Perrier-Eklat
Trotz Skandal: Nestlé gewinnt vor Gericht
Nestlé darf Perrier weiter verkaufen: Ein Gericht wies die Klage wegen irreführender Werbung ab. Trotz starker Kritik bleibt das Wasser im Handel.
- Nestlé darf Perrier trotz Klage weiter verkaufen.
- Gericht wies Vorwurf irreführender Werbung zurück.
- Behandlung des Wassers wurde auf Mikrofiltration umgestellt.
- Report: Renditeturbo 2026 –
Nestlé hat im Streit um seine französische Marke "Perrier" einen juristischen Erfolg erzielt und darf das Mineralwasser weiter verkaufen. Ein französisches Gericht in Nanterre lehnte eine entsprechende Klage der Verbraucherschutzorganisation UFC-Que Chosir ab. Sie hatte Nestlé irreführende Werbung vorgeworfen und argumentiert, das Mineralwasser dürfe nicht mehr als "natürlich" bezeichnet werden, da es behandelt sei und womit Konsumenten getäuscht werden würden.
Verbraucherschützer hatten bereits im Frühjahr eine einstweilige Verfügung beantragt, der Termin war aber aufgeschoben worden. Nestlé Waters war 2024 in die Kritik geraten, weil es nach Recherchen französischer Medien natürlich verkauftes Mineralwasser desinfiziert hatte. In den vergangenen Jahren waren vor allem nach starken Regenfällen mehrfach Fäkalbakterien in den Entnahmestellen nachgewiesen worden, die für Perrier verwendet werden.
Das Unternehmen hatte eingeräumt, das Wasser mit Aktivkohle oder UV-Strahlen gereinigt zu haben, um die Lebensmittelsicherheit zu garantieren. Die Richter entschieden nun: Es gebe nicht genug Beweise für ein drängendes Gesundheitsrisiko oder eine eindeutige Rechtsverletzung, die es rechtfertigen würden, das Produkt vom Markt zu nehmen. Natürliches Mineralwasser darf nach EU-Vorschrift nicht behandelt werden. Nach Konzernangaben wurde die Behandlung inzwischen eingestellt.
Stattdessen setzte der Konzern auf eine Mikrofiltration. Ein politischer Streit war vorangegangen. Die französische Regierung änderte 2023 die Vorschriften und genehmigte den Einsatz von
Mikrofiltern. Anfang 2025 hielt ihr ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss vor, das Vorgehen Nestlés vertuscht zu haben. "Obwohl die Desinfektion des Wassers eine Täuschung der
Verbraucher darstellte, hatte dies keine juristischen Folgen", wie es in einem Bericht der Senatoren hieß.
Die Aktie ist seit Jahresbeginn über 8 Prozent im Minus und hat in den letzten Tagen drei Prozent an Wert verloren. Am Mittwoch (9:45 MEZ) ist sie mit knapp 1 Prozent leicht im Plus.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion
Die Nestle Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +0,59 % und einem Kurs von 86,13EUR auf Lang & Schwarz (19. November 2025, 09:24 Uhr) gehandelt.
