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Deutschlands beste Mid-Caps im Analysten-Check: Wer hat die Nase vorn?
3 deutsche Midcaps ins Rampenlicht – mit sehr unterschiedlichen Perspektiven. Während Vossloh auf den großen Schub aus Berlin wartet, kämpft Friedrich Vorwerk mit Überlastung am Bau. Doch der Gewinner ist ein anderer!
- Vossloh: Geduld nötig, Gewinne erst ab 2027 spürbar.
- Vorwerk: Rekordjahr 2025, aber Fachkräftemangel bleibt.
- Basler: Starkes Wachstum, Umsatzprognose auf 225 Mio. Euro.
- Report: Gold & Silber auf Rekordjagd
Vossloh: Große Hoffnungen – aber Geduld gefragt
Die Aktie des Bahninfrastruktur-Spezialisten hat zuletzt an Schwung verloren. Zwar gilt Vossloh als klarer Profiteur des großen deutschen Infrastrukturpakets, doch der Effekt kommt später als viele Anleger erwarten. Erst ab 2027 rechnet das Management mit spürbaren Beiträgen zu Auftragseingang und Ergebnis.
2025 drohen Verzögerungen im deutschen Schienennetz – ausgelöst durch Führungswechsel bei der Deutschen Bahn und die zähe Haushaltslage. Das belastet besonders das margenstarke Segment Lifecycle Solutions. Immerhin könnten kleinere Wartungsaufträge einen Teil kompensieren.
Mit der Sateba-Übernahme muss Vossloh zudem rund 50 Millionen Euro an PPA-Abschreibungen in den kommenden zwei Jahren verkraften – das drückt den erwarteten Gewinn um etwa 20 Prozent. Für 2026 modelliert Jefferies ein Umsatzplus von 4 Prozent und eine operative Marge (vor PPA) von 9,2 Prozent. Das Kursziel sinkt auf 72 Euro, die Einstufung bleibt Hold. Seit Jahresanfang hat die Aktie mehr als 60 Prozent zugelegt, zwischenzeitlich hatte sie sich sogar mehr als verdoppelt.
Friedrich Vorwerk: Rekordjahr 2025 – und dann?
Vorwerk profitiert massiv vom Investitionsdruck im Stromnetz. Nach einer zweimaligen Prognoseanhebung steuert das Unternehmen auf ein außergewöhnlich starkes Jahr zu – mit bis zu 680 Millionen Euro Umsatz und einer EBITDA-Marge von rund 20–22 Prozent.
Doch diese Stärke hat ihren Preis: Die Vergleichsbasis für 2026 wird extrem hoch. Gleichzeitig bleibt der größte Engpass bestehen – Fachkräfte. Die Auslastung liegt laut Jefferies bei teils 120 Prozent und ist so nicht durchzuhalten. Mit dem Infrastruktur-Großpaket ab 2026 und wieder anziehender Bautätigkeit verschärft sich der Wettbewerb um Arbeitskräfte.
Auch der Projekmix wird riskanter: Die Abhängigkeit von gut kalkulierbaren Cost-Plus-Aufträgen nimmt ab, Festpreisverträge mit schwankenden Margen werden wichtiger. Trotzdem bleiben langfristige Chancen im Wasserstoff- und CO₂-Netzausbau bestehen. Das Kursziel steigt auf 68 Euro, die Einstufung bleibt jedoch Underperform. Nach ein Kursplus von 200 Prozent könnten die Zeichen hier erst einmal auf Verschnaufpause stehen.
Basler: Der Aufsteiger im Trio
Ganz anders Basler: Der Bildverarbeitungsspezialist zeigt kräftige Erholungstendenzen. Der künftige CEO Hardy Mehl setzt auf Kontinuität und auf den Umbau hin zu kompletten, modularen Vision-Systemen. Die Jahresprognose wurde erneut angehoben, der Umsatz soll 2025 auf bis zu 225 Millionen Euro steigen – ein Plus von über 20 Prozent.
Besonders beeindruckend: Die Nachfrage in Logistik, Rechenzentren und industriellen Anwendungen zieht spürbar an. Gleichzeitig bleibt Basler als letzter westlicher Anbieter mit direktem Zugriff auf den chinesischen Markt strategisch stark positioniert.
Jefferies erhöht die Gewinnprognosen für 2025 und 2026 deutlich. Das neue Kursziel liegt bei 22 Euro – Buy bestätigt. Seit Jahresanfang konnte die Aktie rund 155 Prozent zulegen.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
