USA ziehen vorbei
"Es wird eine Katastrophe": Europa verliert den Anschluss bei Seltenen Erden!
Europas Industrie rutscht bei Seltenen Erden gefährlich ins Hintertreffen, während die USA ihre Magnetproduktionen rasant ausbauen.
- Europa verliert bei Seltenen Erden an Boden, USA bauen aus.
- Mangel an schweren Seltenen Erden bremst westliche Industrie.
- Umweltprobleme und Kosten erschweren neue Projekte stark.
- Report: Vorsicht, geheim!
Europa steht laut Experten vor einer wachsenden Versorgungskrise bei Seltenen Erden. Erik Eschen, Geschäftsführer des deutschen Magnetherstellers Vacuumschmelze, warnt:
"Wenn wir nichts tun, verlieren wir unser Know-how, und langfristig wird es eine Katastrophe für Europa."
Das Unternehmen hat gerade eine neue Produktionsstätte in South Carolina eröffnet und ist damit Teil einer Reihe von Projekten, die die Seltenen Erden aus China teilweise ersetzen sollen.
Eschen hob hervor, dass die USA ihre Lieferketten deutlich entschlossener zurückholen wollen, während Europa aus seiner Sicht sowohl politisch als auch in den Chefetagen weit weniger Dringlichkeit zeigt. "Es gibt einen deutlichen Unterschied zu den Vereinigten Staaten, die die gesamte Debatte anführen", sagte Eschen in einem Interview mit Bloomberg. Er äußert die Befürchtung, dass Europas Politik und Industrie bald wieder in einen bequemen Ruhemodus verfallen und passiv darauf hoffen könnten, dass eine Lösung am Ende aus den Vereinigten Staaten oder aus China kommt.
Mangel an schweren Seltenen Erden bremst auch den Westen
Die USA und ihre Verbündeten setzen auf eine eigene Lieferkette für Supermagnete, die unter anderem in Elektroautos, Windturbinen und Verteidigungstechnologie benötigt werden. Doch der Engpass bei schweren Seltenen Erden wie Dysprosium und Terbium droht das Vorhaben zu bremsen, berichtet Reuters. MP Materials aus Nevada, ein führender US-Hersteller, produziert derzeit vor allem leichte Seltene Erden.
"MP Materials steht vor einer gewaltigen Herausforderung", erklärt Ilya Epikhin von Arthur D. Little. Das Unternehmen müsse auf Brasilien, Malaysia oder afrikanische Staaten ausweichen, um die schweren Elemente zu beschaffen, das könne jedoch viel Zeit benötigen. Chief Operating Officer Michael Rosenthal sagte, MP arbeite mit mehreren möglichen Lieferanten schwerer Metalle zusammen, nannte aber keine Namen. Zusätzlich liefert Apple recyceltes Material mit schweren Seltenen Erden aus einem Vertrag über 500 Millionen US-Dollar.
Europas Kapazitäten hinken hinterher
Vacuumschmelze plant, die Kapazität in South Carolina bis 2026 auf 2.000 Tonnen zu steigern und mittelfristig auf 12.000 Tonnen auszubauen. Adamas Intelligence rechnet damit, dass die Magnetproduktion außerhalb Chinas und Japans bis 2030 auf 70.000 Tonnen pro Jahr steigt und dafür jedes Jahr rund 1.650 Tonnen Dysprosiumoxid nötig sind. "Die schweren Seltenen Erden sind definitiv das nächste Puzzleteil, das gelöst werden muss, um die westliche Magnetproduktion in großem Maßstab freizuschalten", sagt Ryan Castilloux von Adamas Intelligence.
Die Europäische Union hat mit dem Critical Raw Materials Act 2023 ein wichtiges Lieferkettengesetz erlassen, doch Finanzierungsfragen und Uneinigkeit zwischen Mitgliedsstaaten bremsen die Umsetzung. Deutschland versucht, Chinas Exportkontrollen zu umgehen und sich einen "zuverlässigen Zugang" zu sichern, wie Finanzminister Lars Klingbeil versicherte.
Umweltprobleme und technologische Hürden
Neue Projekte in Australien, Brasilien, Malaysia und Kanada stoßen auf technische und ökologische Herausforderungen. Die Gewinnung schwerer Seltener Erden ist deutlich teurer und belastet die Umwelt stärker als bei leichten Elementen. "Ein entscheidender Engpass wird der höhere negative Einfluss des Bergbaus und die Verarbeitung schwerer Seltenen Erden auf die Umwelt sein", sagt Piyush Goel von CRU.
Eschen betont, dass Magnete ohne schwere Seltene Erden nur eingeschränkt nutzbar sind.
"Wenn man in Anwendungen wie Elektroantriebe geht, die sehr schnell laufen und hohe Temperaturen erreichen, dann braucht man die schweren Elemente."
Die westliche Industrie steht unter Zugzwang. Ohne rasches Handeln droht Europa nicht nur ein technologischer Rückstand, sondern auch ein Verlust strategischer Unabhängigkeit von China.
Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

