ziehen Kapitalströme an, insbesondere für sogenannte Carry Trades, bei denen Investoren billig in einer Währung leihen und hochverzinst in einer anderen anlegen.
Ein weiterer entscheidender Faktor für die Forint-Stärke ist die relative Schwäche des US-Dollars in Teilen des Jahres 2025. "Die Kombination aus den extrem hohen ungarischen Zinsdifferenzen und einer insgesamt nachlassenden Dollar-Stärke hat dem Forint den nötigen Rückenwind für diesen massiven Aufwärtstrend verschafft", erklärt ein FX-Stratege.
Zudem profitiert Ungarn von positiven makroökonomischen Entwicklungen, darunter die robusten Wachstumsaussichten des Landes, die das Vertrauen in die ungarische Wirtschaft stärken. Experten rechnen mit einem BIP-Wachstum von rund 2 Prozent im Jahr 2026, gestützt durch eine Zunahme des privaten Konsums, der Investitionen und der Exporte.
Trotz der beeindruckenden Performance warnen Analysten vor übermäßigem Optimismus. Die ungarische Währung bleibt anfällig für geopolitische Spannungen und hausgemachte politische Risiken. Die anhaltenden Unsicherheiten bezüglich der Freigabe von EU-Mitteln an Ungarn belasten die langfristigen Aussichten. Positive Nachrichten könnten einen weiteren Aufwertungsschub bringen, während Blockaden die Währung schnell unter Druck setzen können.
Der Forint hat seine Rolle als Rendite-Jäger in diesem Jahr eindrucksvoll bestätigt. Investoren müssen jedoch weiterhin die Schritte der MNB und die politischen Entwicklungen in Budapest und Brüssel genau im Auge behalten, um einschätzen zu können, ob aus den 20 Prozent Gewinn in diesem Jahr noch mehr wird.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


