Investoren-Aufstand
Revolte bei Delivery Hero: Verkauf, Spaltung, alles auf dem Tisch – Aktie steigt
Delivery Hero steht massiv unter Druck: Mehrere Großaktionäre fordern eine strategische Überprüfung, inklusive möglicher Verkäufe. Die Aktie haussiert.
- Großaktionäre fordern strategische Überprüfung bei Delivery Hero.
- Aktie fiel um 53%, jetzt vorbörslich um 7% gestiegen.
- Verkauf von Verlustgeschäften und Portfolioverkäufe gefordert.
- Report: Gold & Silber auf Rekordjagd
Delivery Hero gerät zunehmend unter Druck großer Anteilseigner, die angesichts der anhaltend schwachen Kursentwicklung eine strategische Neuausrichtung verlangen. Mehrere Investoren fordern laut Bloomberg, das Management müsse einen vollständigen oder teilweisen Verkauf prüfen oder zumindest die verlustreichen Geschäftsbereiche konsequenter straffen. Der Kurs der Aktie, der im vergangenen Jahr um 53 Prozent gefallen ist und Delivery Hero nur noch mit rund 5,2 Milliarden Euro bewertet, hat diesen Druck verstärkt. Vorbörslich stieg die Aktie am Freitag um über 7 Prozent auf 18,81 Euro – der fünfte Gewinntag in Folge.
Nach Informationen aus Investorengruppen zählen der Hongkonger Hedgefonds Aspex Management, der mehr als 5 Prozent hält und damit zweitgrößter Aktionär ist, sowie Broad Peak Investment Advisers, PSquared Asset Management und ein großer US-Fonds zu den treibenden Kräften. Sie kritisieren, dass Delivery Hero trotz früherer Verkaufsversuche – darunter der gescheiterte Deal über die Taiwan-Tochter mit Uber – nicht ausreichend Fortschritte bei der Effizienzsteigerung erzielt habe.
Einige Investoren fordern daher einen "umfassenderen strategischen Ansatz", der auch größere Portfolioverkäufe einschließen könnte. Branchenkenner verweisen darauf, dass das Unternehmen mit Assets wie dem koreanischen Marktführer Baedal Minjok über attraktive Verkaufskandidaten verfügt, die das Interesse von Meituan, Grab oder Uber wecken könnten. Die zunehmende Konsolidierung im Liefermarkt – zuletzt unterstrichen durch die Just-Eat-Übernahme durch Prosus – verstärke den Druck zusätzlich. Prosus selbst hat angekündigt, seine Beteiligung von 27,4 Prozent bis August 2026 deutlich zu reduzieren.
Unter deutschen Regeln könnten Investoren mit mehr als 5 Prozent eine außerordentliche Hauptversammlung erzwingen und das Management öffentlich unter Druck setzen. Zwar wäre ein Misstrauensvotum rechtlich folgenlos, doch ein solcher Vertrauensverlust gilt als schwerer Makel.
Auch Ajeej Capital, das Anteile an Delivery Hero und an dessen Nahost-Tochter Talabat hält, äußert zunehmend Unmut über die große Lücke zwischen operativer Entwicklung und Marktbewertung. Talabat betonte gegenüber Bloomberg, man sei "voll und ganz den höchsten Standards der Unternehmensführung verpflichtet" und fokussiere sich auf "nachhaltiges Wachstum".
Analysten sehen in den jüngsten Entwicklungen ein Zeichen wachsender Bewegung. Barclays-Experte Andrew Ross kommentierte, er habe seit Monaten darauf hingewiesen, dass "der Status Quo nicht haltbar" sei. Nun geäußerte Forderungen signalisierten, "dass sich etwas tue". JPMorgans Marcus Diebel hatte bereits zuvor darauf hingewiesen, dass das aktuelle Bewertungsniveau strategische Käufer anziehen könnte.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

