Druck auf OpenAI wächst
Nächste Runde KI-Karussell: Nvidia und Microsoft steigen bei Anthropic ein
Der OpenAI-Konkurrent Anthropic sichert sich in seiner kommenden Finanzierungsrunde weitere namhafte Investments.
- Anthropic erhält 15 Mrd. USD von Microsoft und Nvidia.
- Bewertung steigt auf 183 Mrd. USD nach Kapitalrunde.
- Skepsis an Circular KI-Deals, Aktien verlieren 2%.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Anleger und Investoren benötigen wohl bald ein Organigramm, um bei der Flut von wechselseitigen Beteiligungen und Verbindungen zwischen den großen US-Tech-Unternehmen nicht den Überblick zu verlieren. Am Dienstag kommt ein weiterer Deal hinzu. Microsoft und Nvidia wollen sich in der nächsten Finanzierungsrunde des KI-Startups Anthropic mit 15 Milliarden US-Dollar beteiligen.
Bereits im September konnte Anthropic eine Bewertung von 183 Milliarden US-Dollar bei einer Kapitalrunde über 13 Milliarden erzielen. Nun folgt die nächste Finanzspritze: Nvidia will bis zu 10 Milliarden beisteuern, Microsoft rund 5 Milliarden.
Anthropic ist sowas wie der kleine Bruder von OpenAI und wurde 2021 von ehemaligen Mitarbeitern des ChatGPT-Erfinders gegründet. Seither konnte sich das Unternehmen mit seinem Chatbot Claude als sicherheitsbewusste Alternative zu ChatGPT positionieren. Inzwischen hat sich Anthropic in der Finanz- und Gesundheitsbranche etabliert und zählt 300.000 Unternehmenskunden.
Die Märkte zeigten sich dennoch skeptisch, sowohl die Microsoft- als auch die Nvidia-Aktie verloren am Dienstag mehr als 2 Prozent an Wert. Der Deal fällt in eine Phase wachsender Zweifel an sogenannten Circular KI-Deals, bei denen Technologiekonzerne KI-Start-ups finanzieren, die im Gegenzug wiederum bei denselben Konzernen Rechenleistung und Infrastruktur einkaufen.
Ein ähnliches Arrangement soll es auch im Fall von Microsoft und Anthropic geben. Der KI-Entwickler verpflichtet sich, Cloudkapazitäten im Wert von 30 Milliarden US-Dollar bei Microsofts Azure zu kaufen. Auch eine Integration der Claude-Modelle in Microsofts Azure Foundry steht bevor – bislang war Anthropic dort nicht vertreten.
Parallel treibt Anthropic den Ausbau eigener KI-Rechenzentren in den USA voran. Bis zu 50 Milliarden US-Dollar sollen in Standorte in Texas und New York fließen. Neben Microsoft und Nvidia ist auch Amazon ein wichtiger Partner: Der Cloud-Riese hat bereits 8 Milliarden US-Dollar in Anthropic gesteckt und bleibt laut Unternehmen der primäre Cloudanbieter. Darüber hinaus ist auch Google-Mutterkonzern Alphabet mit mehr als 10 Prozent an Anthropic beteiligt.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
