2030 als Deadline
Quantencomputer bedrohen Kryptos – "Ich würde meine Bitcoins nicht behalten"
Ein Quanten-Insider beschreibt eine technologische Entwicklung, welche die Krypto-Sicherheit schneller ins Wanken bringen könnte, als vielen bewusst ist.
- Quantencomputer könnten Bitcoin-Sicherheit gefährden.
- Bis 2030 sind stärkere Verschlüsselungen nötig.
- Quantencomputer knacken auch andere Verschlüsselungen.
- Report: Vorsicht, geheim!
Quantencomputer könnten nach Einschätzung von Théau Peronnin, CEO des französischen Start-ups Alice & Bob und Technologiepartner von Nvidia, schon "kurz nach 2030" stark genug sein, um die Sicherheitsmechanismen von Bitcoin zu knacken. Gemeint ist, dass solche Maschinen entweder den Mining-Prozess in Sekunden lösen oder die Passwörter zu digitalen Wallets erraten könnten. Noch sei das keine akute Gefahr, sagte Peronnin auf dem Web Summit in Lissabon, "aber sie ist auf dem besten Weg". Deshalb müsse Bitcoin seiner Ansicht nach spätestens bis 2030 sein Sicherheitssystem erneuern und auf eine deutlich stärkere Verschlüsselung umstellen. "Sie sollten noch ein paar gute Jahre vor sich haben, aber ich würde meine Bitcoins nicht behalten", zitiert Fortune ihn.
Alice & Bob entwickelt zusammen mit Nvidia einen Quantencomputer, der trotz der extrem komplexen Quantenphysik möglichst zuverlässig arbeiten soll. Während herkömmliche Computer nur 1 oder 0 kennen, können Quantenbits durch physikalische Überlagerung gleichzeitig beide Zustände annehmen und so viele Berechnungen parallel ausführen. Das erhöht die Rechenpower enorm – aber auch die Fehleranfälligkeit. Alice & Bob will diese Fehler direkt in der Hardware abfangen. "Der springende Punkt dieses Ansatzes besteht darin, die erste Ebene der Fehlerkorrektur direkt in das Design des Quantenbits selbst einzubetten", sagte Peronnin. Das mache das Gesamtsystem "bis zu 200-mal einfacher".
Das erste fertige System, "Graphene", soll ab 2030 verfügbar sein und klassische Supercomputer bei wichtigen Aufgaben überholen. Nvidia baut parallel das Software-Ökosystem, das Programmierern den Zugang zur komplizierten Technologie erleichtern soll. "Wir stellen sicher, dass unsere Hardware mit ihrer Vision kompatibel ist und passen ihre Vision an unsere Anforderungen an", sagte Peronnin.
Trotz der ambitionierten Pläne sieht er Quantencomputer kurzfristig nicht als Gefahr. "In absehbarer Zukunft werden Quantencomputer extrem schwach und extrem langsam bleiben, und das macht wirklich Spaß." Der Leistungszuwachs sei aber exponentiell: zunächst flach, dann steil wie "eine senkrechte Wand". Heute seien sie noch schwächer als ein Smartphone, "aber in ein paar Jahren wird es leistungsfähiger sein als der größte Supercomputer, den es je gab".
Das hätte Folgen weit über Bitcoin hinaus. Quantencomputer könnten jede gängige Verschlüsselung knacken – auch im Bankwesen oder in der IT-Sicherheit. Zwar entwickeln Unternehmen bereits quantenresistente Schutzmechanismen, doch völlig klar ist der Zeitpunkt nicht. Peronnin warnt jedoch: "Die Schwelle für ein solches Ereignis rückt von Jahr zu Jahr näher."
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

